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01.02.2013

13:59 Uhr

Faule Kredite

Niederlande verstaatlichen SNS-Bank

Die Niederlande ziehen die Notbremse: Die SNS-Bank kommt in Staatshände. Wertlose Immobilienkredite drohten die Bank in den Abgrund zu ziehen. Doch die Rettung ist teuer.

Seit 2008 ist die SNS bereits unter staatlicher Aufsicht. dapd

Seit 2008 ist die SNS bereits unter staatlicher Aufsicht.

AmsterdamDie Niederlande haben die angeschlagene Bank SNS Reaal, die kleinste ihrer als systemrelevant geltenden Banken verstaatlicht. Angesichts der großen Probleme der Bank sei der Schritt unvermeidlich, sagte Finanzminister Jeroen Dijsselbloem, der auch Vorsitzender der Euro-Gruppe ist, am Freitag in Den Haag. „Ohne ein Eingreifen wäre die SNS-Bank unwiderruflich zusammengebrochen.“ Die Übernahme wird den niederländischen Fiskus 3,7 Milliarden Euro kosten.

Nachdem Gespräche mit privaten Investoren gescheitert waren, hatte sich das Finanzministerium zu diesem Schritt entschlossen. Bis Donnerstag um 18 Uhr hätte die Bank einen Rettungsplan vorlegen müssen.

SNS Reaal war durch den Wertverlust von Immobilienkrediten in Schwierigkeiten geraten. Die gesunden Teile der Bank drohten dadurch mit in den Abgrund gerissen zu werden. Der Immobilienzweig wird nun von der Bank abgekoppelt. Der Staat hatte die Bank während der Kreditkrise mit rund 800 Millionen Euro gestützt und nicht zurückerhalten.

Das sind die größten Banken Europas

Platz 9

Barclays (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 36,1 Milliarden Euro

Platz 9

Deutsche Bank (Deutschland) - Marktkapitalisierung (2011): 36,1 Milliarden Euro

Platz 8

Royal Bank of Scotland (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 36,6 Milliarden Euro

Platz 7

UBS (Schweiz) - Marktkapitalisierung (2011): 41,3 Milliarden Euro

Platz 6

BNP Paribas (Frankreich) - Marktkapitalisierung (2011): 45,4 Milliarden Euro

Platz 5

Standard Chartered (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 45,5 Milliarden Euro

Platz 4

Allied Irish Banks (Irland) - Marktkapitalisierung (2011): 48,8 Milliarden Euro

Platz 3

Banco Santander (Spanien) - Marktkapitalisierung (2011): 54,3 Milliarden Euro

Platz 2

Sberbank (Russland) - Marktkapitalisierung (2011): 55,9 Milliarden Euro

Platz 1

HSBC Holdings (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 120,8 Milliarden Euro

„Mit diesem Eingriff wurden große Probleme für die finanzielle Stabilität und die Wirtschaft verhindert“, betonte der Minister. Das Geld der Sparer sei nicht in Gefahr. Der Vorstand der Bank war am Freitag zurückgetreten.

Durch die Übernahme wird nach Angaben des Finanzministeriums das niederländische Haushaltsdefizit 2013 um 0,6 Prozent steigen und über den von der EU geforderten drei Prozent liegen. Die Staatsverschuldung nehme um 1,6 Milliarden Euro zu. Dijsselbloem, der erst seit kurzem neuer Chef der Eurogruppe ist, wird den Rettungsplan der EU-Kommission vorlegen. Brüssel hatte im Januar einen Rettungsplan abgelehnt, nach dem sich die drei größten Systembanken des Landes finanziell an SNS Reaal beteiligen sollten. Die ING und ABN Amro, die mithelfen sollten, hatten aber schon Staatshilfen erhalten.

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Die EU-Kommission warnte, es dürfe keine Verzerrungen des Wettbewerbs oder Benachteiligung von Konkurrenten geben. Mit den niederländischen Behörden werde Kontakt gehalten. „Wir wollen sicherstellen, dass die Maßnahmen in Übereinstimmung mit den europäischen Regeln für staatliche Beihilfen erfolgen“, sagte der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia.

An den Kosten der Übernahme sollen auch private Investoren beteiligt werden. Aktionäre und Kreditgeber wird die Enteignung dem Finanzministerium zufolge rund eine Milliarde Euro kosten. Auch Banken sollten mitbezahlen. Dijsselbloem kündigte für 2014 eine einmalige Bankenabgabe in Höhe von insgesamt einer Milliarde Euro an.

Außer den 3,7 Milliarden Euro gewährt der Staat der Bank einen Überbrückungskredit von 1,1 Milliarden Euro und bürgt für weitere fünf Milliarden. Zum ersten Mal griff der Finanzminister auf der Grundlage des neuen Interventionsgesetzes bei einer Bank ein.

Die SNS Bank stand bereits seit 2008 unter verschärfter staatlicher Aufsicht. Seit Mai 2007 war der Aktienkurs um 95 Prozent eingebrochen. Allein im laufenden Jahr ging er um 18 Prozent nach unten.

Von

dpa

Kommentare (1)

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ulirohkst

01.07.2013, 11:56 Uhr

es kann doch eigentlich nicht angehen, dass ein Staat eine bank verstaatlicht und mit den Geldern der Investoren weiterarbeitet.wenn der Staat die bank als systemrelevant einstuft, muss er die Verbindlichkeiten übernehmen. sonst muss er sie, notgedrungen, den Bach runter gehen lassen.
es ist nicht einsehbar, dass der Staat jetzt mit dem Geld der Anleihekäufer und Aktionäre arbeitet. bei pleite sieht man den verlust ein - so nicht, ist für mich betrug am Anleger.

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