Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.03.2016

10:58 Uhr

EZB und Niedrigzinsen

Keine höheren Gebühren für Privatkunden

Der Bankenverband rechnet trotz der Niedrigzinsen nicht damit, dass Banken ihre Gebühren erhöhen. Die Bundesbank hingegen befürchtet höhere Kosten für Privatkunden.

Viele Institute haben ihre Gebühren bereits erhöht. dpa

Niedrigzinsen

Viele Institute haben ihre Gebühren bereits erhöht.

BerlinTrotz der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hält der Bundesverband Deutscher Banken (BdB) höhere Gebühren für Privatkunden für unwahrscheinlich. „Der Wettbewerb in Deutschland ist so hart, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass das auf breiter Front gemacht wird“, sagte BdB-Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer am Donnerstag im ZDF-„Morgenmagazin“.

Die EZB hatte Anfang März im Kampf gegen Konjunkturschwäche und Mini-Inflation im Euro-Raum den Leitzins auf Null gesenkt und den Strafzins erhöht, der fällig wird, wenn Institute über Nacht bei der Notenbank Geld parken. Die Banken müssten jetzt nach neuen Möglichkeiten suchen, Kosten zu senken, sagte Kemmer.

Davor warnen Verbraucherschützer

Finger weg

Nicht nur Berater machen Fehler, einige Produkte sind per se nicht für alle Anleger geeignet. Vor welchen Produktklassen die Verbraucherschützer warnen.

Geschlossene Fonds

Die Kundenvertreter warnen vor den Beteiligungsmodellen des grauen Kapitalmarktes, bei denen grundsätzlich ein „sehr hohes Verlustrisiko“ bestehe. Das betrifft etwa Beteiligungen an Immobilien, Schiffen oder unternehmerischen Aktivitäten. Eine staatliche Aufsicht sei kaum vorhanden, die Kosten wenig transparent und die Vertriebsprovisionen hoch. Das Fazit: „Generell sollten Sie von solchen Kapitalanlagen die Finger lassen“.

Zertifikate

Auch von dieser Produktklasse raten die Verbraucherzentralen pauschal ab: „Meist werden Zertifikate von Banken gestrickt, um schnell auf einen modischen Anlagetrend aufspringen und den Kunden entsprechende Anlageprodukte verkaufen zu können“. Die Komplexität sei von Laien vielfach nicht nachvollziehbar. Das Fazit: „Anlagezertifikate sind Modeerscheinungen, auf die Sie ohne Not verzichten können“.

Fondsgebundene Versicherungen

Diese Anlageform soll ausschließlich dem Verkäufer nützen der „in den komplizierten Konstruktionen hervorragend jede Menge Kosten verstecken kann“. Das Fazit: Lieber gleich einen Fonds kaufen.

Außerbörsliche Wertpapiere

Eine Warnung gibt es auch vor Spezialpapieren. „Wenn ein Wertpapier nicht von einem renommierten Herausgeber stammt und ganz offiziell an der Börse gehandelt wird, sollten Sie es auf gar keinen Fall Kaufen“, raten die Verbraucherschützer. Die Erfahrung hätte gezeigt, dass die Ausfallrisiken höher und die Renditechancen niedriger seien. Das Fazit: Finger weg.

Wettgeschäfte

Zocker müssen wissen was sie tun – oder es besser lassen. Derivate, Optionsscheine oder Termingeschäfte bergen das Risiko des Totalverlustes. Hier sei es wie im Lotto. „Die allermeisten verlieren Geld, und
nur ganz wenige sind auf der Gewinnerseite“. Fazit: Nur für vermögende Glücksritter.

Quelle: Schwarzbuch Banken von der Verbraucherzentrale NRW

Kleinanleger tröstete Kemmer mit der niedrigen Inflation. Auch wenn es derzeit kaum Zinsen aufs Sparbuch gebe – weil auch die Inflation fast bei Null liegt, bleibe das Vermögen zumindest erhalten. Das sei in den vergangenen Jahren auch schon anders gewesen.

Die Deutsche Bundesbank befürchtet, dass Finanzinstitute die Belastungen durch die Niedrigzinsen an Privatkunden weitergeben werden. „Wir sehen, dass viele Institute ihre Gebühren bereits erhöht haben oder über solche Erhöhungen nachdenken“, sagte der für Banken- und Finanzaufsicht zuständige Vorstand Andreas Dombret unlängst. Das könne Bargeldabhebungen betreffen, Scheckkartenausstellungen oder andere Dienstleistungen. Auch Negativzinsen auf Konten von Privatkunden hält Dombret für möglich.

Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon warnte jüngst: „Die Zeit von weiten Angeboten kostenloser Kontoführung ist aus meiner Sicht vorbei.“

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×