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25.01.2010

18:58 Uhr

Fehler bei Bilanzanalyse

Wirtschaftsprüfer weisen HGAA-Vorwurf zurück

Die Wirtschaftsprüfer, die im Vorfeld der Übernahme der Hypo Group Alpe Adria (HGAA) durch die BayernLB die Konzernergebnisse durchleuchtet haben, sind sich keiner Schuld an dem letztlichen Desaster bewusst. Der Vorwurf, die Bilanzen nicht ordnungsgemäß überprüft zu haben, wird von der Gesellschaft Deloitte scharf zurückgewiesen.

Die Wirtschaftsprüfer von Deloitte erklären, dass sie die Bilanzen der HGAA ordentlich durchleuchtet hätten. Quelle: ap

Die Wirtschaftsprüfer von Deloitte erklären, dass sie die Bilanzen der HGAA ordentlich durchleuchtet hätten.

HB MÜNCHEN/WIEN. Im Skandal um die ehemalige BayernLB-Tochter Hypo Alpe Adria (HGAA) hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte Fehler zurückgewiesen. „Im Moment sehen wir keine Schuld“, sagte ein Sprecher von Deloitte in Österreich. Die Bilanzen seien ordnungsgemäß geprüft worden. Deshalb wird auch kein Grund für Schadensersatz gesehen. Deloitte hatte die Jahresabschlüsse der HGAA in den entscheidenden Jahren 2006, 2007 und 2008 geprüft.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte in der Diskussion um die Verantwortung für das Debakel mit der Hypo Alpe Adria angekündigt, möglicherweise auch gegen Wirtschaftsprüfer und Berater juristisch vorgehen. „Es gibt keine Tabus“, sagte er dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Ein Sprecher des bayerischen Finanzministeriums erklärte, es werde immer noch geprüft, gegen wen sich mögliche Schadensersatzforderungen richteten. Ein Deloitte-Sprecher in Österreich erklärte, einen Kontakt zu Bayern wegen der HGAA gebe es nicht.

Die BayernLB hatte die HGAA im Jahr 2007 gekauft und sich damit Milliardenverluste eingebrockt. Nach Belastungen von 3,7 Mrd. Euro für die Steuerzahler trat Bayern die Bank im vergangenen Jahr notgedrungen wieder an Österreich ab. Für die Kaufprüfung war die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young zuständig, die in einem Bericht darauf hingewiesen hatte, dass während der Prüfung der Unterlagen Ordner im Datenraum ausgetauscht worden seien.

Aufgabe der Wirtschaftsprüfer ist vor allem, die Buchführung von Firmen unter die Lupe zu nehmen. Wenn sie nach sorgfältiger Prüfung keinen Grund zu Beanstandungen sehen, setzen sie ihren Bestätigungsvermerk unter den Jahresabschluss. Gerade bei börsennotierten Unternehmen ist dieser Vermerk ein wichtiger Hinweis an die Aktionäre, der ihnen signalisiert, dass bei dem jeweiligen Unternehmen alles in Ordnung ist.

Auch die HGAA hat den Vermerk stets bekommen – von der Prüfungsgesellschaft Deloitte, die zu den Branchenriesen gehört. Dort sieht man bis heute keinen Hinweis auf ein Fehlverhalten. Die österreichische Nationalbank hatte bei der HGAA allerdings schon im Sommer 2007 auf eine ganze Reihe Unregelmäßigkeiten hingewiesen.

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