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10.01.2007

15:11 Uhr

Finanzbranche

Steuerreform hilft Banken

VonRolf Benders

Die 2008 anstehende Unternehmensteuerreform wird sich nach Schätzung von Analysten überdurchschnittlich positiv auf die Gewinne der deutschen Kreditinstitute auswirken. Die Geldinstitute könnten mit sinkenden Steuersätzen rechnen, seien aber von den Gegenfinanzierungsmaßnahmen der Bundesregierung weniger stark betroffen. Bei einigen Banken wird der positive Effekt allerdings gebremst.

Skyline des Bankenplatzes Frankfurt. Foto: dpa Quelle: dpa

Skyline des Bankenplatzes Frankfurt. Foto: dpa

FRANKFURT. „Die Banken dürften tendenziell zu den größten Profiteuren gehören“, sagt Analyst Andreas Weese von der Hypo-Vereinsbank (HVB). Einer am gestrigen Dienstagveröffentlichten Studie der britischen Großbank HSBC zufolge dürften die Geldinstitute in Deutschland allein durch den steuerlichen Effekt per saldo gut sechs Prozent mehr verdienen. Größte Gewinner sind demnach die Mittelstandsbank IKB, der Immobilienfinanzierer Aareal sowie die Postbank. Ihre Gewinne dürften zwischen sieben und neun Prozent höher liegen als bislang angenommen. Die Depfa und die Deutsche Bank profitieren wegen ihres unterdurchschnittlichen Gewinnanteils im Inland am wenigsten.

Bislang halten sich die Banken selbst mit Aussagen über die Auswirkung der Reform auf ihr Zahlenwerk zurück. Lediglich Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann wagte sich bislang mit der Prognose aus der Deckung, die Bank könne 2008 acht Prozent oder etwas mehr auf Grund der Steuereffekte zulegen.

Die Bundesregierung plant, die Steuerlast für Kapitalgesellschaften aus Körperschaftsteuer, Solidarzuschlag und Gewerbesteuer von derzeit 38,6 auf 29,8 Prozent zu senken. Die dadurch verursachten Steuerausfälle von knapp 30 Mrd. Euro will Berlin aber durch eine Verbreiterung der Bemessungsgrundlage bis auf fünf Mrd. Euro begrenzen. Zu den Gegenmaßnahmen gehört eine Veränderung der Abschreibung und eine Besteuerung von Zinsausgaben. Diese Schritte würden bei Banken aber weniger stark greifen als in der übrigen Unternehmenswelt, so HSBC-Analyst Peter Barkow. Schließlich hätten sie qua Geschäftsmodell einen Überschuss an Zinseinnahmen und praktisch keine Abschreibungen auf Anlagevermögen – etwa Produktionsanlagen. Daher rechnet er mit einem Absinken der Steuerquote von derzeit durchschnittlich 40 Prozent auf 32 Prozent ab 2008.

Gebremst wird der positive Effekt allerdings bei einigen Banken, die wegen hoher Verlustvorträge aus den Krisenjahren demnächst ohnehin niedrigere Steuersätze hätten. Durch die generelle Absenkung der Steuerbelastungen wirken sich diese weniger stark steuermindernd aus. So gesehen werden die noch vorhandenen Verlustvorträge der Commerzbank von knapp 3,8 Mrd. Euro in Zukunft weniger „wert“ sein.

Getroffen werden könnte die Finanzbranche auch durch die Besteuerung von profitablen Unternehmensteilen, die ins niedriger besteuerte Ausland verlegt wurden oder werden. Da viele Bankaktivitäten bisher ins Ausland verlagert worden sind – wie zum Beispiel Handelsräume oder Abrechnungsabteilungen – könnte dies die Branche treffen und solche Verlagerungen weniger attraktiv machen. Auch die teilweise Besteuerung von Mieten oder Leasingkosten mindert die Steuerentlastung. Schließlich werden Gebäude und Computer zunehmend gemietet oder geleast.

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