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23.01.2007

15:45 Uhr

Finanzinvestor

KKR: Die Zähmung der „Barbaren“

VonTorsten Riecke und Michael Maisch

Finanzinvestoren sind die neuen Könige und die neuen Buhmänner der Weltwirtschaft in einem. KKR, die Nummer eins der Private-Equity-Firmen, will das Image des rauen Firmenjägers nun abstreifen. Das wäre besser fürs Geschäft – gerade in Deutschland.

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NEW YORK/LONDON. „Gier ist gesund.“ Mit diesem verbalen Kopfstoß schockt Gordon Gekko in dem legendären Film „Wall Street“ die Aktionäre der kleinen Firma Teldar Paper. Der Finanzhai, gespielt von Michael Douglas, will das Unternehmen kaufen, und er tritt auf als Advokat des Teufels. Gier nach Geld, nach Liebe, nach Wissen, sagt Gekko, sei doch die wichtigste Triebkraft für den menschlichen Fortschritt – und die Rettung für Teldar Paper.

Henry Kravis würde so etwas nie sagen. Er umschmeichelt seine Beute lieber: „Wir bei KKR glauben fest daran, dass man bei einer Firmenübernahme auf die Interessen aller Beteiligten wie Mitarbeiter, Kunden, Aktionäre und Nachbarn achten muss.“

Ist das noch derselbe Henry Kravis, dessen raue Geschäftsmethoden Regisseur Oliver Stone 1987 zum Hollywood-Knüller „Wall Street“ inspirierten? Nicht mehr ganz.

Lieber tritt der 63-jährige Finanzpionier Kravis, der seit über 30 Jahren Firmen jagt, heute geläutert auf. Denn auch die Nummer eins der Private-Equity-Branche – die von ihm mitgegründete und geführte Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts (KKR) – hat gelernt, dass ein schlechtes Image auch schlechtere Geschäfte bedeuten kann, zumal in Deutschland und in Europa. Seit kurzem gibt KKR sogar Beschäftigungsgarantien für übernommene Firmen ab und lobt die Mitbestimmung.

KKR kann sich eine Spur Milde auch leisten. 145 Firmen haben Henry Kravis & Co. seit der Gründung von KKR im Jahr 1976 übernommen. Das Unternehmen herrscht heute über 35 Unternehmen mit 540 000 Mitarbeitern – ein Imperium.

Finanzinvestoren sind die neuen Könige und die neuen Buhmänner der Weltwirtschaft in einem. Sie kaufen – meist mit geliehenem Geld – an der Börse unterbewertete Unternehmen, bürden ihnen den Schuldenberg auf, machen sie mit einer Rosskur fit und stoßen sie nach ein paar Jahren mit einem hohen Gewinn wieder ab. Renditen von 30 Prozent und mehr sind keine Seltenheit. An der Wall Street nennt man so etwas nüchtern „Leveraged Buy-out.

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