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13.12.2012

10:32 Uhr

Filialschließungen in Deutschland

Schweizer Banken auf geregeltem Rückzug

Die Vermögensverwaltung in Deutschland wird für die Schweizer Banken immer unattraktiver. Das Filialnetz wird ausgedünnt. Nach der UBS will nun offenbar auch die Credit Suisse Standorte dichtmachen.

Frankfurter Niederlassung der Bank Credit Suisse dpa

Frankfurter Niederlassung der Bank Credit Suisse

ZürichDie Schweizer Großbank Credit Suisse will einem Medienbericht zufolge aus Kostengründen bis zu vier Vermögensverwaltungsstandorte in Deutschland schließen. Betroffen seien Niederlassungen in Bielefeld, Braunschweig, Düsseldorf und Stuttgart, berichtete das Internetportal „finews.ch“ am Donnerstag.

Credit Suisse wollte den Bericht nicht kommentieren. Die Bank betreibt derzeit zwölf Niederlassungen in Deutschland. Ob am Ende drei oder vier Standorte geschlossen werden, steht einem Insider zufolge noch nicht endgültig fest. Laut dem finews-Bericht will die Bank in der kommenden Woche dazu informieren.

SPD stellt sich quer: Steuerabkommen mit Schweiz endgültig gescheitert

SPD stellt sich quer

Steuerabkommen mit Schweiz gescheitert

Das Steuerabkommen mit der Schweiz wird in seiner derzeitigen Form nicht zustande kommen.

Vor einer Woche hatte der Lokalrivale UBS angekündigt, die Zahl der Niederlassung bis Mitte des nächsten Jahres um vier auf zehn zu reduzieren. Die Schweizer Großbank wird ihre reichen Privatkunden in Deutschland im nächsten Jahr nicht mehr in Dortmund, Essen, Rosenheim und Wiesbaden betreuen.

Die Standorte werden geschlossen, die Kunden werden in Zukunft von Düsseldorf (Dortmund und Essen), München (Rosenheim) und Frankfurt (Wiesbaden) aus betreut. Betroffen von den Maßnahmen seien 25 bis 30 Mitarbeiter.

Alles Wichtige zum deutsch-schweizerischen Steuerabkommen

Mit welcher Begründung bekämpfen SPD und Grüne das Abkommen?

Sie kritisieren, dass Betrug im Nachhinein legalisiert würde. Steuerbetrüger müssten zwar zahlen, könnten aber auch künftig anonym bleiben. Die Nachzahlungen auf unversteuerte Vermögen seien zu gering und ungerecht gegenüber ehrlichen Steuerzahlern. Außerdem könne man Schweizer Banken, die künftig Steuern für ihre Kunden an den Fiskus abführen sollen, sowieso nicht trauen: „Was die machen, ist eine bandenmäßige Steuerhinterziehung“, behauptet SPD-Chef Sigmar Gabriel.

Was hält die Bundesregierung dagegen?

Die Vereinbarung sei besser als ähnliche Abkommen der Schweiz mit Österreich, Großbritannien oder den USA. Ohne das Abkommen verjährten täglich neue Fälle von Steuerbetrug. Deutschland würden Milliarden verloren gehen, wenn das Abkommen scheitert, warnt Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Mit Inkrafttreten des Abkommens würde das Schweizer Steuerschlupfloch endgültig verschlossen werden. Erstmals wäre gewährleistet, dass Deutsche auf Vermögen in der Schweiz genauso viel Ertragssteuern zahlen wie in Deutschland.

Um wie viel deutsches Schwarzgeld geht es?

Niemand weiß genau, wie viel seit Jahren über die Grenze geschafft wurde. Schätzungen reichen bis zu 300 Milliarden Euro. Die Hälfte entfällt wohl auf institutionelle Anleger, der Rest auf Private. Ein Großteil wurde aber zuvor in Deutschland versteuert. Schätzungen zufolge haben Deutsche bis zu 80 Milliarden Euro Schwarzgeld versteckt. Etwa ein Viertel davon dürfte in den vergangenen Jahren wegen des höheren Entdeckungsrisikos wiederum in vermeintlich sichere Steueroasen auf der Welt transferiert worden sein.

Mit welchen Einnahmen könnte der deutsche Fiskus rechnen?

Schweizer Banken sollen auf das Alt-Schwarzgeld eine einmalige Steuer zwischen 21 und 41 Prozent erheben - anonym und rückwirkend für zehn Jahre. Das Kapitalvermögen wäre damit „legalisiert“, die Besitzer blieben anonym. Von der Nachversteuerung erhofft sich das Finanzministerium bis zu zehn Milliarden Euro, was die Opposition als reines Wunschdenken kritisiert. Sicher wäre allenfalls eine Vorauszahlung Schweizer Banken von rund 1,66 Milliarden Euro.

Und was wäre ab 2013 an Kapitalertragssteuer fällig?

Der Prozentsatz wäre derselbe wie in Deutschland. Mit der Quellensteuer von etwa 26,4 Prozent (inklusive „Soli“-Zuschlag) auf Zinsen und Dividenden soll die Besteuerung von Erträgen in der Schweiz auf Dauer sichergestellt werden. Zudem sollen künftig auch Erbschaften erfasst werden. Der deutsche Fiskus erhofft sich - konservativ geschätzt - etwa 700 Millionen Euro jährlich.

