Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.02.2012

14:27 Uhr

EZB-Tender

Banken ordern mehr Geld als erwartet

Die Banken haben beim regulären Wochentender am Dienstag bei der EZB kräftig zugelangt. Händler zeigen sich überrascht. Beim für kommende Woche geplanten zweiten Dreijahrestender dürften sie erneut in die Vollen gehen.

Euro-Abbild vor der Europäischen Zentralbank. dapd

Euro-Abbild vor der Europäischen Zentralbank.

FrankfurtDie Banken haben am Dienstag bei der EZB mehr Geld geordert als erwartet. Wie aus den Daten der Notenbank hervorgeht riefen beim regulären Wochentender 169 Banken insgesamt 166,5 Milliarden Euro ab. Geldhändler hatten nach einer Reuters-Umfrage vom Vortag im Schnitt mit einem Volumen von 135 Milliarden Euro gerechnet. Fällig wurden 143 Milliarden Euro. „Diese gewaltige Nachfrage ist nicht wirklich nachvollziehbar“, sagte ein Händler. „Schließlich liegen fast 500 Milliarden Euro in der Einlagefazilität und man sollte meinen, die Banken schwimmen schon im Geld.“

Mit Spannung wird am Geldmarkt der zweite Drei-Jahres-Tender in der nächsten Woche erwartet. Laut Reuters-Umfragen rechnen Geldhändler im Schnitt mit einem ähnlichen Zuteilungsvolumen wie beim ersten Drei-Jahres-Tender. Vor Weihnachten hatte sich die Banken bei der EZB insgesamt fast 500 Milliarden Euro besorgt.

Für Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sind staatliche Bankenhilfen ein Reizthema. Das gilt auch für die Hilfe der EZB für die Geldhäuser Europas über günstige Dreijahreskredite. "Wir machen dann mit, wenn es für uns ökonomisch sinnvoll ist. Aber eines ist klar: Wir brauchen es nicht", hatte Ackermann auf der Bilanz-Pressekonferenz gesagt. Und beim ersten Tendergeschäft dieser Art habe man "nicht mitgewirkt".

Wie sich die deutschen Banken finanzieren wollen

Pläne für die EBA

Bei sechs Deutschen Banken hatte die Europäische Bankenaufsicht Eba im vergangenen Jahr Lücken bei der Kapitalausstattung festgestellt, insgesamt rund 13 Milliarden Euro. Bis Ende Juni haben sie Zeit, das Geld zu beschaffen. Vergangenen Freitag mussten sie der Eba ihre Pläne vorlegen. Das Handelsblatt fasst zusammen, wie die Banken die fehlenden Milliarden auftreiben wollen.

Commerzbank.

Rund 5,3 Milliarden Euro fehlen der Commerzbank. Konzernchef Martin Blessing legte im Januar seine Pläne auf den Tisch. Er will sogar eine Milliarde Euro mehr beschaffen - aus eigener Kraft. Keine Staatshilfen, vorerst auch kein Geld von der Allianz. Knapp 60 Prozent des Fehlbetrags hat die Commerzbank schon reingeholt durch einen Gewinn von 1,2 Milliarden Euro im vierten Quartal 2011. Auf weitere 1,2 Milliarden hofft die Bank in den ersten beiden Quartalen 2012. Die Risikoaktiva seien bereits um 17 Milliarden Euro reduziert worden, was den Kapitalbedarf um weitere 1,6 Milliarden gesenkt habe, sagte Blessing.

Deutsche Bank.

Die Deutschen Bank braucht 3,2 Milliarden Euro. Bankchef Josef Ackermann will die Lücke mit einbehaltenen Gewinnen und dem Abbau von Risikopositionen schließen. Beobachter gehen davon aus, dass er die Vorgaben übererfüllen wird. Offiziell hält sich die Bank bis zur Bilanz-Pressekonferenz am 2. Februar bedeckt. Der mögliche Verkauf von großen Teilen des Asset Managements ist in den Berechnungen nicht berücksichtigt, auch nicht die geplante Veräußerung der BHF-Bank.

