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13.01.2015

20:19 Uhr

Finanzaufsicht

Bafin-Präsidentin warnt Banken vor riskanten Geschäften

Verleiten niedrige Zinsen Banken zu riskanteren Geschäften? Die Finanzaufsicht Bafin sieht zumindest die Gefahr gegeben. Und noch eine Reihe weiterer Mahnungen gibt die scheidende Präsidentin Elke König den Banken mit.

Die Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), Elke König, warnt Banken angesichts niedriger Zinsen vor zu riskanten Geschäften. dpa

Die Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), Elke König, warnt Banken angesichts niedriger Zinsen vor zu riskanten Geschäften.

FrankfurtDie Finanzaufsicht Bafin warnt vor Risiken der anhaltend niedrigen Zinsen im Euroraum. „Es besteht die Gefahr, dass Banken bei ihrer Suche nach Erträgen allzu kurzatmig agieren und auf lange Sicht massive Risikopositionen aufbauen“, sagte die Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), Elke König, beim Neujahrsempfang der Behörde am Dienstagabend in Frankfurt.

Insgesamt könnte nach Königs Einschätzung „eine plötzlich Wende in der Zinspolitik ... vor allem die Banken vor Probleme stellen, die langfristige Finanzierungen anbieten“. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Zinsen im Euroraum im Grunde abgeschafft, der Leitzins liegt derzeit bei 0,05 Prozent.

Um sich im hartumkämpften deutschen Bankenmarkt zu behaupten, könnten Geldhäuser auch an der Kostenschraube drehen. Fusionen seien dabei aber kein Allheilmittel. Auch beim Thema Filialnetz sieht König Sparpotenzial.

EZB steht vor weiteren historischen Schritten

EZB-Rat

Das Führungsgremium der Notenbank entscheidet ab Januar 2015 nur noch alle sechs Wochen über die Geldpolitik im Euroraum, erster Termin dafür ist der 22. Januar. Bisher gab es in der Regel am ersten Donnerstag jedes Monats eine Zinsentscheidung der EZB. Draghi begründete den neuen Turnus mit überzogenen Erwartungen der Märkte: Würden diese enttäuscht, komme es zu Konsequenzen – ohne dass es dafür einen ökonomischen Grund gebe. „Die EZB sollte aber nicht jeden Monat handeln. Deshalb haben wir uns entschieden, dass der Sitzungskalender mit monatlichen Treffen zu eng ist“, erklärte der Italiener Anfang Juli.

Neubau

Ihre neue Zentrale im Frankfurter Ostend hat die EZB bereits im November bezogen, am 18. März 2015 soll sie feierlich eröffnet werden. Das Ensemble aus zwei gläsernen Türmen - 165 und 185 Meter hoch - sowie der denkmalgeschützten ehemaligen Großmarkthalle bietet Platz für 2900 Mitarbeiter. Die Kosten für den Neubau am Mainufer waren mehrfach nach oben korrigiert worden, jüngste Schätzung: 1,3 Milliarden Euro. Die Endabrechnung soll Ende 2015 vorliegen.

Protokolle

Ein weiteres Novum: Die Notenbank wird ab 2015 regelmäßig Zusammenfassungen der Beratungen des EZB-Rates veröffentlichen – und zwar jeweils vor der folgenden Sitzung. Bislang lagen die Mitschriften für 30 Jahre unter Verschluss. Die neue Transparenz sei „ein weiterer Weg, um unsere Maßnahmen und die ihnen zugrundeliegenden Erörterungen zu erläutern“, erklärte Draghi. Schließlich sei das Vertrauen der Bevölkerung in die Geldpolitik immens wichtig.

Stimmrechte

Im EZB-Rat galt bisher das Prinzip: ein Land, eine Stimme. Mit dem Euro-Beitritt Litauens ändert sich das. Ab 2015 wird rotiert. Im Mai darf Bundesbank-Präsident Jens Weidmann deshalb erstmals keine Stimme bei den geldpolitischen Entscheidungen abgeben. Hintergrund ist ein EU-Beschluss von 2003, wonach das Stimmrecht in dem Gremium rotiert, sobald die Eurogruppe mehr als 18 Mitglieder hat. Das soll sicherstellen, dass auch dann rasch und effizient entschieden werden kann, wenn die Währungsunion größer wird. Das System tritt mit dem Eurobeitritt Litauens zum 1. Januar in Kraft.