Was passiert, wenn das Steuerabkommen scheitert?

Deutsche Schwarzgeld-Millionen würden weiter nur entdeckt werden, wenn die Besitzer sich selbst anzeigen oder wenn ihnen Fahnder auf die Schliche kommen, zum Beispiel mit Hilfe sogenannter Steuer-CDs. Nach Schweizer Recht ist der Ankauf solcher Daten Hehlerei. Er belastet die Beziehungen beider Länder. Ungewiss ist, ob solche CDs auch künftig verfügbar sind. Schweizer Banken haben Sicherungssysteme verstärkt. Hinzu kommt, dass Steuerdelikte in Deutschland nach zehn Jahren verjähren. Wer nicht rechtzeitig entdeckt wird, kommt davon.

Warum ist die Schweiz an dem Abkommen interessiert?

Man hat verstanden, dass das Land als Steuerfluchtburg keine Zukunft hat. Druck durch die USA und die EU - die wichtigsten Handelspartner - hat dazu beigetragen. Das Land verfolgt nun eine „Weißgeldstrategie“, ohne die seine Banken den Zugang zum internationalen Finanzmarkt verlieren würden. Zugleich will Bern aber das Bankgeheimnis von 1934 aufrechterhalten, das für viele Schweizer auch Ausdruck der Souveränität ihres Staates ist. Bilaterale Steuerabkommen sollen das ermöglichen. Mit Großbritannien und Österreich ist das geglückt.

Kann die Regierung in Bern nicht nachbessern?

Nein, das Abkommen wurde von beiden Kammern des Schweizer Parlaments gebilligt und somit ratifiziert. Auch die deutsche Regierung könnte einen von Bundestag und Bundesrat beschlossenen Vertrag nicht hinterher ändern.

Das letzte Wort wurde im Bundesrat aber noch nicht gesprochen?

Nein. Eine letzte Chance hat Schwarz-Gelb im Vermittlungsausschuss. Nach unbestätigten Berichten würde der Bund auf seinen Anteil an den erhofften Milliarden aus der Schweiz verzichten und alles den Ländern überlassen. SPD und Grüne haben aber schon klar gestellt: Kein Kuhhandel, man lasse sich nicht kaufen, das Abkommen bleibe schlecht.

Das Team in Wiesbaden wird nach Frankfurt versetzt. Der Ende Oktober angekündigte drastische Umbau des Investmentbanking hinterlässt auch in Frankfurt Spuren. Im Anleihehandel in Frankfurt sollen fünf Stellen gestrichen werden.

Deutschland ist der größte Vermögensverwaltungsmarkt in Europa. Insidern zufolge arbeitet aber kaum ein Schweizer Vermögensverwalter dort mit Gewinn. Credit Suisse wie auch UBS haben Programme laufen, mit denen die Kosten konzernweit um Milliardenbeträge gesenkt werden sollen.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

13.12.2012, 13:43 Uhr

ich wollte mich an dieser Stelle bei meinen Vorrednern und der großen Anzahl an Kommentatoren des HB (mit einem Hang zur Komödie) bedanken. Ich hatte viel Spass beim Lesen und oft und gerne laut gelacht. ..über den Deutschen "Schurkenstaat", geheime Bilderbergertreffen mit anschließender "Jungfrauenverbrennung", den dummen, gehirngewaschenen, deutschen Michel...ach ja und gerade eben über den "ehrlichen" deutschen Steuerzahler der sein Geld zur Risikodiversifikation in der Schweiz bunkert.. hihi.

Danke sehr, ohne euch wäre die Welt nur halb so bunt. Schöne Weihnachten und guten Rutsch..freu mich schon auf 2013 und die vielen neuen Ideen...

old_age

17.12.2012, 09:32 Uhr

Die Position der Schweiz ist verständlich. Der Rechtsstaat BRD kauft gestohlen Waren (Daten):
StGB § 259 Hehlerei:
(1) Wer eine Sache, die ein anderer gestohlen oder sonst durch eine gegen fremdes Vermögen gerichtete rechtswidrige Tat erlangt hat, ankauft oder sonst sich oder einem Dritten verschafft, sie absetzt oder absetzen hilft, um sich oder einen Dritten zu bereichern, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) ...
(3) Der Versuch ist strafbar.

Zu unserer Entschuldigung können wir eigentlich nur vorbringen, dass unser Land so korrupt ist, dass wir nicht in der Lage sind, den illegalen Geldfluß zu stoppen.
Armes Deutschland.

Account gelöscht!

19.12.2012, 20:47 Uhr

@old_age

...um sich oder einn Dritten zu bereichern ...

Die Daten-CD dienén ausschlieslich der Aufdeckung von Straftaten, siehe hierzu auch § 370 AO

En Dritter wird insofern nicht bereichert als dass der Staat lediglich seiner Fürsorgepflcht gegenüber allen anderen Steuerzahlern nachkommt.

Kronzeugenregelung, Belohnng zur Überführung des Täter etc.

Schade dass hier gewisse Anlagen und Fertigkeiten einfa immer zu kurz kommen.

Es grüßt freundlichst
_____________________________
Ihr Versicherungsmaklerbureau

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