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25.01.2005

09:04 Uhr

Experten rechnen nicht mit schneller Besserung

Immobilienkrise holt deutsche Banken ein

VonKatharina Kort und Reiner Reichel (Handelsblatt)

Die Banken haben die seit Jahren andauernde Immobilienkrise in Deutschland noch nicht verdaut. Die überraschenden Abschreibungen der Hypo-Vereinsbank (HVB) sind nur das jüngste Beispiel. Fehlinvestitionen in Ostdeutschland und leer stehende Bürogebäude in Westdeutschland machen den Banken zu schaffen.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Erst vor wenigen Wochen mussten die Großaktionäre der Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) – die Gewerkschaftsholding BGAG und der Immobilienfinanzierer BHW – der Hypothekenbank eine weitere Kapitalspritze in Höhe von 383 Mill. Euro geben. Der Grund: Zinsspekulationen und Fehlinvestitionen in Ostdeutschland. Vier Monate zuvor hatte die Aareal Bank auf Druck der Finanzaufsicht ihre Risikovorsorge drastisch erhöht. Statt eines Gewinns von 100 Mill. Euro wird sie für das abgelaufene Jahr voraussichtlich einen Verlust in gleicher Höhe ausweisen. Ursache waren auch hier vor allem Immobilienanlagen in Ostdeutschland. Experten rechnen mit weiteren bösen Überraschungen: „Wir gehen davon aus, dass noch nicht alle Wertberichtigungen vorgenommen wurden, die nötig sind“, sagt Bankenexpertin Simin Mazaheri von der Unternehmensberatung Mercer Oliver Wyman.

In Ostdeutschland haben vor allem Subventionen zu einem riesigen Überangebot geführt. Im Einzelhandel wurde zu viel auf der „grünen Wiese“ gebaut. Mietwohnungen stehen leer, auch weil die Bevölkerung schwindet, und auf dem Bürosektor baut sich der Angebotsüberhang nur zögerlich ab. Insgesamt gehen auf dem Bürogebäudemarkt in Deutschland, dem wichtigsten Immobiliengeschäftssegment, seit dem Jahr 2001 die Mieten ab- und die Leerstände aufwärts. Zum Jahresende standen in den fünf deutschen Immobilienhochburgen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg und München nach Berechnungen des Maklerverbundes DIP Deutsche Immobilien-Partner im Durchschnitt 12,2 Prozent der Büros leer. Sowohl die Durchschnitts- als auch die Höchstmieten hätten 2004 weiter unter Druck gestanden, berichtet die Immobilien-Beratungsfirma Atis Real Müller. Sie zeigt am Beispiel Frankfurts, wie sehr der Leerstand die Mieten nach unten zieht: Die Spitzenmiete sei dort um knapp elf Prozent auf 34 Euro pro Quadratmeter gesunken. Damit werden Anschluss-Mietverträge für die Immobilie zu schlechteren Konditionen abgeschlossen. Und wenn nicht wenigstens der Leerstand sinkt, bedeutet dies nicht nur weniger laufende Einnahmen, sondern auch einen Wertverlust des Gebäudes – denn der wird als Vielfaches einer Jahresmiete berechnet. Für die Bank bedeutet dies womöglich, dass die Mieteinnahmen nicht ausreichen, um den Kredit zu bedienen. Gleichzeitig verliert ihre Sicherheit, die Immobilie, an Wert.

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