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02.11.2012

17:25 Uhr

Finanzaufsicht Bafin

Deutsche Großbanken müssen Notfallpläne vorlegen

Die Bafin will vorbeugen und verlangt von mehr als 15 deutschen Banken Sanierungspläne. Die Pläne sollen greifen, wenn eine Pleite kurz bevorsteht. Zwei Geldinstitute müssen die Konzepte schon in diesem Jahr abliefern.

Bankentürme in Frankfurt: Die Kreditinstitute müssen der Bafin Notfallpläne vorlegen. dpa

Bankentürme in Frankfurt: Die Kreditinstitute müssen der Bafin Notfallpläne vorlegen.

BonnMehr als 15 deutsche Großbanken müssen sich in den nächsten Monaten konkret Gedanken machen, wie sie sich aus eigener Kraft aus einer existenzbedrohenden Krise befreien würden. Die Finanzaufsicht Bafin will damit verhindern, dass die Institute in der nächsten Finanzkrise wieder in Hauruck-Aktionen vom Staat gerettet werden müssen.

Die Sanierungspläne sind für global und national systemrelevante Banken verpflichtend, doch haben bisher nur wenige Länder genaue Regeln dafür aufgestellt. "Wir wollen damit Zeichen setzen", sagte Raimund Röseler, Exekutivdirektor der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), am Freitag in Bonn. "Das ist eine gute Möglichkeit, die Diskussion in Europa zu beeinflussen."

Die Anweisung, deren Entwurf Röseler vorstellte, trifft die Deutsche Bank als einzige "global systemrelevante" Bank in Deutschland, aber auch rund 15 Institute, die für die deutsche Wirtschaft auf Dauer so wichtig sind, dass sie unter besonderem Augenmerk der Aufsichtsbehörden stehen. Darunter sind die Commerzbank, die großen Landesbanken wie LBBW, NordLB, BayernLB und Helaba sowie die Münchener HypoVereinsbank (HVB) als Tochter der italienischen Unicredit, die als global systemrelevant gilt. Auch sie müssen - wie die global systemrelevanten Institute - mit höheren Kapitalanforderungen der Aufseher rechnen. "Im Moment betrachten wir mehr Institute als systemrelevant als in ruhigen Zeiten", fügte Röseler hinzu.

Das sind die größten Banken Deutschlands

Platz 12

2011 ist das letzte Jahr, für das die WestLB ihre Jahresbilanz bekannt gab. Die Bank, die zum Großteil dem Land Nordrhein-Westfalen, der NRW.Bank und den Sparkassenverbänden des Rheinlands und Westfalen-Lippe gehörte, ist mittlerweile zerschlagen. Die Zertifikategeschäfte übernahm die Helaba.

Bilanzsumme (2011): 167,90 Milliarden Euro

Platz 11

Die Postbank gehört mittlerweile zur Deutschen Bank und betreut mit rund 19.000 Angestellten fast 14 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 192,00 Milliarden Euro

Platz 10

Die Eurohypo AG ist eine Tochter der Commerzbank  - und ein Milliardengrab. Zehn Jahre nach der Gründung wird die Hypothekenbank nun zerschlagen. Die Eurohypo AG ist nach der WestLB die zweite deutsche Bank, die die Krise nicht überlebt hat. Jedoch ist ihre Bilanzsumme noch um einiges größer als die der Landesbank.

Bilanzsumme (2011): 203,00 Milliarden Euro

Platz 9

Auch die NordLB schaffte es nur mit Staatsmitteln, die Bankenkrise zu überstehen. Die EU-Bankenaufsicht verordnete der Bank der Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ihr Eigenkapitalpolster gehörig aufzustocken.

Bilanzsumme (2011): 227,60 Milliarden Euro

Platz 8

Die BayernLB machte in den vergangenen Wochen mit einem Streit mit der EU-Kommission Schlagzeilen. Die in der Krise taumelnde Bank muss dem Land Bayern fünf Milliarden Euro an Krisenhilfen zurückzahlen.

Bilanzsumme (2011): 309,10 Milliarden Euro

Platz 7

Auch die Hypo Real Estate überlebte die Krise nur knapp: Die Immobilienbank wurde verstaatlicht und lagerte ihre Altlasten in eine Bad Bank aus. Bis 2015 muss die Hypo Real Estate jedoch wieder privatisiert werden, entschied die EU.

Bilanzsumme (2011): 236,60 Milliarden Euro

Platz 6

Die LBBW ist mit einer Bilanzsumme von über 370 Milliarden Euro die größte deutsche Landesbank. Das Geldinstitut gehört fast vollständig dem Land Baden-Württemberg, dem Sparkassenverband des Landes und der Stadt Stuttgart.

Bilanzsumme (2011): 373,10 Milliarden Euro

Platz 5

Die deutsche Unicredit Bank AG, besser bekannt unter ihrem Markennamen Hypovereinsbank, ist ein Tochterunternehmen der größten italienischen Bank, Unicredit. Die italienische Großbank hat gerade eine Umstrukturierung angekündigt: Die Tochtergesellschaften und damit auch die Hypovereinsbank sollen mehr Autonomie bekommen.

