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03.04.2014

17:10 Uhr

Finanzberatung

Maschmeyer zeigt Bank Sarasin an

ExklusivDer Finanzinvestor und frühere AWD-Chef Carsten Maschmeyer setzt seine Drohung gegen die Schweizer Bank Sarasin um. Er hat jetzt Strafanzeige gegen die renommierte Privatbank erstattet.

AWD-Gründer Carsten Maschmeyer: „Die Bank verweigert die vollständige Auszahlung des Anlagebetrags.“ dpa

AWD-Gründer Carsten Maschmeyer: „Die Bank verweigert die vollständige Auszahlung des Anlagebetrags.“

DüsseldorfCarsten Maschmeyer, der Gründer der Finanzvertriebsgesellschaft AWD, hat die renommierte Schweizer Privatbank Safra Sarasin angezeigt. Es geht dabei dabei um Verstoß gegen das Bankengeheimnis, teilte eine Sprecherin des Finanzinvestors mit. Außerdem bereitet Maschmeyer eine Klage vor, weil er von der Bank Geld zurückhaben will. Und er wirft dem Institut Falschberatung vor. Hier wird eine weitere Anzeige vorbereitet.

Es geht aus der Sicht von Maschmeyer um „vorsätzliche Täuschung“ bei der Beratung über das Investment in einen Fonds. Er wartet seit rund zweieinhalb Jahren auf die Rückzahlung von mehreren Millionen Euro.

Zudem beklagt er gegenüber der Bank, dass der fragliche Fonds auf umstrittenen Dividenden-Stripping-Geschäften beruhe, die derzeit in mehreren Verfahren schon Gerichte beschäftigen. „Die Bank hat zugesichert, dass es sich um ein sicheres, seriöses und legales Geschäft handelt und verweigert seit Herbst 2011 die vollständige Auszahlung des Anlagebetrags.“

Was Maschmeyer in seinem Buch schreibt (1)

Das Buch

AWD-Gründer und Milliardär Carsten Maschmeyer ist unter die Buchautoren gegangen. "Selfmade - erfolg reich leben" (Ariston Verlag) ist keine Autobiografie, sondern ein Ratgeber. Die ersten Auszüge hatte die Bild-Zeitung veröffentlicht - hier die wichtigsten Ausschnitte.

Seine Ausbildung

Meine Ausbildung, rückblickend auf den Punkt gebracht, bestand eigentlich nur aus zwei Fächern: Hauptfach Beziehungen, Nebenfach Sachthemen. Persönlich ging bei mir immer vor geschäftlich.

Sein Ratschlag

Die Fähigkeit zur Kommunikation und zur Bildung von Netzwerken ist heute entscheidend für den beruflichen Erfolg und ein spannendes, abwechslungsreiches Leben. In einer von E-Mails und SMS, Chatportalen und virtuellen Communitys beherrschten Zeit wird es immer wichtiger, über viele und tragfähige Kontakte zu verfügen

Seine Freunde

Oftmals sind die mächtigsten und bekanntesten Personen einer Berufsgruppe gar nicht unbedingt intelligenter oder qualifizierter als der Durchschnitt – sie haben einfach mehr Kontakte und bessere Beziehungen, die sie meist seit langer Zeit pflegen und wechselseitig nutzen.

Vitamin B wichtiger als Arbeit

Häufig ist Beziehungsarbeit lohnender als rein fachliche Arbeit. Frei nach der Parole: „Der Kluge kennt alles, der sehr Kluge kennt alle.“ Ich kenne sogar Personen, die einzig wegen ihrer Netzwerke, Kontakte und Beziehungen einen begehrten, gut bezahlten Job bekommen haben.

Interessante Jobs finden

Interessante Jobs findet man heutzutage viel eher durch die Nutzung von Netzwerken als durch Print- oder Internet-Stellenanzeigen. Viele Statistiken belegen, dass die meisten Menschen ihre Jobs durch persönliche Beziehungen finden. Machen Sie sich also nichts vor: 

Über Politiker

Das gilt umso mehr für Politiker: Ihr Erfolg hängt auch von ihrem Netzwerk, von ihren Beziehungen ab. Man wird kaum in den Ortsbeirat gewählt, wenn man keine guten Verbindungen hat. Als Politiker brauchen Sie – gerade in Ihrer Partei – die richtigen Unterstützer, die sich für Sie einsetzen und propagieren, warum die Leute Sie wählen sollen.

