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15.01.2013

16:43 Uhr

EZB-Milliarden

Deutsche Banken kaufen sich wieder frei

Anfang 2012 haben sich deutsche Banken Milliarden von der EZB geliehen, um durch die Krise zu kommen. Schon jetzt wollen die Institute damit beginnen, das Geld zurückzuzahlen – denn viele haben es gar nicht gebraucht.

Das Spiegelbild der Commerzbank in einer Pfütze. Reuters

Das Spiegelbild der Commerzbank in einer Pfütze.

FrankfurtDie deutschen Geldhäuser lösen sich langsam wieder vom Tropf der Europäischen Zentralbank. Ein Jahr nach den Milliardenspritzen der Währungshüter wollen die Institute nach Informationen aus Finanzkreisen schon im Januar mit der Rückzahlung beginnen. Anfang 2012 hatten sie sich das Geld eigentlich für drei Jahre zum Mini-Zins von damals einem Prozent geliehen, um Liquiditätsengpässen vorzubeugen. Inzwischen müssen die Banken nur noch 0,75 Prozent Zinsen zahlen, da der Leitzins gesunken ist.

Vor einem Jahr war die Nervosität groß - die Euro-Schuldenkrise steuerte einem neuen Höhepunkt zu, die Geldmärkte drohten einzufrieren: In zwei Tranchen besorgten sich Europas Finanzinstitute daher rekordverdächtige eine Billion Euro, allein an deutsche Häuser flossen nach Schätzungen von Analysten 69 Milliarden. EZB-Präsident Mario Draghi wollte mit den Geldspritzen - auch bekannt unter dem Schlagwort LTRO - verhindern, dass die Schuldenkrise das Finanzsystem infiziert und die Banken wie Jahre zuvor kaum mehr an Geld kommen.

Vom 30. Januar an haben die Banken nun wöchentlich die Möglichkeit, das Geld aus der ersten Tranche von 489 Milliarden Euro zurückzugeben. Analysten von Barclays schätzen, dass die deutschen Banken schon bei erster Gelegenheit 25 Milliarden zurückzahlen. Die Commerzbank, die sich insgesamt 16 Milliarden Euro bei der EZB besorgte, hat bereits angekündigt, im ersten Quartal mit der Rückzahlung zu beginnen.

Finanzvorstand Stephan Engels will die zehn Milliarden Euro, die sein Haus in der ersten Runde genommen hatte, bis Ende März komplett tilgen. Deutschlands zweitgrößte Bank könne sich inzwischen günstiger refinanzieren als über die EZB, hatte er im November gesagt. Das würde im Grundsatz auch für die sechs Milliarden aus der zweiten Tranche gelten. Ihr Kreditgeschäft hat die Commerzbank ohnehin geschrumpft und braucht daher weniger Refinanzierungsmittel.

Kernkapitalquoten nach Basel III im Vergleich

Deutsche Bank

Kernkapitalquote

...nach aktuell gültigen Regeln: 10,2 %

...nach Basel III: 7,2 %

Stand: November 2012, Quellen: Institute, eigene Recherchen, DB Securities

Commerzbank

Kernkapitalquote

...nach aktuell gültigen Regeln: 12,2 %

...nach Basel III: 7,7 %

HSBC

Kernkapitalquote

...nach aktuell gültigen Regeln: 11,3 %

...nach Basel III: 9,2 %

Barclays

Kernkapitalquote

...nach aktuell gültigen Regeln: 10,9 %

...nach Basel III: 8,6 %

UBS

Kernkapitalquote

...nach aktuell gültigen Regeln: 17,2 %

...nach Basel III: größer 9,0 %

Credit Suisse

Kernkapitalquote

...nach aktuell gültigen Regeln: 14,2 %

...nach Basel III: 8,6 %

JP Morgan

Kernkapitalquote

...nach aktuell gültigen Regeln: 9,5 %

...nach Basel III: 8,4 %

Bank of America

Kernkapitalquote

...nach aktuell gültigen Regeln: 11,2 %

...nach Basel III: 9,0 %

Goldman Sachs

Kernkapitalquote

...nach aktuell gültigen Regeln: 13,1 %

...nach Basel III: 8,5 %

Morgan Stanley

Kernkapitalquote

...nach aktuell gültigen Regeln: 13,5 %

...nach Basel III: ca. 9,0 %

Die Deutsche Bank, die sich Finanzkreisen zufolge bis zu zehn Milliarden Euro bei der EZB besorgt hat, hält sich zu ihren Plänen offiziell noch bedeckt. Generell wolle das Institut das Geld nicht auf einen Schlag, sondern in kleinen Schritten zurückgeben, sagte ein Insider.

Kommentare (1)

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Mazi

17.01.2013, 14:16 Uhr

"Inzwischen müssen die Banken nur noch 0,75 Prozent Zinsen zahlen, da der Leitzins gesunken ist."

Das dürfte doch ein Fall für ein wachsames Bundeskartellamt sein. Aber von dort hört man nichts. Zumindest habe ich davon noch nichts gehört.

Vielleicht ist es aber auch schon wegen besonderer Leistungen aufgelöst. Aufgefallen wäre es jedenfalls nicht.

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