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27.11.2013

17:05 Uhr

Finanzdienstleister

Banken kritisieren EZB-Geldspritze

Deutsche Finanzdienstleister halten nichts davon, zweckgebundene Geldspritzen für Banken aufzulegen. Es fehle nicht an günstigem Geld, sondern an Abnehmern in der Wirtschaft – bisher leide nur der Sparer.

Gunter Dunkel, Vorstandsvorsitzender der Nord LB und Präsident des Bundesverbands Öffentlicher Banken, sieht die momentane Geldschwemme als Problem: „Bisher zahlt der Sparer die Zeche“. APN

Gunter Dunkel, Vorstandsvorsitzender der Nord LB und Präsident des Bundesverbands Öffentlicher Banken, sieht die momentane Geldschwemme als Problem: „Bisher zahlt der Sparer die Zeche“.

FrankfurtGedankenspiele über eine zweckgebundene Geldspritze der Europäischen Zentralbank (EZB) für schwächelnde Finanzinstitute stoßen in Deutschland auf Kritik. „Eine Vergabe von Notenbankgeld für vorab bestimmte Verwendungszwecke kann den Charakter eines planwirtschaftlichen Instruments annehmen und Banken zur Übernahme von Risiken veranlassen, die sie sonst nicht nehmen würden“, sagte Gerhard Hofmann, ein Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), am Mittwoch. Laut „Süddeutscher Zeitung“ erwägt der EZB-Rat eine neue langfristige Kreditlinie (LTRO) aufzulegen, die nur von Banken in Anspruch genommen werden darf, die das Geld als Darlehen an Industrie-, Handels-, Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe weitergeben.

Die EZB hatte Ende 2011 und Anfang 2012 mehr als eine Billion Euro in das Banken-System gepumpt, um die schwächelnde Wirtschaft in der Euro-Zone in Schwung zu bringen. Viele Banken haben das Geld allerdings nicht an Unternehmen weitergegeben, sondern es gehortet oder in Staatsanleihen investiert. Experten haben allerdings Zweifel, ob sich dieses Verhalten durch einen zweckgebundenen LTRO lösen lässt. Operativ wären solche Vorgaben schwer umzusetzen und zu kontrollieren.

Die Folgen der EZB-Niedrigzinspolitik

Schulden steigen

Künstlich niedrig gehaltene Zinsen befördern die Schuldenwirtschaft, insbesondere die der Staaten und der Bankenindustrie.

Spekulationswellen

Künstlich tiefe Zinsen lösen (inflationäre) Spekulationswellen aus, führen zu „Boom-and-Bust“-Zyklen: überhitzte Situationen, in denen, wenn niemand mehr bereit ist, Kredite zu finanzieren, alles in sich zusammenbricht.

Fehlinvestitionen werden künstlich am Leben gehalten

Ein künstlich tief gehaltener Zins befördert, dass unprofitable Investitionsprojekte also Fehlinvestitionen aufrecht gehalten werden.

Verminderter Reformdruck auf Krisenländer

Werden die Zinsen künstlich abgesenkt, so verringert sich der Reformdruck auf Regierungen und Banken, ihre Haushalte beziehungsweise Bilanzen zu verbessern.

Hinzu kommt, dass in vielen Ländern nicht das fehlende Kreditangebot das Problem ist, sondern die maue Nachfrage der Unternehmen. „Die Störungen im Kreditzugang in den Krisenländern des Euroraums sind nicht auf einen Mangel an Zentralbankgeld zurückzuführen“, erklärte BVR-Vorstand Hofmann. Wichtig sei es, den Bankensektor in diesen Ländern umzubauen und die Bonität der Unternehmen zu verbessern. Erleichterungen sollten vorwiegend zielgerichtet zum Beispiel über nationale Förderbanken gewährt werden.

„Die Diskussion im EZB-Rat ist bemerkenswert, erkennt sie doch an, dass die jüngste Leitzinssenkung eben nicht den Effekt haben wird, den sie versprochen hat: die Kreditvergabe in den von der Staatsschuldenkrise betroffenen Staaten anzukurbeln“, sagte Gunter Dunkel, der Präsident des Bundesverbands Öffentlicher Banken (VÖB) und Vorstandschef der Nord-LB. Er hat große Zweifel daran, dass das Problem durch einen zielgerichteten LTRO gelöst werden kann. „Derzeit zahlen deutsche Sparer die Zeche.“

Die EZB hat ihren Leitzins Anfang November überraschend um einen Viertelpunkt auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt und damit für noch mehr billiges Geld im Finanzsystem gesorgt. Sparer erhalten für ihre Einlagen in der Folge weniger Guthabenzinsen. Viele Experten gehen davon aus, dass die EZB Anfang 2014 einen neuen Langfristkredit auflegen wird. Stefan Schneider, der Chef-Volkswirt der Deutschen Bank für Deutschland, rechnet damit allerdings erst, wenn es weitere schlechte Nachrichten gibt. „Es bedarf eigentlich noch einmal eines Schocks, bevor die EZB sich noch einmal rühren würde.“

Von

rtr

Kommentare (4)

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r-tiroch@t-online.de

27.11.2013, 17:59 Uhr

und seltsamerweise sind die LB´s auch alle pleite, nichtwahr? obwohl die Ministerpräsidenten stolz verkündeten, sie kämen sowas von gestärkt aus der krise die zum 20. mal beendet wurde.

Okmu

27.11.2013, 18:04 Uhr

"Es fehle nicht an günstigem Geld, sondern an Abnehmern in der Wirtschaft – bisher leide nur der Sparer."

Warum sollten Unternehmen auch investieren, bei sinkenden Masseneinkommen der Haushalte? Dem gegenüber stehen sinkenden Umsätzen, welche Investitionen unprofitabel machen. Wenn Haushalte und Staaten sparen, sparen auch Unternehmen. Wenn alle sparen, haben wir Deflation bald Depression wie in Griechenland. Und keiner will erkennen, dass Merkel die Deflationspolitik von Brüning wiederholt. Gute Nacht Deutschland.

DrvonWesthof

28.11.2013, 19:43 Uhr

Kritisch die wirtschaftswissenschaftliche Darstellung der heutigen Zeit. Wahr ist doch, dass 5% der Weltbevölkerung über ca. 90% des Gesamt-Vermögens verfügen.
Es geht doch heute in einem Umverteilungs-Krieg darum, die Gelder der Vermögenden auf Kosten der Steuerzahler zu schützen. Die Dumme Masse zahlt doch. Selbst die betrügerischen Zentralbanken können getrost darauf vertrauen, dass "ihre" Verluste von der Masse, dem sorry "Dummen Steuerzahler" übernommen wird. Fair wäre es die Emittenten von Junk-Bonds und die Anleihen von Pleitestaaten ausfallen zu lassen. Das verhindert die Gelmengenexplosion und sorgt dafür, dass sich der Vermögensunterschied von den Gigareichen zum Normalbürger wieder einnordet. Hören wir das von unseren Politikern? Da ich davon ausgehen muss, dass die nicht dümmer sind als wir, muss ich Vorsatz und Argwohn gegen die eigene Bevölkerung annehmen! Sehr schöne Statistiken habe ich neulich von einem Professor gesehen, der die Entwicklung vom US-amerikanischen Aktienindex und der Gelddruckmaschine FED (amerikanische Zentralbank) gegenüber gestellt hat. Ähnliches kenne ich nur von dem Buch Spielgeld - ein neues Wirtschaftssystem. Dieser Autor prangert das schon seit 2011 an.

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