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14.11.2013

18:32 Uhr

Falsche Aussagen

Unicredit entschuldigt sich bei Weidmann

Die italienische Unicredit will ihre Geldprobleme durch eine Überweisung aus Deutschland lösen. Doch die Finanzaufsicht stellt sich quer. Zuletzt geriet sogar der Bundesbankchef deswegen in die Kritik - zu Unrecht.

Die Unicredit bittet Bundesbank-Präsident Jens Weidmann um Entschuldigung. dpa

Die Unicredit bittet Bundesbank-Präsident Jens Weidmann um Entschuldigung.

FrankfurtDie dicken Kapitalpolster der HypoVereinsbank (HVB) wecken immer größere Begehrlichkeiten bei der italienischen Mutter Unicredit. Die Münchner könnten bis zu sieben Milliarden Euro nach Mailand überweisen, ohne dass ihre Kernkapitalquote unter das von den Aufsehern vorgegebene Minimum sinke, sagte der für Regierungsbeziehungen zuständige Unicredit-Manager Giuseppe Scognamiglio laut einem Bericht der „Financial Times“.

Dass dies derzeit nicht geschehe, liege nur am Misstrauen Deutschlands gegenüber Italien, sagte der Banker und berief sich dabei auf angebliche Aussagen von Jens Weidmann, dem Präsidenten der Deutschen Bundesbank.

Unicredit sah sich am Donnerstagabend gezwungen, zurückzurudern und sich bei Weidmann für die „falsche und unbegründete“ Äußerung ihres Mitarbeiters zu entschuldigen. Die Bank sprach einen Tag vor dem Fußball-Länderspiel Italien gegen Deutschland von einem „bedauernswerten Vorfall“. Scognamiglio habe in letzter Zeit nicht mit Weidmann gesprochen und dem Bundesbankchef falsche Äußerungen zugeschrieben.

Die Posse um Scognamiglio unterstreicht jedoch erneut, wie unzufrieden italienische und andere ausländische Banken mit dem Vorgehen der deutschen Finanzaufsicht sind. Die Bafin verhindert seit der Finanzkrise, dass zu viel Kapital und Liquidität von deutschen Bank-Töchtern an ihre ausländischen Mütter abfließt. Sie reagiert damit auch auf die Turbulenzen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008: Die deutsche Einlagensicherung musste damals einspringen, als die Deutschland-Tochter mit in den Abgrund gezogen wurde. Von den Beschränkungen sind in Deutschland auch Institute wie ING-Diba oder die Rabobank betroffen, die HVB ist aber mit Abstand der größte Fall.

Unicredit kämpft mit Problemen auf ihrem krisengeplagten Heimatmarkt und hat deutlich dünnere Kapitalpolster als die HVB, die derzeit eine Kernkapitalquote von 20,7 Prozent aufweist - mehr als viele Konkurrenten. Dass die Italiener aus der Bank sieben Milliarden Euro abziehen, wenn die EZB die Bankenaufsicht übernimmt, hält man in HVB- und Aufsichtskreisen aber für ausgeschlossen. „Das entbehrt jeglicher Grundlage“, sagte eine Person aus dem Umfeld der HVB. Gleichwohl stellt man sich in München darauf ein, dass die strikten Kapitalkontrollen etwas aufgeweicht werden, wenn die EZB das Zepter übernimmt und es einen einheitlichen europäischen Abwicklungsmechanismus gibt, wie zwei mit der Bank vertraute Personen am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters sagten.

Kommentare (3)

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Chris

14.11.2013, 19:57 Uhr

Gut, dann können und müssen wir hier in Deutschland Folgendes tun: Unsere Spar- und andere Einlagen von den ausländischen Töchtern abziehen und zu deutschen Banken und Sparkassen wechseln. Ich werde meine Institute mal überprüfen. Wenn wir so handeln, sinken unsere Kredit- und Überziehungszinsen und wir müssen als Steuerzahler nicht erneut für ausländische Banken aufkommen. Jeder Inländer profitiert, jeder EURO kann nur einmal ausgegeben werden, ob von Privat, dem Unternehmen oder dem Staat.

Grüße

Chris

Spectateur

14.11.2013, 20:46 Uhr

Sobald Herr Draghi das Sagen haben wird, auch in dieser Angelegenheit, gilt nur noch die Devise 'Macht hoch die Tür die Tor macht weit'. Denn Herr Draghi dient in seiner Position und Funktion ausschließlich und nur noch italienischen Partikularzielen. Sehe man sich seine No-Zins-Politik an: Sie schadet Deutschland und nützt Italien. Wenn das EURO-Währungspolitik sein soll, sollten wir diese Scherbenhaufenwährung einiger weniger Bank- und Großkonzern-Profit-EU-re - und nicht des Mittelstands - ehrlicher LIRO nennen. Wir hörten ja vor wenigen Tagen die Verhöhnung deutscher Sparer und Lebensversicherten durch das französische EZB-Ratsmitglied. Also scheint man in F zu glauben, Draghis Politik nütze auch Frankreich, was fraglich ist. Aber EURO, nein, LIRO könnte passen, FRALIRO wäre besser, und wird damit immer scheußlicher. Genauso scheußlich wie der EURO für die unappetitlichen Egotrips einzelner Länder von den Währungspäpsten der Scheinheiligkeit in der EZB missbraucht wird. EUROlied ein garstig Lied; Libretto und Melodie Mitterand/Kohl. Nur ach, der eine konnte nicht dichten und der andere war unmusikalisch. Aber die 'Nichtkomische Atonale Opera EURO' wird weiter aufgeführt, unter dem Dirigat des Maestro Draghi, der in der Szene nicht den allerbesten Ruf genießt, wegen seiner Förderer und Mäzene Goldman Sachs, sowie seines bekannten Abendgebetes 'Monte dei Paschi'.

Account gelöscht!

14.11.2013, 20:51 Uhr

Darf man sagen... Draghi ist einer aus dem GS-Machtzirkel?
Eine verlängerter Arm aus Amiland in der EU ??
Wir werden doch nach Strich und Faden benutzt und mißbraucht!!

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