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06.01.2013

13:53 Uhr

Finanzaufsicht

Bafin will Banker-Boni rigoros kontrollieren

Mit Sonderprüfungen will die Finanzaufsicht die Gehälter und Boni der deutschen Banker untersuchen. Im Visier sind vor allem Großbanken. Die Deutsche Bank hat bereits Kürzungen bei den Bonuszahlungen angekündigt.

Die Finanzaufsicht Bafin will die Gehälter der Banker schärfer kontrollieren. dapd

Die Finanzaufsicht Bafin will die Gehälter der Banker schärfer kontrollieren.

Berlin/FrankfurtDie Finanzaufsicht Bafin nimmt die Gehälter und Boni der deutschen Banker unter die Lupe. Etwa zwei Dutzend Geldhäuser müssten mit einer Sonderprüfung der Fixgehälter und Leistungsprämien für ihre Banker rechnen, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS). "Es ist wichtig, dass wir prüfen, wie die Banken den neuen Vorschriften für Vergütungssysteme nachkommen", sagte Raimund Röseler, Exekutiv-Direktor für Bankenaufsicht bei der Bafin, dem Blatt.

Seit 2010 gelten strengere Vorschriften für die Zahlung von Boni. Die Ausrichtung der Prämien an kurzfristigen Zielen gilt als eine der Ursachen der schwersten Finanzkrise der Nachkriegsgeschichte. Unter den deutschen Kreditinstituten zahlt die Deutsche Bank in der Regel die höchsten Boni. Diese sollen beim Branchenprimus nach einem Bericht des "Spiegel" deutlich niedriger ausfallen.

Wo Banker in Europa am meisten verdienen

Gehalt und Leistung

Ein erstes Urteil fällt eine Studie des unabhängigen Equity-Research-Unternehmens Alpha Value schnell: Banker verdienen zu viel. Im Schnitt sind es rund 40 Prozent mehr als andere Industrien. Dies steht im krassen Gegensatz zu der Performance der Geldhäuser – Aktionäre haben seit 2007 mit Bankentitel rund 86 Prozent an Vermögen verloren. Ein kurze Übersicht, wo in Europa wie viel verdient wird.

Platz 13

In Belgien haben Banker 2010 laut einer Studie von AlphaVille 250.700 Euro verdient. Im Vorjahr war es mehr als doppelt so viel. Die Summen beziehen sich auf Durchschnittgehälter von leitenden Managern.

Platz 12

Die Banker in Norwegen haben dagegen 2010 mehr verdient als im Jahr davor, nämlich im Schnitt 538.000 Euro.

Platz 11

Bei unseren Nachbarn in den Niederlanden verdient man als Banker durchschnittlich "nur" 623.000 Euro, ein wenig mehr als 2009.

Platz 10

Die Banker in Dänemark haben es noch so gerade in die Top Ten geschafft: Sie verdienten 2010 im Schnitt 797.000 Euro.

Platz 9

Vielleicht eine kleine Überraschung, die Portugiesen in diesem Ranking so weit oben zu sehen. Aber nur weil das Land kein richtig großes Institut hat, können die Banker ja dennoch ordentlich verdienen: 846.000 Euro waren es durchschnittlich - übrigens deutlich mehr als 2009.

Platz 8

Einen kräftigen Schluck aus der Pulle haben sich die französischen Banker gegönnt: Ihr Durchschnittgehalt stieg auf 865.000 Euro. Im Vorjahr waren es "nur" knapp 600.000 Euro.

Platz 7

Auf Rang sieben überspringt Österreich die "magishe" Millionengrenze: In der Alpenrepublik verdienen Top-Banker im Schnitt 1,25 Millionen Euro.

Platz 6

Auch in Schweden kann man in Geldhäusern gutes Geld verdienen: 1,36 Millionen Euro waren es 2010.

Platz 5

Die Italiener schaffen es in die Top Five. Die leitenden Angestellten von Unicredit, Intesa und Co. verdienen durchschnittlich 1,9 Millionen Euro.

Platz 4

Bis zu unseren deutschen Bankern auf Rang vier ist es ein gewaltiger Sprung: Hierzulande verdienen leitende Manager 3,3 Millionen Euro. 2009 war es mit 3,5 Millionen Euro übrigens ein wenig mehr.

Platz 3

Sozusagen aufs Treppchen haben es die Funktioniere in Spanien geschafft: Hier lag das Gehalt bei 3,7 Millionen Euro.

Platz 2

Noch ein wenig mehr gibt es in der Schweiz, nämlich 4,4 Millionen Euro. Allerdings sind die Lebenshaltungskosten in Zürich oder Genf auch ein gutes Stück höher als in Deutschland.

