Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.11.2016

11:28 Uhr

Faule Hypothekenpapiere

Vergleich zwischen Banken und US-Behörden zieht sich hin

Die Pläne europäischer Großbanken, bis Anfang November Vergleiche mit den US-Behörden über faule Hypothekenpapiere auszuhandeln, verzögern sich. Offenbar sollte das Thema aus dem US-Wahlkampf herausgehalten werden.

Zahlreiche europäische Banken warten weiter darauf, sich mit den US-Behörden auf Strafzahlungen im Zuge des Handels mit faulen Hypothekenpapieren zu einigen. Experten befürchten, dass viele Geldhäuser die Strafen aufgrund geringer Rücklagen nur schlecht verkraften werden. dpa

Zittern vor dem Vergleich

Zahlreiche europäische Banken warten weiter darauf, sich mit den US-Behörden auf Strafzahlungen im Zuge des Handels mit faulen Hypothekenpapieren zu einigen. Experten befürchten, dass viele Geldhäuser die Strafen aufgrund geringer Rücklagen nur schlecht verkraften werden.

Frankfurt/New YorkDer Final Countdown dauert länger als gedacht. Eigentlich wollten Europas Großbanken ihre potentiell sehr teuren Vergleiche mit den US-Behörden über faule Hypothekenpapiere bis zur Wahl am 8. November eintüten. Doch danach sieht es jetzt nicht mehr aus. Experten gehen inzwischen davon aus, dass die Vergleiche nach der Wahl, aber vor der Einführung des neuen Präsidenten kommen - also vor Ende Januar.

Denn so wird das Thema nicht im Wahlkampf zerrieben und jeder könnte sein Gesicht wahren, erklärt Professor John Coffee von der Columbia Law School: „Die alte Regierung wird sich noch damit schmücken wollen, dass sie die Fälle abgeschlossen hat und die neue Regierung dürfte froh sein, wenn jemand anderes dafür verantwortlich ist.“

Zehn größte Banken Deutschlands (nach Bilanzsumme Ende 2015)

Platz 10

Postbank

Bilanzsumme: 149 Milliarden Euro

Platz 9

Helaba

Bilanzsumme: 172 Milliarden Euro

Platz 8

NordLB

Bilanzsumme: 182 Milliarden Euro

Platz 7

BayernLB

Bilanzsumme: 224 Milliarden Euro

Platz 6

Landesbank Baden-Württemberg (LBBW)

Bilanzsumme: 234 Milliarden Euro

Platz 5

Hypovereinsbank

Bilanzsumme: 314 Milliarden Euro

Platz 4

DZ- und WGZ-Bank

Bilanzsumme: 498 Milliarden Euro

Davon entfallen etwa 400 Milliarden auf die DZ-Bank und ungefähr 95 Milliarden auf die WGZ-Bank. Am 19. November 2015 wurde bekannt, dass die beiden Genossenschaftsbanken fusionieren.

Platz 3

KfW-Bankengruppe

Bilanzsumme: 503 Milliarden Euro

Platz 2

Commerzbank

Bilanzsumme: 536 Milliarden Euro

Platz 1

Deutsche Bank

Bilanzsumme: 1.740 Milliarden Euro

Also müssen die hiesigen Institute weiter zittern. Neben der Deutschen Bank stellen sich auch andere Häuser auf Strafzahlungen ein: UBS und Credit Suisse in der Schweiz sowie die Royal Bank of Scotland. Ermittelt wird auch gegen die britischen Adressen HSBC und Barclays. Ob es am Ende einen Gruppenvergleich gibt, darüber sind sich Experten uneinig.

Die Banken selbst und das US-Justizministerium, das die Federführung hat, äußern sich nicht zu Details der Verhandlungen. Dass Deutsche Bank & Co billig davonkommen, ist allerdings nicht zu erwarten. Bill Baer, einer der ranghöchsten Beamten im Justizministerium, hatte der Branche erst vor kurzem mangelnde Kooperationsbereitschaft bei der Aufarbeitung der Tricksereien auf dem amerikanischen Immobilienmarkt vorgeworfen.

Die Vorwürfe, die im Raum stehen, haben es in sich: Die Aufsichtsbehörden sehen es als erwiesen an, dass etliche große Investmentbanken maßgeblich zum Ausbruch der weltweiten Finanzkrise 2007/08 beigetragen haben - indem sie faule US-Hypotheken in intransparente Wertpapiere bündelten. Diese wurden auf einen Schlag wertlos, als der Häusermarkt kollabierte, weil viele Familien komplett überschuldet waren.

Banken-Quartalszahlen: UBS erhöht Rückstellungen – RBS wieder enttäuschend

Banken-Quartalszahlen

UBS erhöht Rückstellungen – RBS wieder enttäuschend

Die Bilanzsaison ist in vollem Gange: Mit der UBS, BNP Paribas und der Royal Bank of Scotland (RBS) haben gleich mehrere große europäische Geldhäuser am Freitag ihre Zahlen vorgelegt. Eine Übersicht.

Für die Käufer der Hypothekenpapiere - darunter viele andere Banken - bedeutete das massive Verluste. Am Ende wusste quasi niemand mehr, wer welche Risiken in den Büchern hatte. Rund um den Globus gab es staatliche Rettungsaktionen für Finanzinstitute in Schieflage, auch in Deutschland.

Der scheidende US-Präsident Barack Obama hatte 2012 eine eigene Ermittlungseinheit aufgesetzt, um in den Trümmern des Immobilienmarktes Ursachenforschung zu betreiben, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und so zumindest einen Teil der Rettungsgelder wiederzubekommen.

Die US-Großbanken haben ihre Rechnung zum überwiegenden Teil schon bezahlt: Zehn Institute haben sich bislang verglichen - es hat sie insgesamt 46 Milliarden Dollar gekostet, die Entschädigung von Kunden und Investoren mit eingerechnet. Allein die Bank of America, die auf dem US-Hypothekenmarkt in den Boomzeiten ein besonders großes Rad gedreht hat, musste fast 17 Milliarden Dollar abdrücken.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×