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16.06.2014

19:03 Uhr

Finanzaufsicht

Japanische Deutsche-Bank-Chefs wussten von Bestechung

In einem Bestechungsskandal wirft die japanische Finanzaufsicht Managern der Deutschen Bank Mitwisserschaft vor: Illegale Bewirtungen und die Manipulation von Spesenquittungen sei eindeutig bekannt gewesen.

Die Deutsche Bank in Tokio. Die Tokioter Finanzaufsicht hatte die Bank verpflichtet, die internen Kontrollsysteme zu verbessern. Reuters

Die Deutsche Bank in Tokio. Die Tokioter Finanzaufsicht hatte die Bank verpflichtet, die internen Kontrollsysteme zu verbessern.

TokioDie japanische Finanzaufsicht wirft hochrangigen Managern der Deutschen Bank laut einem Untersuchungsbericht Mitwisserschaft oder Desinteresse in einem Bestechungsskandal vor. Der Vorsitzende der Tokioter Tochter Deutsche Securities, Norimichi Kanari, sei sogar einmal selbst dabeigewesen, als ein Pensionsfonds-Manager von den Bankern eingeladen worden sei, hieß es in dem unveröffentlichten Bericht, der Reuters vorliegt. Der heutige Chef der Fondssparte der Deutschen Bank in Japan, Mitsuhisa Murata, habe von den illegalen Bewirtungen und von der Manipulation von Spesenquittungen gewusst, diese "aber stillschweigend gebilligt, in der Auffassung, dass das nötig sei, um das Geschäft anzukurbeln". Die Aufsicht, die Bank, Kanari und Murata wollten sich zu dem Bericht nicht äußern.

Die Tokioter Finanzaufsicht hatte die Bank im Dezember dazu verpflichtet, ihr Geschäftsgebaren zu ändern und die internen Kontrollsysteme zu verbessern. Die für Pensionsfonds zuständige Abteilung wurde bereits im September geschlossen. Die Gehälter der höchstrangigen Manager der Bank in Japan wurden gekürzt. Shigeru Echigo, ein Mitarbeiter von Deutsche Securities, hatte einen Manager des Betriebsrenten-Fonds für das Handelshaus Mitsui für umgerechnet 6500 Euro opulent bewirtet und auf Auslandsreisen und Golfausflüge eingeladen. Das sei der Dank dafür gewesen, dass Mitsui 7,2 Millionen Euro bei Deutschlands größter Bank angelegt hatte.

Ausufernde Abendessen sind in Japan üblich, um Geschäftsbeziehungen zu festigen. Nach einem Skandal im Jahr 1998, als sich Finanzaufseher von den Banken verwöhnen ließen, die sie eigentlich kontrollieren sollten, hatte die Regierung jedoch strengere Auflagen für Beamte erlassen. Pensionsfonds-Manager unterliegen diesen Vorschriften auch, wenn ein Teil des von ihnen verwalteten Geldes ins staatliche Rentensystem fließt. Das war auch im Fall der Deutschen Bank so.

Die japanische Aufsicht ist seit 2012 besonders sensibel. Damals hatte die Investmentfirma AIJ über eine Milliarde Dollar Pensionsgelder verloren und Berichte gefälscht, um das zu vertuschen. Um die Fondsmanager bei Laune zu halten, waren sie von AIJ opulent bewirtet worden.

Diese Banken haben die beste Kernkapitalquote

Platz 8

Crédit Agricole (Frankreich) – 9,0 Prozent

Kernkapitalquote nach Basel III ausgewählter Banken, 1. Quartal 2014, Quellen: Bloomberg, Thomson Reuters

Platz 7

Deutsche Bank – 9,5 Prozent

Platz 4

Bank of America (USA) – 9,6 Prozent

Platz 4

JP Morgan (USA) – 9,6 Prozent

Platz 4

Barclays (Großbritannien) – 9,6 Prozent

Platz 3

BNP Paribas (Frankreich) – 10,6 Prozent

Platz 2

HSBC (Großbritannien) – 10,8 Prozent

Platz 1

UBS (Schweiz) – 13,2 Prozent

Der 37 Jahre alte Echigo war verhaftet worden und hatte sich wegen der Dinner-Einladungen der Beamtenbestechung für schuldig erklärt. Bei einer Anhörung im April belastete er jedoch seine Vorgesetzten. Solche Einladungen seien firmenweit verbreitet gewesen. Am Dienstag steht der nächste, vielleicht entscheidende Gerichtstermin an. Echigo droht eine Gefängnisstrafe, die aber in Japan in solchen Fällen zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Der Mitsui-Fondsmanager, den er bewirten ließ, war wegen Bestechlichkeit zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Der seit 2008 amtierende Landeschef Kanari habe frühzeitig erkannt, dass die Einladungen von Fondsmanagern problematisch sein könnten, kritisierte die Aufsicht. Trotzdem gingen die Abendessen weiter. Kanari habe versäumt, Konsequenzen aus dem Fall AIJ zu ziehen, Mitarbeiter hätten sogar Spesenbelege gefälscht, um unangenehme Nachfragen zu vermeiden. Allein 2012 habe das Team umgerechnet 80.000 Euro für solche Veranstaltungen mit Pensionsfonds-Verwaltern ausgegeben. Im April 2013, einen Monat bevor die Aufsichtsbehörde mit ihrer Überprüfung begann, hatte die Deutsche Bank eine Obergrenze von rund 100 Dollar für Essen mit Pensionsfondsmaagern eingeführt, wie aus internen, Reuters vorliegenden Unterlagen hervorgeht.

Von

rtr

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