Platz 1

Mit weitem Abstand gibt es in Großbritannien am meisten zu verdienen: 5,8 Millionen Euro verdienen die Banker in London. Kein Wunder, tun hier doch sehr viele Investmentbanker ihr Werk, die gewohnheitsmäßig auf überdurchschnittliche Vergütungen kommen.

Vor allem Investmentbanker der Deutschen Bank müssten sich darauf einstellen, dass der variable Anteil ihrer Vergütung im Schnitt um 15 bis 20 Prozent kleiner ausfällt. Aber auch im Privatkundengeschäft sollen die Boni gekürzt werden - wenn auch weniger stark. "Der Bonustopf wird kleiner, die fetten Jahre sind vorbei", hieß es dem Magazin zufolge in Arbeitnehmerkreisen. Die Deutsche Bank lehnte einen Kommentar dazu ab. Die neuen Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen hatten jüngst gewarnt, dass Sonderposten wie Neubewertungen von Portfolien den Jahresgewinn drücken werden. Das Geldhaus fährt einen straffen Sparkurs und baut rund 2000 Arbeitsplätze, vorwiegend im Investmentbanking, ab.

Bei der Vergütungsstruktur 2012 sollen zudem bereits erste Empfehlungen der von der Deutschen Bank im Oktober eigens ins Leben gerufenen externen Expertenkommission enthalten sein. "Da können Sie sicher sein", sagte der frühere BASF-Chef Jürgen Hambrecht, der dem fünfköpfigen Gremium vorsteht, der FAS.

"Wir werden empfehlen, was wir für richtig halten. Da schreibt uns die Deutsche Bank nichts vor", sagte er. Die Arbeit der externen Kommission, die die Bonuskultur von Deutschlands größtem Geldhaus überprüfen soll, endet im März. Allerdings sind die Empfehlungen des Gremiums, dem auch der frühere Bundesfinanzminister Theo Waigel angehört, für die Deutsche Bank nicht verbindlich.

Die BaFin will der "FAS" zufolge vor allem die Entlohnungsstrukturen der gut 20 Banken kontrollieren, die von der Aufsicht als "bedeutsam" geführt werden. Das sind Kreditinstitute mit einer Bilanzsumme von mehr als zehn Milliarden Euro und einem besonders umfangreichen, komplexen oder internationalen Geschäft. Diese müssen beispielsweise die Mitarbeiter identifizieren, die besonders riskante Geschäfte abwickeln. Für die Leistungsprämien dieser Gruppe gelten strengere Anforderungen. Entdecken die Prüfer Rechtsverstöße, dann müssen die Institute diese umgehend beheben - ansonsten drohen Bußgelder.

Von

rtr

Kommentare (4)

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Geht_gar_nicht

06.01.2013, 21:09 Uhr

Goldmann Sachs, Morgan Stanley, Deutsche Bank, Bundesagentur für Commerz, Hamburg-Mülleimer !!! Ich kann gar nicht soviel essen wie ich kotzen möchte. Liebe Frau Merkel, schieben Sie dem Treiben dieses Gesindels endlich und endgültig einen Riegel vor.

Paul7744

06.01.2013, 23:19 Uhr

Der planwirtschaftliche Wahnsinn in diesem Lande ist kaum noch zu stoppen und zu toppen.
Als wären raffgierige und intellektell minderbemittelte Politiker und Beamte wie Steinbrück, Holzweg &Cie und abgehalfterte Politiker bei Bafin in der Lage zu beurteilen, wie hoch die angemessene Entlohnung von Bänkern ist.
Eine Lösung kann nur sein, daß die verantwortlichen Bankangestellten mit ihrem gesamten Privatvermögen für die Verluste, die sie einfahren, haften. (Es wäre hilfreich und nützlich, wenn das Fernsehen dann Figuren wie z. B. Herrn Rolf Breuer/Dt. Bank bei seiner Tätigkeit/seinem Besuch in einer Suppenküche interviewen würde.)
Außerdem ist eine angemessene Möglichkeit der Einflußnahme der Eigentümer/Aktionäre notwenig, um die Exzesse der Bänksterbesoldung zu verhindern. Aber die resp. Gesetzgebung wurde den "Gestzgebern" von der Bänksterlobby in die Feder diktiert und bestenfalls wird es kosmetische Retouchen geben.

ThomasBittner

07.01.2013, 09:53 Uhr

Ja, das mit den kleineren Boni ist schon schade für die Banker, aber nicht tragisch. Schließlich machen sie ihren Job ja nicht nur wg. des schnöden Mammons, oder?
Manche glauben es vielleicht nicht, aber es ist viel intrinsische Motivation mit dabei, die gerade Investmentbanker antreibt, schließlich ist das der beste Job der Welt! Siehe, http://www.organomics.de/aktuelles/126-blog-05-2012-investmentbanker.html

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