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03.08.2016

13:28 Uhr

Finanzinstitute

Sparkassen wollen eigene Marketingleiter „einfrieden“

VonMartin Dowideit

Die Sparkassen arbeiten an einer neuen Struktur. Diese soll helfen, Produkte schneller auf den Markt zu bringen. Individualisten müssen mit Einschränkungen rechnen – die unter Druck stehende Profitabilität soll steigen.

Sparkassen wollen auch junge Finanzfirmen kopieren, um mehr Erfolg zu haben. Imago

Sparkassen

Sparkassen wollen auch junge Finanzfirmen kopieren, um mehr Erfolg zu haben.

DüsseldorfDas Betriebsergebnis vor Steuern der 68 Sparkassen in der Region Westfalen-Lippe wird in diesem Jahr fast 1,2 Milliarden Euro betragen, prognostiziert Verbandspräsident Rolf Gerlach. Doch während die absolute Zahl glänzen mag – es wäre ein Rückgang um mehr als zehn Prozent. Und Gerlach sagt auch ganz offen: Im Verhältnis zur Bilanzsumme werden dies 0,95 Prozent sein und damit weniger als ein Prozent. Einen so schlechten Werte habe es im Gebiet des Sparkassenverbands Westfalen-Lippe (SVWL) zuletzt im Jahr 1972 gegeben.

Die Profitabilität der Sparkassen im ganzen Land steht unter Druck, nicht nur in Westfalen, einem von zwölf regionalen Sparkassen-Verbänden. Niedrigzinsen, hohe Ausgaben für Regulierung und der Vormarsch des Online-Bankings sind einige der Gründe dafür. Dabei feiern die Institute derzeit bei den Beständen an Firmen- und Privatkundendarlehen neue Rekorde.

Die profitabelsten und unprofitabelsten Sparkassen-Regionen 2016

Sparkassen-Verbände

Die mehr als 400 Sparkassen in Deutschland sind in 12 regionalen Verbänden organisiert. Eine viel beachtete Messgröße für die Profitabilität der Sparkassen ist das Betriebsergebnis vor Ergebnis im Verhältnis zur Bilanzsumme. Der Sparkassenverband Westfalen-Lippe hat über die erwarteten Gewinne im Jahr 2016 diverser Verbände informiert.

Platz 1

Ostdeutscher Sparkassenverband

Bilanzsumme 2015:
112 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
1,04 Prozent (Vorjahr: 1,15 Prozent)

Quelle: SVWL, OSV

Platz 2

Sparkassenverband Westfalen-Lippe

Bilanzsumme der Mitglieder 30.6.2016:
126 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,95 Prozent (Vorjahr: 1,08 Prozent)

Quelle: SVWL

Platz 3

Sparkassenverband Schleswig-Holstein

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
37,6 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,88 Prozent (2014: 0,89 Prozent)

Quelle: SVWL, SGVSH

Platz 4

Sparkassenverband Baden-Württemberg

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
178,6 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,84 Prozent (2015: 0,97 Prozent)

Quelle: SVWL, SVBW

Platz 5

Bayerischer Sparkassenverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
193 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,82 Prozent (2015: 0,95 Prozent)

Quelle: SVWL, SVB

Platz 11

Rheinischer Sparkassen- und Giroverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
154 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,69 Prozent

Quelle: SVWL, SVB

Platz 12

Hanseatischer Sparkassen- und Giroverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
54 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,65 Prozent

Quelle: SVWL, DSGV

Es müssten neue Ertragsfelder gefunden und die Effizienz gesteigert werden, sagt daher Jürgen Wannhoff, SVWL-Vizepräsident beim Pressegespräch in Düsseldorf. Deshalb steigen Kontoführungsgebühren und werden Filialen geschlossen. Gleichzeitig müsse laut Wannhoff die für Gemächlichkeit bekannte Sparkassen-Organisation „schneller werden“.

„Marketingleiter einfrieden“

Eine neue Struktur der Entscheidungsfindung soll zum 1. Januar 2017 in Kraft treten und schnelleres Handeln ermöglichen. Etwa soll die Produktentwicklung stärker zentral getrieben werden. „Wir müssen manchen stellvertretenden Marketingleiter einfrieden“, sagt Gerlach. Nicht mehr jede regionale Sparkasse solle ein eigenes „Prämiensparen Gold“ entwickeln.

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