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11.01.2008

07:17 Uhr

Finanzkrise

Banken suchen verzweifelt Kapital

VonAndrea Cünnen und Torsten Riecke

Die Finanzkrise hat die US-Banken offenbar stärker in ihrer Substanz erschüttert als bislang bekannt. Milliardenabschreibungen zwingen die angeschlagenen Finanzinstitute, nach neuen Geldquellen zu suchen. Dabei scheint es oft nur einen Ausweg zu geben: Staatsfonds aus den reichen Ölländern und den aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens stehen bereit.

Arabische Investoren halten sich bereit. Foto: Reuters

Arabische Investoren halten sich bereit. Foto: Reuters

NEW YORK/FRANKFURT. Analysten rechnen damit, dass Citigroup und Merrill Lynch bei ihrer Bilanzvorlage kommende Woche weitere Abschreibungen in zweistelliger Milliardenhöhe vornehmen müssen: Beide Banken würden das letzte Quartal 2007 mit einem Verlust abschließen, heißt es. Um ihre bröckelnde Kapitalbasis zu stärken, suchen Citi und Merrill fieberhaft nach neuen Finanzquellen. Nach Informationen des "Wall Street Journals" bemühen sich beide Banken um weitere Kapitalspritzen von staatlichen Investitionsfonds aus dem Mittleren Osten und Asien.

Für Citi und Merrill wäre es die zweite Kapitalhilfe innerhalb weniger Wochen. Auch Morgan Stanley und die Schweizer UBS haben nach Verlusten im Geschäft mit Hypothekenprodukten auf Finanzhilfen ausländischer Staatsfonds zurückgegriffen. Der beinahe in Konkurs gegangene britische Baufinanzierer Northern Rock soll angeblich ebenfalls nach einem staatlichen Investor aus dem Mittleren Osten oder Asien Ausschau halten, hieß es gestern in der Londoner City. Die Fonds aus den reichen Ölländern und aus den aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens suchen nach günstigen Möglichkeiten, ihre riesigen Investitionsmittel gewinnbringend anzulegen.

Während Citigroup -Chef Vikram Pandit sich nach Angaben des "Wall Street Journals" um bis zu zehn Mrd. Dollar bemüht und dabei unter anderem mit dem Staatsfonds GIC aus Singapur spricht, soll sich Merrill-Boss John Thain in den Scheichtümern des Mittleren Ostens umsehen.

Bislang sind die Staatsfonds mit ihren Investments unter dem Radarschirm der Aufsichtsbehörden geblieben. Weitere Finanzhilfen könnten jedoch insbesondere im Wahljahr in Amerika das Misstrauen der Politiker wecken. So hat Christopher Cox, Chef der US-Börsenaufsicht SEC, bereits davor gewarnt, dass mit dem wachsenden Einfluss der Staatsfonds auch die Risiken für einen politischen Missbrauch wachsen könnten.

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