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15.01.2007

21:42 Uhr

Falschgeld-Experten der EZB

Schauen, kippen, tasten, drehen

VonSonia Shinde

Im „Counterfeit Analysis Centre“ der Europäischen Zentralbank in Frankfurt untersuchen Experten Tag für Tag, wie fit die Fälscher der Euro-Scheine sind. Die katalogisierten Blüten erzählen von Fälschern, Drogen und organisierter Kriminalität.

Verteilung der Euro-Banknoten, die aus dem Verkehr gezogen wurden.

Verteilung der Euro-Banknoten, die aus dem Verkehr gezogen wurden.

FRANKFURT. Wenn der Schein trügt, drohen bis zu zehn Jahren Gefängnis. Ob der Schein trügt, findet Martin Münd sehr schnell heraus. Sein Geschäft ist Geld, aber nur falsches. Ein zu kantig gerundetes „e“, eine verkehrte Schrift, ein aufgeklebter Silberstreifen aus Baumarktfolie – die meisten Blüten entlarvt der Druckingenieur binnen Sekunden. Münd ist Falschgeldexperte im „Counterfeit Analysis Centre“ der Europäischen Zentralbank (EZB). Sein Labor ist ein karger Raum mit Mikroskop, Infrarot-Tester, Waage, Einzelscheinprüfer und Computer im sechzehnten Stock der EZB in Frankfurt. Gut gesichert hinter Panzerstahl und Sicherheitscodes, umgeben von Ordnern voller Falschgeld, untersucht er, wie fit die Fälscher sind.

Seine Forschungsobjekte kommen per Post, ein bis zwei pro Woche. Sie werden analysiert, klassifiziert und nummeriert. Rund drei Millionen Blüten haben die nationalen Falschgeldzentren seit der Euro-Bargeld-Einführung 2002 in der EZB-Datenbank katalogisiert. So viele Scheine wurden bisher aus dem Verkehr gezogen. Sie tragen Bezeichnungen, die mit „C“ anfangen für Farbkopie oder mit „P“ wie Druckfälschung, sowie Nummern, die aussagen ob es 20-, 50- oder 100-Euro-Scheine sind. Alles, was gerade gängig ist bei den Ganoven, hat Münd im Kopf, für den Rest gibt es den Computer.

Die Schein-Datensätze erzählen von Fälschern, von Drogen und organisierter Kriminalität. So wie „EUA00 50 P00002“, sichergestellt im Mai in Marano, nördlich von Neapel. Dort wo sich die Clans der Camorra um Drogen und die Herrschaft in der Unterwelt bekriegen. Die Hinweise kamen aus Deutschland, die Razzia machten die Italiener: Tausende Scheine, Zwanziger und Fünfziger, lagen bündelweise in einer ehemaligen Druckerei, deren Eingang ein Einbauschrank tarnte. Dahinter fanden die Fahnder sieben Millionen Euro Falschgeld; weitere fünf Millionen Euro waren noch im Druck oder trockneten auf Holzpaletten. Diese Blüten dienen nun als Muster für Münd, soweit sie nicht geschreddert worden sind.

Das Geschäft mit dem Falschgeld floriert: 16 Werkstätten flogen laut Europol 2006 auf, 550 000 Scheine wurden sichergestellt, doppelt so viele wie 2005: für 32 Millionen Euro falsche Fünfziger und Zwanziger in Italien, 1,2 Millionen Euro gefälschte Fünfhunderter in Kroatien und 200 000 Euro in nachgemachten Hundertern in Litauen, nicht zu vergessen jene fünf Millionen Euro, die Fahnder im November in Kolumbien fanden.

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