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22.02.2016

20:20 Uhr

EZB-Direktorin Lautenschläger

Deutsche Banken müssen sich gegen Nullzins wappnen

Nicht den Atem anhalten, sondern nach vorne preschen: EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger empfiehlt deutschen Banken, in der Niedrigzinsphase das eigene Geschäftsmodell zu überprüfen – und zu sparen.

Hinter jedem Euro Ertrag stünden bei deutschen Banken Kosten von 70 Cent – andernorts seien es 50, gibt die EZB-Direktorin zu Bedenken. Reuters

EZB-Direktorin

Hinter jedem Euro Ertrag stünden bei deutschen Banken Kosten von 70 Cent – andernorts seien es 50, gibt die EZB-Direktorin zu Bedenken.

BerlinDie deutschen Banken müssen sich nach Ansicht von EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger nachhaltig gegen niedrige Zinsen wappnen. „Diese Institute sollten nicht versuchen, einfach den Atem anzuhalten bis sie wieder aus der Niedrigzinsphase auftauchen können. Dabei könnte ihnen die Luft ausgehen“, warnte sie am Montagabend auf einer Veranstaltung der Bundesbank in Stuttgart. Kleine und mittelgroße Institute sollten ihre Geschäftsmodelle auf Effizienz überprüfen: „Auch in den Kleinigkeiten – und das lieber früher als später.“ Es liege nahe, neue Ertragsquellen zu erschließen, die weniger zinsabhängig seien – zum Beispiel das Provisionsgeschäft.

Auf der Kostenseite hätten die deutschen Institute Potenzial für Einsparungen. „Im europäischen Vergleich ist ihre Kosteneffizienz relativ gering. Hinter jedem Euro Ertrag stehen bei ihnen fast 70 Cent an Kosten – in anderen Ländern sind es nur 50 Cent“, sagte Lautenschläger. Allerdings verfügten gerade die deutschen Banken über einige Reserven. Ihre Kunden seien in der Regel solvent und liquide und die Quote notleidender Kredite entsprechend niedrig. „Als Aufseherin bin ich daher nicht unmittelbar beunruhigt“, fügte Lautenschläger hinzu, die vor ihrem Wechsel zur Europäischen Zentralbank (EZB) Vizechefin der deutschen Notenbank war.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Jüngst hatte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret das Jahr 2016 als Herausforderung für die hiesigen Finanzinstitute bezeichnet. Um ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken, müssten die Banken ausreichende und nachhaltige Erträge erzielen. Tatsächlich sei die Gewinnsituation jedoch nicht bei allen Geldhäusern zufriedenstellend.

Von

rtr

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