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21.01.2014

20:52 Uhr

Finanzaufsicht

Commerzbank-Geschäft in Zypern untersucht

Die Commerzbank hat eine Finanztransaktion für die zyprische Laiki Bank eingefädelt, die nun von der britischen Wertpapieraufsicht untersucht werden soll. Der Vorwurf: Die Bank habe strukturierte Papiere arrangiert.

Die Finanztransaktion der Commerzbank wirft den Verdacht auf, mit dem Geschäft das Verbot zu umgehen, dass ohne Zustimmung der Aktionäre in eigene Anteilsscheine investiert wird. dpa

Die Finanztransaktion der Commerzbank wirft den Verdacht auf, mit dem Geschäft das Verbot zu umgehen, dass ohne Zustimmung der Aktionäre in eigene Anteilsscheine investiert wird.

NikosiaEine von der Commerzbank eingefädelte Finanztransaktion für die inzwischen untergegangene zyprische Laiki Bank soll nun auch von der britischen Wertpapieraufsicht untersucht werden. Die zyprische Aufsichtsbehörde hat nach eigenen Angaben vom Dienstag ihre Kollegen in London um Hilfe gebeten. Angestoßen hatte die Untersuchung die zyprische Unterhaus-Abgeordnete Irene Charalambides. Sie hegt den Verdacht, dass mit dem Geschäft das Verbot umgangen werden sollte, dass Unternehmen ohne Zustimmung ihrer Aktionäre in eigene Anteilsscheine investieren.

Charalambides wirft der Commerzbank vor, zwei strukturierte Papiere arrangiert zu haben. Darüber habe Laiki in eigene Aktien und solche verbundener Unternehmen investiert. Die Emission war nach ihren Angaben von der Londoner Filiale der Commerzbank organisiert worden. Die britische Finanzaufsicht FCA wollte sich am Dienstag ebenso wenig äußern wie die deutsche Finanzaufsicht BaFin, an die sich Charalambides zuvor gewandt hatte. Auch die Commerzbank lehnte eine Stellungnahme ab.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Charalambides versucht den ehemaligen Kunden von Laiki zu helfen, die beim Zusammenbruch der Bank 4,3 Milliarden Euro verloren hatten. Die Abgeordnete schätzt den Verlust, der den Sparern durch die Geschäfte der Commerzbank entstanden sei, auf rund 50 Millionen Euro.

Laiki, die einst zweitgrößte Bank Zyperns war im März 2013 unter Zwangsverwaltung gestellt worden, nachdem sie den Verlusten aus ihren Engagements in Griechenland Tribut zollen musste. Es war das erste Mal, dass die EU auch die Einleger von Banken hatte bluten lassen. Ihnen blieben nur die von der Einlagensicherung geschützten 100.000 Euro.

Von

rtr

Kommentare (1)

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X-Ray

22.01.2014, 08:05 Uhr

Von der homepage der Commerzbank
"Die Commerzbank übernimmt als eine der führenden Privat- und Firmenkundenbanken Deutschlands wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Verantwortung. Diese Verantwortung nehmen wir seit Langem systematisch wahr - sie ist ein Leitprinzip unseres Handelns. "
Die Betonung liegt offenbar auf "in Deutschland". Sobald es über London läuft heißt es wohl eher business as usual.

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