Anleihenkäufe

Die Inflation ist gefährlich niedrig, das viele billige Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) bringt die Wirtschaft bislang nicht wie von den Währungshütern gewünscht in Schwung. Viele Ökonomen rechnen deshalb damit, dass die Notenbank Anfang 2015 den Weg für Anleihenkäufe in großem Stil freimachen wird („Quantitative Easing“, QE). Befürworter hoffen, dass der Erwerb von Unternehmens- und Staatsanleihen durch die Notenbank die Wirtschaft ankurbelt – und zugleich die Inflation wieder in Richtung des EZB-Zieles befördert. EZB-Präsident Mario Draghi betont, dass die Vorbereitungen für neue Eingriffe weit fortgeschritten seien. Ausdrücklich nannte er dabei QE, wobei auch Staatsanleihenkäufe im Rahmen des Mandats der EZB möglich seien.

Zinsen

„Die Zinsen werden niedrig, niedrig, niedrig bleiben. Die Geldflut der Zentralbanken wird anhalten“, prognostizierte Deutsche-Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau im Dezember. Europas Währungshüter selbst haben immer wieder bekräftigt, dass sie die Zinsen auf absehbare Zeit nahe Null halten werden. Dass der Leitzins im Euroraum noch unter das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt wird, gilt allgemein als unwahrscheinlich. Draghi selbst hatte eingeräumt, beim Leitzins sei „der untere Rand erreicht“.

Zudem sollten Banken für ihre Dienstleistungen grundsätzlich angemessene Preise verlangen, allerdings: „Risiko- und kostengerechte Preise sind wegen des harten Wettbewerbs hierzulande häufig nicht durchsetzbar.“ König verlässt die Bafin Ende Februar, sie leitet künftig die neue EU-Behörde zur Abwicklung von Krisenbanken.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Manfred Zimmer

13.01.2015, 20:38 Uhr

"König verlässt die Bafin Ende Februar, sie leitet künftig die neue EU-Behörde zur Abwicklung von Krisenbanken."

Eine Erlösung! Gott sei gedankt. Frau König darf wohl als größte Bereicherung der BAFin bzw. des BAKred aus der Zeit davor angesehen werden. So erfrischend und unbedarft wie sie war, war wohl kein(e) Vorgänger(in). Man kann ihr ohne Schäme bescheinigen, dass sie in ihrer neuen Aufgabe viel - um nicht zu sagen - alles neu lernen kann/darf/muss.

"Zudem sollten Banken für ihre Dienstleistungen grundsätzlich angemessene Preise verlangen, allerdings: „Risiko- und kostengerechte Preise sind wegen des harten Wettbewerbs hierzulande häufig nicht durchsetzbar.“

Mit diesem Spruch breitet Frau König nochmals ihr gesamtes Fachwissen vor uns aus.

Eine EZB, die Pleitestaaten die Anleihen mit Null-Renditen abnimmt, lebt geradezu beispielhaft Risikobewusstsein vor.

Sehr schnell kommt man dann auf den Spruch "alternativlos", der Banken, Versicherungen und Privaten vordiktiert wird.

Erinnern wir uns dennoch an die Leistungen von Frau König. Die Krönung von Frau König ist zweifellos das Lebensversicherungsreformgesetz, dass den Lebensversicherten die Bewertungsreserven streicht, die zuvor erst vor dem Bundesverfassungsgericht von den Versicherten erstritten wurden. Das die Versicherer die Begünstigten sind, ist fast überflüssig zu erwähnen.

Der geschätzte ausmachende Betrag z.G. der Versicherer liegt bei ca. 80 Mrd. €.

Nicht, dass die Dame nun seitens der Versicherungswirtschaft nicht nur mit diesem neuen Job belohnt wird, wir erwarten nachfolgend auch noch lukrative Vortragshonorare für die Dame - ähnlich wie bei Herrn Steinbrück. Der lukrative Verkauf ihrer Biographie an einen Versicherer ist natürlich ebenso möglich. Vielleicht passiert ja auch beides.

Herr Manfred Zimmer

13.01.2015, 20:39 Uhr

Wahrscheinlich hat die Versicherungswirtschaft auch an dieser Stelle noch großes mit ihr vor.

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