Über Gerhard Schröder

Wenn man den Ministerpräsidenten Gerhard Schröder kennengelernt hat und er schließlich Bundeskanzler wird, dann lernt man fast ganz automatisch andere SPD-Politiker wie Stephan Weil, unseren Oberbürgermeister, und sogar Frank-Walter Steinmeier und Sigmar Gabriel kennen.

Konkret geht es um den Sheridan Solutions Equity Arbitrage Fund. Dort hatte Maschmeyer 40 Millionen Euro investiert, bisher aber erst rund 26 Millionen zurückbezahlt bekommen. In einer eidesstattlichen Erklärung versicherte Maschmeyer, dass die Bank ihm eine Rendite von acht bis zehn Prozent in Aussicht gestellt habe. Im schlechtesten Fall müsse er einen Verlust von zwei Prozent hinnehmen.

Eric Sarasin, Vorstand der Bank Sarasin, hatte dem Handelsblatt dazu gesagt: „Ich stehe in dieser Frage in Kontakt mit Carsten Maschmeyer.“ Weitere Angaben wollte Sarasin zu dem Fall nicht machen.

Viele Deutsche haben von dem Finanzunternehmer kein gutes Bild. Sie kennen seinen Namen aus Fernsehdokumentationen mit Titeln wie „Der Drückerkönig und die Politik“ oder „Abzocker Maschmeyer“. Doch Maschmeyer will dieses Image los werden.

Was Maschmeyer in seinem Buch schreibt (2)

Über Ferres und das Leben in München

Weil ich wegen Veronica Ferres viel in München bin, gibt es natürlich auch mehr Kontakte zu den CSU-Größen und den Münchner Dax-Chefs. Gerade in der bayerischen Landeshauptstadt ist die Welt von Film, Politik und Wirtschaft besonders eng verbandelt.

Über Freundschaften

Networking bedeutet für mich natürlich auch, Freunde zu haben, ohne dass man miteinander Geschäfte machen möchte. Das gilt auch für Gerd Schröder. In dieser Beziehung wird mein Einfluss völlig überschätzt.

Über seine Rolle bei der Riester-Rente

Manche haben die abwegige These vertreten, ich hätte den damaligen Bundeskanzler überredet, mir zuliebe die Riester-Rente einzuführen. Tatsache ist: Mit Gerhard Schröder habe ich überhaupt erst zwei Jahre nach Einführung dieser privaten Zusatzrente zum ersten Mal persönlich gesprochen.

Über Privates

Der Grundsatz „privat bleibt privat“ hat eine stabile Basis geschaffen, auf der sich auch die Freundschaft zwischen unseren beiden Familien immer weiter entwickeln konnte.

Über Christian Wulff

Den damaligen Landtagsabgeordneten Christian Wulff lernte ich übrigens auf ganz spezielle Weise kennen. Ich hatte ihn öfter bei Empfängen gesehen, aber bis dahin noch nie persönlich mit ihm gesprochen. Bei der niedersächsischen Landtagswahl 1998 trat er für die CDU als Spitzenkandidat an. Diese Wahl wurde von der SPD genutzt, um auszuloten, wer als ihr Kanzlerkandidat in den Bundeswahlkampf ziehen sollte.

Über Anzeigen für Kanzlerkandidaten

Den Umfragen zufolge hatte Helmut Kohl kaum Chancen auf eine Wiederwahl, und da sagte ich mir: Dann wäre Gerhard Schröder allemal ein besserer neuer Bundeskanzler als Oskar Lafontaine. Deshalb kam mir die Idee einer Anzeige mit der berühmt gewordenen Headline „Der nächste Kanzler muss ein Niedersachse sein“.

Kommentare (7)

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03.04.2014, 17:20 Uhr

Ein Revolutionär (hust), der Herr M...

Account gelöscht!

03.04.2014, 17:27 Uhr

Ausgerechnet Herr Maschmeyer will einem deutschen Gericht glaubhaft versichern, dass er glaubt, es gibt Anlagen mit 8 bis 10 % Renditeaussicht und nur 2 % Verlustrisiko. So blöd kann kein Richter in Deutschland sein. Auch wenn Maschmeyers AWD früher ähnliche Versprechen abgegeben hat.

Account gelöscht!

03.04.2014, 18:59 Uhr

Raffiniert oder wirklich so dumm ?
dieser frühere Drückerchef glaubte an große Gewinne bei kleinem Risiko? Beschränkt wahrnehmungsfähig - es gibt die gleiche Lehre wie diese auf seine windigen Versprechen von damals: Gier frisst Hirn!
Eine prima Erfahrung für ihn wie es manchen seiner Opfer von damals ergangen ist. Denen wurde auch mehr versprochen als schriftlich garantiert und manche besitzen nun nichts mehr.

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