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25.07.2012

15:28 Uhr

Finanzinstitute

Der Niedergang der deutschen Banken

VonTobias Döring

Der Gewinn der Deutschen Bank bricht ein, die Commerzbank sucht seit Jahren vergebens nach einer Strategie. Die beiden größten Kreditinstitute stehen symbolisch für den Niedergang der deutschen Bankenbranche.

Vorbereitung auf eine 1.-Mai-Demonstration in Berlin: Deutschlands Bankenbranche liegt darnieder. dpa

Vorbereitung auf eine 1.-Mai-Demonstration in Berlin: Deutschlands Bankenbranche liegt darnieder.

DüsseldorfKeine fünf Jahre ist es her, da waren Deutschlands Banken beliebt: Das Fundament der heimischen Wirtschaft. Kapitalstark, verlässlich, was Gewinne und Dividenden betraf, ein Traum für Aktionäre. Immerhin vier Kreditinstitute gehörten seinerzeit zum Club der größten deutschen Unternehmen, dem Deutschen Aktienindex (Dax). Deutsche Bank, Postbank, Commerzbank und der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate, kurz HRE.

Dazu die ehemaligen Dax-Mitglieder Hypovereinsbank und Dresdner Bank. Sie waren bei der italienischen Unicredit sowie dem Versicherungskonzern Allianz untergekommen – in sicheren Häfen also. Es war die späte Hochphase der deutschen Großbanken. Nur Wenige ahnten damals, dass eine Zeitenwende bevorstünde. Der Beginn einer Finanzkrise, wie sie die Menschen Jahrzehnte nicht mehr erlebt hatten.

Erwartungen verfehlt: Quartalsgewinn der Deutschen Bank bricht ein

Erwartungen verfehlt

Gewinn der Deutschen Bank bricht ein

Im zweiten Quartal liegt der Gewinn bei nur rund einer Milliarde Euro vor Steuern.

Die Deutsche Bank hatte für das Jahr 2007 noch einen Gewinn nach Steuern von gut 6,5 Milliarden Euro vermeldet – eine Steigerung um mehr als 450 Millionen Euro. Mit mehr als 1,9 Milliarden Euro Gewinn nach Steuern schloss die Commerzbank ihr Rekordjahr 2007 ab. Auch die Landesbanken präsentierten sich groß und stark. Auch wenn sich der Niedergang der WestLB bereits abzeichnete: die deutsche Bankenwelt schien in Ordnung.

Doch der Schein trog. Als am 15. September, weit entfernt in New York, die US-Investmentbank Lehman Brothers pleiteging, sollte nichts mehr so sein wie früher. Auch für die deutschen Banker nicht.

Die Geschichte der Hypo Real Estate (HRE) wird dabei gern erzählt, wenn es ums Scheitern geht. Als erstes deutsches Institut erhielt die HRE staatliche Garantiezusagen in dreistelliger Millionenhöhe. Ende 2008 flog die Bankenholding aus dem Dax, 2009 wurde sie verstaatlicht. Ende 2010 lagerte die HRE Risikokredite und Randgeschäfte im Wert von 175 Milliarden Euro in eine Bad Bank aus. Die HRE ist ein Milliardengrab – mit ungewissem Einebnungsdatum.

Die Bad Bank der Hypo Real Estate

Abwicklungsanstalt FMS

Die FMS Wertmanagement ist eine Abwicklungsanstalt, die die hochriskanten Giftpapiere der Krisenbank HRE als so genannte Bad Bank übernommen hat. Sie ist im Sommer 2010 gegründet worden, damit die verstaatlichte Immobilienbank Hypo Real Estate, die mittlerweile als Deutsche Pfandbriefbank auftritt, nach der Finanzkrise einen wirtschaftlichen Neubeginn starten konnte.

Die Aufgaben

Im Oktober 2010 lagerte die HRE Risikopapiere im Wert von 175 Milliarden Euro in die Bad Bank aus. Diese giftigen Papiere soll die FMS Wertmanagement in den kommenden zehn Jahren möglichst ohne größere Verluste wieder zu Geld machen. Die Abkürzung FMS steht für Finanzmarktstabilisierung.

Wer für Verluste zahlt

Für die Verluste der öffentlich-rechtlichen Abwicklungsanstalt kommt der staatliche Rettungsfonds Soffin auf, letztendlich also der Steuerzahler. Im ersten vollständigen Geschäftsjahr 2011 verhagelte die Griechenland-Krise das Ergebnis. Die Risikovorsorge für die Hellas-Papiere betrug 8,9 Milliarden Euro. Insgesamt steht ein Verlust von 9,97 Milliarden Euro zur Buche.

Personal

Die HRE-Bad-Bank beschäftigt der Bilanz zufolge 92 Mitarbeiter. Mitte des Jahres waren es noch rund 70 Mitarbeiter. Zudem greift die Abwicklungsanstalt je nach Bedarf auf externe Dienstleister zurück, die auch beratend tätig sind, und kooperiert mit Unternehmen der HRE-Gruppe.

Die Köpfe der FMS

Den Vorstand der FMS Wertmanagement teilen sich Christian Bluhm und Ernst-Albrecht Brockhaus. Bluhm war zuvor im Management der Bank Credit Suisse, Brockhaus kommt von der Bayerischen Landesbank, wo er auch für die Liquiditätsplanung und -sicherung der BayernLB zuständig war. Die FMS hat einen aus sechs Mitgliedern bestehenden Verwaltungsrat.

Die Postbank hat zwar keine Beerdigung hinter sich, aber auch die ehemalige Deutsche-Post-Tochter gehört längst nicht mehr zum „Who is Who“ der deutschen Unternehmen. Im Frühjahr 2009 stieg die Deutsche Bank ein und die Postbank wurde im deutschen Leitindex wenig später durch den höher kapitalisierten Gesundheitskonzern Fresenius ersetzt. Heute firmiert die Postbank nur noch als kleine Tochter der Deutschen Bank.

Kommentare (8)

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THHL

25.07.2012, 15:36 Uhr

Vor ca. 8 Jahren habe ich einige hundert Aktien von meiner lieben Oma geerbt und sofort bei 50+ vertickt.

Eine Entscheidung, die ich nicht bereue.

Aristoteles

25.07.2012, 15:48 Uhr

Angesichts dieses Artikels frage ich mich, was die jüngsten Attacken von SPD-Gabriel auf die Banken bewirken sollen ? Will er unseren Banken den Rest geben ? Operation geglückt, Patient tot.

Kritiker

25.07.2012, 15:55 Uhr

Das Fundament der deutschen Wirtschaft. Da bringt der Autor wohl etwas durcheinander. Abzocker und Schmarotzer sind das, nicht mehr und nicht weniger. Bitte zurückführen auf die Hauptaufgabe: Die REALWIRTSCHAFT mit Kapital versorgen. Dafür reichen aber nun mal wesentlich kleinere Bankhäuser, Super-Gehälter und Boni sind dann auch nicht mehr drin!!!

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