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12.06.2013

17:30 Uhr

Falsche Versprechen der Finanzbranche

Banken verschleppen Kampf gegen Geldwäsche

VonSebastian Ertinger

ExklusivGeldwäsche-Skandale erschüttern die Bankenwelt. Doch trotz verschärfter Gesetze gehen viele Institute das Problem kaum an. Einer Umfrage zufolge stocken nur wenige Banken ihre Mittel im Kampf gegen Betrugsfälle auf.

Die Vorschriften gegen Geldwäsche werden strikter, doch die Banken kommen bei der Kontrolle kaum nach. dpa

Die Vorschriften gegen Geldwäsche werden strikter, doch die Banken kommen bei der Kontrolle kaum nach.

DüsseldorfBanken sind für die Bekämpfung der Geldwäsche oft nur schlecht gerüstet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Unternehmensberatung Bearing-Point unter 55 deutschen Finanzinstituten, die Handelsblatt Online exklusiv vorliegt. Demnach wollen fast 60 Prozent der befragten Banken kein zusätzliches Geld für entsprechende Schulungen, Computersysteme und Personal ausgeben. Dem steht aber eine steigende Zahl an Verdachtsfällen auf Geldwäsche gegenüber. Die Institute melden laut Bearing-Point einen Anstieg um 40 Prozent in den vergangenen drei Jahren.

Angesichts der steigenden Fallzahlen müssten die Geldhäuser nach Ansicht der Bearing-Point-Experten deutlich mehr Mittel in die Bekämpfung der Geldwäsche stecken. Zudem erhöhen die verschärften gesetzlichen Bestimmungen den Druck auf Finanzdienstleister massiv. Sowohl in Deutschland als auch EU-weit und global wurden die Regeln und Richtlinien gegen Geldwäsche und Betrug deutlich erweitert.

„Fehlende Ressourcen und eine mangelnde Investitionsbereitschaft führen aber dazu, dass die meisten Banken nur einen begrenzten Schutz vor Betrug, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung und den daraus resultierenden Image- und Vermögensschäden vorweisen können“, sagt Oliver Engelbrecht, verantwortlicher Partner bei der Management- und Technologieberatung. Bearing-Point befragte zum dritten Mal binnen drei Jahren die wichtigsten Banken des Landes zum Thema Geldwäsche.

Die empfindlichsten Strafen für Banken

Hohe Bußgelder

Geldwäsche oder Libor-Skandal – vielen Finanzhäusern drohen hohe Geldbußen. Eine Übersicht, wer schon happige Strafen zahlen musste.

Barclays

Die britische Bank Barclays hatte sich im Juni bereit erklärt rund 470 Millionen Dollar zu zahlen, um die Libor-Untersuchungen in Großbritannien und in den USA beizulegen.

Barclays II

Die US-Energiemarktaufsicht FERC forderte im Juli 2013 von der britischen Bank Barclays eine Rekordstrafe von 453 Millionen Dollar. Die Behörde warf dem Bankhaus vor, in den Jahren 2006 bis 2008 den Strommarkt manipuliert zu haben. Vier Barclays-Händler hätten die Preise am Strommarkt künstlich gedrückt, um am Derivatemarkt mit Wetten gegen steigende Strompreise abzusahnen.

Goldman Sachs

Die US-Bank stimmte einem 500 Millionen Dollar schweren Vergleich mit der US-Aufsicht SEC zu. Die SEC hatte der Großbank vorgeworfen, ein auf faulen Krediten basierendes Finanzprodukt in dem Moment aufgelegt zu haben, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann.

ABN Amro

Die niederländische Bank ABN Amro zahlte wegen des Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 500 Millionen Dollar.

Credit Suisse

Die Crédit Suisse muss wegen Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 536 Millionen Dollar Strafe zahlen.

ING

Die niederländische ING zahlte 619 Millionen Dollar. Sie soll für kubanische und iranische Kunden Milliarden durch das US-Finanzsystem geschleust haben.

Standard Chartered

Die britische Bank geriet wegen ihrer Iran-Geschäfte ins Visier der New Yorker Finanzaufsicht DFS. Fast zehn Jahre lang soll fast zehn Jahre lang gegen die Sanktionen verstoßen haben und Geschäfte mit dem Iran abgewickelt haben. Die Bank hat die Vorwürfe zwar vehement abgestritten, dann stimmten die Briten doch einer Zahlung von 340 Millionen Dollar zu. Außerdem schloss die Bank einen Vergleich mit der US-Notenbank Fed, dem US-Justizministerium und der Staatsanwaltschaft Manhattan und zahlt noch einmal 330 Millionen Dollar, insgesamt also insgesamt 670 Millionen Dollar.

Royal Bank of Scotland

Die Royal Bank of Scotland zahlte eine Strafe von 500 Millionen Dollar. Sie soll über die niederländische Bank ABN Amro Geld für Kunden aus dem Iran, Libyen und Syrien gewaschen haben. Für die Verwicklung in den Libor-Skandal zahlt die Bank 615 Millionen Dollar an die Behörden in den USA und Großbritannien.

HSBC

Die Großbank hatte über Jahre hinweg mexikanischen Drogenbossen und saudi-arabischen Terrorfinanzierern bei der Geldwäsche geholfen. Die US-Behörden verdonnerten die Bank zu einer Strafe von rund 1,9 Milliarden Dollar.