NordLB

Die Norddeutsche Landesbank (NordLB) hat einen Kapitalisierungsbedarf von 2,5 Milliarden Euro. Rund 1,7 Milliarden Euro hat sie bereits beschafft; der größte Teil stammt vom Land Niedersachsen. Am Freitag berichtete die NordLB, dass sie ihr Kernkapital nochmals um bis zu eine Milliarde Euro stärken wird, um die noch offene Lücke von 820 Millionen Euro zu schließen. Die letzte Milliarde soll durch Wandlung Stiller Einlagen, Beteiligungsverkäufe und die Einbehaltung von Gewinnen hereingeholt werden.

Helaba.

Rund 1,5 Milliarden Euro fehlen der Landesbank. Bereits im Dezember 2011 wurde die Lücke geschlossen. Das Land Hessen hatte zu diesem Zwecke seine Stillen Einlagen über 1,92 Milliarden Euro in hartes Kernkapital gewandelt. Die Eba hatte dies bei ihren Stresstests damals aber noch nicht berücksichtigt. Plan erfüllt.

WestLB

Die Düsseldorfer sind ein Sonderfall. Zwar hat die Eba eine Kapitallücke von 224 Millionen festgestellt. Dieser Befund ist inzwischen aber völlig wertlos. Mit Zustimmung ihrer Träger und auf Geheiß von EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia wird die angeschlagene Landesbank bis zum 30. Juni nicht nachkapitalisiert, sondern aufgelöst.

DZ Bank

353 Millionen Euro muss Bankchef Wolfgang Kirsch auftreiben. Er will dies tun, indem er ordentliche Gewinne erwirtschaftet - und diese dann einbehält.

Was der Deutsche-Bank-Chef Ackermann nicht sagte - und wohl auch nicht wusste: Die Postbank war als Tochter der Deutschen Bank weniger zurückhaltend.

Die Postbank besorgte sich nach Angaben aus Finanzkreisen rund 300 Millionen Euro über ihre Bausparkasse BHW. Damit hat das Topinstitut indirekt doch ein wenig profitieren können von der Liquiditätsspritze der Zentralbank. Ein Sprecher der Postbank wollte dazu keine Stellungnahme abgeben.

Ähnlich wie die BHW hatten im vergangenen Dezember gut 500 europäische Finanzhäuser beherzt zugegriffen. Auch die Commerzbank-Tochter Eurohypo hat sich dem Vernehmen nach Geld von der EZB geliehen. Mit einem überschaubaren Betrag sei auch die IKB dabei gewesen, ist aus Finanzkreisen zu hören. Beide Banken wollten sich dazu auf Anfrage nicht äußern.

Welche europäischen Banken 2011 ihr Kapital erhöht haben

Commerzbank

Seit zwei Jahren gehört das deutsche Institut zu einem Viertel dem Staat. Mit den Mitteln aus der Kapitalerhöhung will die Bank den größten Teil der rund 16 Milliarden Euro schweren staatlichen stillen Einlage ablösen - eine Art haftendes Eigenkapital ohne Stimmrechte. Insgesamt sammelte die Commerzbank zwischen April und Juni rund 14 Milliarden Euro ein.

Intesa SanPaolo

Erst kürzlich erhöhte die italienische Bank Intesa SanPaolo ihr Eigenkapitel um rund 7 Milliarden Dollar. Mit einer Kernkapitalquote von 7,9 Prozent zum Ende des Jahres 2010 benötigt Intesa nicht unmittelbar frisches Geld. Die Großbank dürfte sich jedoch auf die neuen Eigenkapitalregeln unter Basel III vorbereiten.

Danske Bank

Auch die dänische Danske Bank polsterte in diesem Jahr bereits ihre Kapitalausstattung auf. Im April sammelte sie rund 4 Milliarden Dollar ein. Mit Hilfe der Emission sollen staatliche Finanzhilfen zurückgezahlt werden.

Monte dei Paschi di Siena

Im August hat die italienische Bank Monte dei Paschi eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Der Schritt mit einem Volumen von rund 3 Milliarden Dollar soll dem Institut die Rückzahlung der so genannten Tremonti-Bonds ermöglichen.

