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24.05.2016

22:40 Uhr

Federico Ghizzoni

Unicredit-Chef gibt auf

„Zeit für einen Wechsel“: Unicredit-Chef Ghizzoni wehrt sich nicht länger gegen die Kritik der Investoren – und stellt seinen Posten zur Verfügung. Bis ein Nachfolger gefunden ist, will er die Bank jedoch weiter führen.

Er geht, nur nicht sofort: Federico stellt sein Amt bei der italienischen Bank zur Verfügung. Reuters

Das Aus ist besiegelt

Er geht, nur nicht sofort: Federico stellt sein Amt bei der italienischen Bank zur Verfügung.

MailandDie italienische Hypo-Vereinsbank-Mutter Unicredit wechselt ihren Chef aus: Der Vorstandsvorsitzende Federico Ghizzoni erklärte sich nach anhaltender Kritik zum Rücktritt bereit, wie das Institut nach einer Sondersitzung des Verwaltungsrates am Dienstag mitteilte. Er werde aber noch solange die Geschäfte führen, bis ein Nachfolger gefunden sei. Einem Insider zufolge will die Bank bei der nächsten Sitzung des Verwaltungsrats am 9. Juni einen neuen Chef ernennen. Damit könnte auch der Weg für einen größeren Umbau des - gemessen an der Bilanzsumme - größten Geldhaus des Landes und eine milliardenschwere Kapitalerhöhung geebnet sein.

Federico Ghizzoni und Giuseppe Vita : Uneitles Tandem

Federico Ghizzoni und Giuseppe Vita

Premium Uneitles Tandem

Obwohl die beiden Spitzen der italienischen Bank Unicredit – der eine Vorstandschef, der andere Präsident des Verwaltungsrats – rein formal vieles trennt, haben sie vom Charakter und der Einstellung her viele Übereinstimmungen.

Der Verwaltungsrat und Ghizzoni seien übereingekommen, dass es Zeit für einen Wechsel sei, teilte Unicredit mit. Der Manager habe seine Bereitschaft für eine Auflösung seines Vertrages erklärt. Ghizzoni wurde 2010 Chef der Großbank, zu der neben der Münchner Hypo-Vereinsbank (HVB) auch die Wiener Bank Austria gehört. Er steht seit geraumer Zeit unter Druck. Anteilseigner sind mit der Aktienkursentwicklung, der angespannten Kapitaldecke und der geringen Rentabilität des Instituts unzufrieden.

Zu den Kandidaten, die als Nachfolger im Gespräch sind, gehören Jean-Pierre Mustier, ein früherer Manager bei der französischen Großbank Societe Generale und bei Unicredit, sowie der Chef des Investmentbankings bei der Schweizer UBS, Andrea Orcel, Mediobanca -Chef Alberto Nagel und der Italien-Chef vom US-Institut Merrill Lynch, Marco Morelli.

Die Entscheidung dürfte auch davon abhängen, ob der Verwaltungsrat eine Fusion mit einer anderen Bank als Option ins Auge fasst. Für diese Aufgabe wären Orcel oder Nagel prädestiniert. Alternativen wären ein Rückbau des mittlerweile in 17 Länder verzweigten Unicredit-Netzes oder eine Kapitalerhöhung.

Die größten Banken Europas (nach Marktkapitalisierung)

Platz 10

Intesa Sanpaolo
Italien
28,472 Milliarden Euro

Stand: Anfang Juli 2016. Quelle: S&P Global Market Intelligence

Platz 9

Nordea Bank
Schweden
30,411 Milliarden Euro

Platz 8

Banco Bilbao
Spanien
32,701 Milliarden Euro

Platz 7

ING Groep
Niederlande
35,7527 Milliarden Euro

Platz 6

PAO Sberbank of Russia
Russland
40,396 Milliarden Euro

Platz 5

UBS Group
Schweiz

43,209 Milliarden Euro

Platz 4

Lloyds Banking Group

Großbritannien

46,368 Milliarden Euro

Platz 3

Banco Santander

Spanien

49,393 Milliarden Euro

Platz 2

BNP Paribas

Frankreich

49,495 Milliarden Euro

Platz 1

HSBC

Großbritannien

110,804 Milliarden Euro

Italiens einzige global bedeutsame Bank hat die Sorgen nicht ausräumen können, dass sie eine Kapitalerhöhung benötigt. Ihr Kernkapital ist Ende März auf 10,5 Prozent gefallen und liegt damit nur knapp über dem von der Europäischen Zentralbank für 2016 vorgegebenen Minimum von zehn Prozent. Nach Einschätzung von Analysten könnte Unicredit zwischen fünf und zehn Milliarden Euro frisches Kapital benötigen.

Von

dpa

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