UBS

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen des Libor-Skandals insgesamt Strafen in Höhe von 1,16 Milliarden Euro (1,4 Milliarden Franken) an Behörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz. Die Strafzahlungen führen dazu, dass die UBS im vierten Quartal 2012 einen Reinverlust von bis zu 2,5 Milliarden Franken verbucht. Zudem zahlt die Bank 780 Millionen Dollar Strafe wegen Beihilfe zum Steuerbetrug.

UBS II

Im Juli 2013 einigt sich die Schweizer Großbank UBS mit US-Behörden, einen Streit über Hypothekenpapiere beizulegen. Die Vorwürfe beziehen sich auf das Jahr 2008. Die UBS zahlt 885 Millionen Dollar, ohne eine Schuld anzuerkennen.

Großvergleich in den USA

Mehrere Banken in den USA stimmten Anfang des Jahres einem mehr als 25 Milliarden Dollar schweren Vergleich zu. Zu den Finanzhäusern zählen Ally Financial, Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase sowie Wells Fargo. Bei dem Vergleich geht es um Forderungen aus Hypothekenkrediten.

(Quelle: eigene Recherche, Stand Dezember 2012)

Mehrere Skandale hatten in der letzten Zeit die Bankenbranche erschüttert. Etablierte Großbanken gerieten ins Visier der Ermittler, so auch die Deutsche Bank wegen ihrer Iran-Geschäfte. Laut Nachrichtenmagazin Spiegel soll das größte deutsche Geldhaus mehrere Hundert Millionen Euro für drohende Strafzahlungen wegen möglicher Verstöße gegen Iran-Sanktionen der USA zurückgestellt haben. Auch die Commerzbank und die Unicredit-Tochter Hypo-Vereinsbank stehen unter Verdacht.

Die britischen Geldhäuser HSBC, Royal Bank of Scotland (RBS) und Standard Chartered sowie die niederländischen ABN Amro und ING oder die Schweizer Crédit Suisse mussten bereits Strafen in Höhe von mehreren Milliarden Dollar zahlen. Sie sollen Geldgeschäfte mit dem Iran abgewickelt und so geholfen haben, die Sanktionen gegen das Land zu umgehen.

Der HSBC wird zudem vorgeworfen, Geld von mexikanischen Drogenbossen und saudi-arabischen Terrorfinanzierern verschoben zu haben. Allein dafür zahlte HSBC eine Strafe von 1,9 Milliarden Dollar an die US-Behörden. Auch Affären wegen der Beihilfe zur Steuerhinterziehung kommen die Banken teuer zu stehen. So musste die Schweizer UBS eine Buße von mehreren Hundert Millionen Euro wegen Steuerbetrugs begleichen.

Die Offshore-Leaks-Enthüllungen offenbarten zudem, wie zahlreiche große Geldhäuser wie Deutsche Bank, JP Morgan oder UBS Firmengeflechte in Steueroasen entworfen haben. Mehr als 100.000 wohlhabende Menschen aus mehreren Ländern haben über solche Kanäle Geld am Fiskus vorbeigeschleust.

Kommentare (22)

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Account gelöscht!

12.06.2013, 17:33 Uhr

Wie wäre es wenn wir über die Politiker sprechen und sie durch die MAnege führen, welche genau all das möglich gemacht haben und weiter möglich machen? und zusätzlich noch Milliarden nach Milliarden jedes Jahr verbrennen ohne Konsequenzen tragen zu müssen?

Da könnte man nämlich jeden Abend das TV Programm mit füllen.

Account gelöscht!

12.06.2013, 17:51 Uhr

Die Mehrheit der Deutschen möchte es so haben wie es jetzt ist, und es werden zur Wahl hin noch mehr werden. Die FDP ist wieder auf dem Vormarsch! (ohne was dafür gemacht zu haben)nun dann soll es so sein, und Merkel führt uns noch 4 weitere Jahre..

Gewissen

12.06.2013, 17:57 Uhr

Im Jahr 2006 hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln ermittelt, dass die jährlichen Kosten für die Verhinderung der Geldwäsche p.a. bei rund 750 Mio. Euro liegen. Seitdem sind die Anforderungen und damit die Kosten deutlich gestiegen.
Die gemeldeten Fallzahlen steigen in den vergangenen Jahren deutlich, weil die EU hier Druck macht mit dem Argument: In Deutschland sind die Fallzahlen zu gering, hier wird nicht richtig kontrolliert. Vielleicht stimmen Sie zu, dass die Geldwäsche in vielen Staaten der EU leichter sein dürfte als in Dtl. mit unserer Super-Perfektions-Bürokratie.
Interessant ist allerdings, dass es anschließend kaum interessiert, wie viele dieser "gemeldeten Fälle" gerichtlich verfolgt und dann noch verurteilt werden. Hierüber konnte ich bislang keine Zahlen in Erfahrung bringen.
Ich denke, es geht weniger darum, dass "die Banken" mehr Fälle melden müssen, es geht darum, zu schauen, welche Auswege Geldwäscher nutzen und wo ggfs. sogar Banker mit Geldwäschern kooperieren! Und wenn wir von Verantwortung sprechen: Wie steht es um die Milliarden für den Berliner Flughafen. Hier hat bisher niemand Verantwortung übernommen. Aber auf "die Banken" einzudreschen ist in und teilweise auch berechtigt, aber eben nicht bei allen. Es gibt wirklich noch sehr gute Sparkassen und Volksbanken!

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