 

Nordea Bank

Auch die dänische Nordea Bank sah sich gezwungen, ihre Eigenkapital aufzustocken: Im April dieses Jahres sammelte sie rund 2,9 Milliarden Dollar ein.

Bank of Ireland

Das irische Institut Bank of Ireland entging durch eine Kapitalerhöhung von rund 2,8 Milliarden Dollar in diesem Jahr nur knapp der Verstaatlichung. Durch die Beteiligung eines privaten Konsortiums liegen mindestens 68 Prozent des Instituts in privaten Händen.

Banco Popolare

Die mailändische Banco Popolare stockte im Februar ihre Kapitaldecke auf – um 2,7 Milliarden Dollar. Sie hatte in der Krise staatlich garantierte Anleihen in Anspruch genommen. Die wollte sie ablösen.

Agricultural Bank of Greece

Die Agricultural Bank of Greece (ATE) ist ein Sorgenkind des griechischen Bankensektors und fiel beim Stresstest der Bankenaufsicht durch. Sie erhöhte ihr Eigenkapital im Juni um 1,8 Milliarden Euro.

Unione die Banche Italiane

Im zweiten Quartal dieses Jahres konnte Italiens viertgrößte Bank ihr Ergebnis durch Steuergutschriften fast verdreifachen. Zuvor hatte sie eine Kapitalerhöhung von 1,4 Milliarden Dollar durchgeführt.

Emporiki Bank of Greece

Die viertgrößte Bank Griechenlands erhöhte ihr Eigenkapital im März ebenfalls um 1,4 Milliarden Dollar.

Bank of Piraeus

Die griechische Bank ist wegen des Umtauschs einheimischer Staatsanleihen tief in die roten Zahlen gerutscht. Im Januar griff sie zum Instrument der Kapitalerhöhung – und sammelte rund 1,1 Milliarden Dollar ein.

Marfin Popular Bank Public

Die zyprische Marfin Popular Bank erhöhte im Februar ihr Eigenkapital um 700 Millionen Dollar.

Banco de Sabadell

Die spanische Bank  kam beim Stresstest nur auf eine Kernkapitalquote von 5,7. Erst im Februar hatte sie Kapital um rund 600 Millionen Euro erhöht.

Monte dei Paschi di Siena

Die italienische Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena hat sich mit 536 Millionen Dollar neuem Kapital eingedeckt. In der Finanzkrise hatte das Institut aus der Toskana als erste italienische Bank Staatshilfen in Anspruch genommen, nachdem es sich vor der Krise vor allem mit der Übernahme der norditalienischen Banca Antonveneta stark verschuldet hatte.

Aareal Bank

Knapp 399 Millionen Dollar nahm die Aareal Bank durch die Platzierung neuer Aktien im April 2011 ein. Ein Teil des Erlös nutzte das Institut, um Staatshilfen an den Bankenrettungsfonds zurückzuzahlen.

Banco Comercial Portugues

Auch die Banco Comercial Portugues hat sich mit frischem Kapital eingedeckt. Das Institut generierte 377 Millionen Dollar.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

denk.mal

21.02.2012, 14:40 Uhr

There's no such thing as a "free lunch".

Account gelöscht!

21.02.2012, 16:07 Uhr

Was hier ablaeuft ist eine Frechheit. Draghi gibt den Banken Geld damit sie Anleihen kaufen. Aber Herr Draghi, was geschieht wenn diese Anleihen wieder nicht zurueckgezahlt werden? Da haette ich gerne mal eine Aussage von ihm gehoert.

denk.mal

21.02.2012, 16:30 Uhr

@Stubi
Ich gehe davon aus, dass die EZB diese Anleihen dann zum Nominalwert im Tausch gegen frisches Geld in ihre Bilanz nimmt.

Damit wird der monetäre Kreis teil-kurzgeschlossen und alles ist wieder schön im Fluss. Zwar nicht ganz dahin, wo es hinfließen sollte, aber Schwamm drüber...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×