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30.10.2013

15:43 Uhr

Finanzbranche

Bafin kritisiert Niedrigzinsen der EZB

Im Mai hatte die EZB den Leitzins auf 0,5 Prozent gesenkt - seitdem verharrt er auf diesem Rekordtief. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin warnt: Banken und Bausparkassen würden zunehmend darunter leiden.

Die Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Elke König: „Die Medizin hat wie jede Medizin Nebenwirkungen.“ dpa

Die Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Elke König: „Die Medizin hat wie jede Medizin Nebenwirkungen.“

Frankfurt/MainDas Niedrigzinsniveau im Euroraum wird nach Einschätzung der deutschen Finanzaufsicht Bafin zunehmend zur Belastung für Banken und Bausparkassen. Bleibe das Zinsniveau so niedrig, werde „die Branche weiter gegensteuern müssen und über neue Lösungen und andere Geschäftsmodelle nachdenken müssen“, sagte die Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), Elke König, bei einer Bankentagung der „Börsen-Zeitung“ in Frankfurt mit Bezug auf Bausparkassen.

„Die Medizin, die die EZB den Banken und den Staaten verabreicht hat, um sie zu stützen, hat wie jede Medizin Nebenwirkungen“, stellte König fest. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den ohnehin schon extrem niedrigen Leitzins im Euroraum im Mai 2013 auf 0,5 Prozent gesenkt. Seither verharrt der Zins auf diesem Rekordtief. Bausparkassen haben damit zu kämpfen, dass Kunden Altverträge mit vergleichsweise hohen Guthabenzinsen weiter besparen. Anbieter haben bei den derzeit extrem niedrigen Zinsen Schwierigkeiten, die versprochenen Renditen zu erwirtschaften.

Die Folgen der EZB-Niedrigzinspolitik

Schulden steigen

Künstlich niedrig gehaltene Zinsen befördern die Schuldenwirtschaft, insbesondere die der Staaten und der Bankenindustrie.

Spekulationswellen

Künstlich tiefe Zinsen lösen (inflationäre) Spekulationswellen aus, führen zu „Boom-and-Bust“-Zyklen: überhitzte Situationen, in denen, wenn niemand mehr bereit ist, Kredite zu finanzieren, alles in sich zusammenbricht.

Fehlinvestitionen werden künstlich am Leben gehalten

Ein künstlich tief gehaltener Zins befördert, dass unprofitable Investitionsprojekte also Fehlinvestitionen aufrecht gehalten werden.

Verminderter Reformdruck auf Krisenländer

Werden die Zinsen künstlich abgesenkt, so verringert sich der Reformdruck auf Regierungen und Banken, ihre Haushalte beziehungsweise Bilanzen zu verbessern.

Die Niedrigzinsen hätten „spürbare Auswirkungen auf die Ertragssituation der Finanzinstitute“, erklärte Commerzbank-Privatkundenvorstand Martin Zielke. „Jede Bank, die im Privatkundengeschäft erfolgreich sein will, muss ihr Geschäftsmodell radikal umbauen. Nur das Schrauben an kleinen Teilen des Geschäftsmodells wird nicht mehr ausreichen.“

Für Banken sei es wichtig, „dass die Institute genug Eigenkapital haben, um die Risiken auch aus dem Zinsänderungsrisiko abfedern zu können“, sagte König. Das Thema werde auch beim anstehenden EZB-Bilanzcheck auf der Agenda sein. Die EZB soll im November 2014 die Aufsicht über die größten Banken im Euroraum übernehmen. Vorher wollen EZB und nationale Aufseher die Bilanzen von 124 Bankkonzernen durchleuchten. Zudem ist ein Stresstest in Vorbereitung.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

30.10.2013, 16:16 Uhr

Hm, wenn das doch so schlimm ist, warum zahlen die Banken nicht freiwillig der EZB mehr? *g*
jaja, wir haben keine Ahnung, wir wissen auch nicht warum das Geld nicht dort ankommt wo es dringend gebraucht wird.

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