Bilanzsumme (2011): 395,70 Milliarden Euro

Platz 4

Zur DZ Bank AG gehören neben der Volksbanken Raiffeisenbanken auch die Bausparkasse Schwäbisch Hall oder die R+V Versicherung. Die DZ Bank AG ist das Zentralinstitut für insgesamt 900 Genossenschaftsbanken mit rund 30 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 405,90 Milliarden Euro

Platz 3

Die Kreditanstalt für Wideraufbau (KfW) ist die deutsche Förderungsbank unter Aufsicht des Finanzministeriums. Sie gibt Kredite an Existenzgründer und Firmen im Rahmen von Förderprogrammen der Bundesregierung und ist für die Finanzierung von Infrastrukturvorhaben zuständig.

Bilanzsumme(2011): 494,80 Milliarden Euro

Platz 2

Die Commerzbank belegt mit einer Bilanzsumme von über 600 Milliarden Euro Platz zwei unter den größten deutschen Banken. Die Bank ist in 52 Ländern vertreten und betreut nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Privat- und eine Millionen Firmenkunden in der ganzen Welt.

Bilanzsumme(2011): 661,80 Milliarden Euro

Platz 1

Die international erfolgreiche Deutsche Bank nimmt unangefochten den ersten Platz der größten deutschen Banken ein. Ihre Bilanzsumme ist rund 3,5 mal so groß wie die der Commerzbank. Die Bank beschäftigt über 100.000 Mitarbeiter – knapp 50.000 davon in Deutschland.

Bilanzsumme (2011): 2164,10 Milliarden Euro

Systemrelevante Banken gelten als so wichtig, dass sie im Notfall bisher meist vom Staat gerettet werden mussten. Dies wollen die Aufseher ändern. "Das ist ein Baustein, um das Too-big-to-fail-Problem zu lösen", sagte der oberste Bafin-Bankenaufseher. "Aber weitere müssen folgen."

In den Sanierungsplänen müssen die Banken sich mit Szenarien befassen, in denen sie nahe an der Pleite stünden. Daraus ergeben sich Gegenmaßnahmen - etwa eine Kapitalerhöhung oder den Verkauf von Teilen des Geschäfts. In den Wochenend- und Nacht-Krisentreffen in der Finanzkrise hätten diese Erkenntnisse oft gefehlt, sagte Röseler.

"Heute ergreifen oft wir Maßnahmen - mit dem Rundschreiben haben wir eine Handhabe, von den Banken Maßnahmen zu verlangen." Die Pläne von Deutscher Bank und HVB müssen zum Jahresende 2012 stehen, die anderen haben ein Jahr länger Zeit. Deutsche Bank und Commerzbank seien schon sehr weit, sagte Röseler. Die Pläne müssen jedes Jahr aktualisiert werden.

Anders als in den USA müssen die Banken in Europa keine eigenen "Testamente" für den Fall vorlegen, dass sie nicht mehr sanierbar sind und abgewickelt werden müssen. Das übernimmt die Aufsicht hier selbst. Doch für international stark verflochtene Finanzkonzerne ist das schwierig. Für die Deutsche Bank werde ein Abwicklungsplan nicht im nächsten und wohl auch nicht im übernächsten Jahr vorliegen, räumte Röseler ein.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

02.11.2012, 18:37 Uhr

"Die Finanzaufsicht Bafin will damit verhindern, dass die Institute in der nächsten Finanzkrise wieder in Hauruck-Aktionen vom Staat gerettet werden müssen."

Rettet die Einlagen der Bürger und lasst den Rest abschmieren. Was dabei stirbt, war eh nicht überlebensfähig. Oder sammelt die großzügig gezahlten Boni wieder ein. Warum muss immer jede Belastung beim Bürger hängen bleiben?

HolgerJahndel

02.11.2012, 18:44 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Frank62

03.11.2012, 09:30 Uhr

Das Insolvenzrecht in Bezug auf Banken ändern:

Bei einer Insolvenz einer Bank gehen alle Werte vorerst an den Staat über. Inklusive Gebäude und Inventar sowie alle Forderungen und Verbindlichkeiten aus dem Kundengeschäft. Andere Forderungen werden vorerst nicht bedient. Die eigenen Wertpapiere der Bank oder sonstige Geschäftsanteile und Vermögensbestände gehen in die Insolvenzmasse. Der Staat schließt neue Arbeitsverträge mit ausgewählten Mitarbeitern. Somit sind die verantwortlichen Top-Manager arbeitslos und werden wohl keine Abfindung erhalten. Auch Bonuszahlungen gibt es dann nicht mehr. Dann werden die Forderungen und Verbindlichkeiten aus dem Kundengeschäft nach dem Vorbild einer Bad Bank abgewickelt. Sollte nach der Abwicklung Kapital übrig sein, so sollte der Staat als erstes entstandene Eigenkosten damit abdecken und der Rest geht in die Insolvenzmasse ein, das normale Insolvenzverfahren wird dann eröffnet.

Der Vorteil:
Eine Bank kann pleite gehen. Keine Abfindung, keine Bonuszahlungen. Die Inhaber der Bank haften ebenfalls. Der Wettbewerb unter den Banken wird nicht mehr verzerrt. Ein Dominoeffekt für die Wirtschaft bleibt aus. Die Kosten für den Staat werden nicht höher sein als bei einer direkten Unterstützung der Bank.

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