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23.01.2009

12:36 Uhr

Finanzkrise

BayernLB bastelt weiter an Vorstand herum

Die schlechten Nachrichten aus den Landesbanken reißen nicht ab. Die Bayerische Landesbank hat im vergangenen Jahr einen noch höheren Milliardenverlust als erwartet eingefahren – und die Landesbank Baden-Württemberg wird laut Medienbericht noch mehr Eigenkapital benötigen als gedacht. Eine Konsequenz: Die BayernLB baut ihren Vorstand um. Rudolf Hanisch muss gehen.

BayernLB-CEO Michael Kemmer mit gesenktem Kopf. Foto: Reuters Quelle: Reuters

BayernLB-CEO Michael Kemmer mit gesenktem Kopf. Foto: Reuters

HB MÜNCHEN/FRANKFURT. Bei der BayernLB geht es drunter und drüber. Erst verkündete Vorstandschef Michael Kemmer in der "Börsen-Zeitung", dass 2008 ein operativer Verlust von etwa fünf Milliarden Euro verbucht werden musste, jetzt baut die BayernLB auch noch ihren Vorstand weiter um. Der 62-jährige Rudolf Hanisch werde Ende April aus dem Gremium ausscheiden und in den Ruhestand gehen, teilte Deutschlands zweitgrößte Landesbank in München mit. Der Schritt sei ein „Bestandteil der Verjüngung und Neuausrichtung des Vorstandes im Zusammenhang mit der Restrukturierung und Neuordnung der Bank“, hieß es.

Die BayernLB ist in Deutschland eines der größten Opfer der Finanzkrise und muss für 2008 einen Verlust von fünf Milliarden Euro verkraften - deutlich mehr als zunächst erwartet. Vorstandschef Michael Kemmer sagte der „Börsen-Zeitung“, der höhere Verlust sei unter anderem durch weitere Belastungen bei Asset Backed Securities und durch die Entwicklung in Island zustande gekommen. Im Oktober hatte die Bank von drei Milliarden Jahresverlust gesprochen, im November hatte Kemmer angedeutet, dass die Landesbank noch tiefer in die roten Zahlen rutschen könnte. Die Bank wird vom Land Bayern mit zehn Milliarden Euro gestützt.

Der nun ausscheidende Hanisch gehört dem Vorstand seit 1999 an, seit 2005 ist er stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Verantwortlich war er unter anderem für den Immobilienbereich sowie das Geschäft mit ausländischen Banken. In bayerischen Regierungskreisen werden ihm die Verluste der BayernLB im Zusammenhang mit der Banken- und Staatskrise in Island angeheftet. Schon im Oktober, als BayernLB-Chef Michael Kemmer auf der Abschussliste stand, sich dann aber doch halten konnte, hieß es im Umfeld der Landesregierung, dafür müsse in absehbarer Zeit Hanisch gehen.

Auch aus dem Nachbarland Baden-Württemberg kommen schlechte Nachrichten. Die größte deutsche Landesbank LBBW braucht nach Einschätzung eines ihrer Anteilseigner unter Umständen mehr als die veranschlagten fünf Mrd. Euro frisches Eigenkapital. „Womöglich werden es mehr werden als die fünf Mrd. Euro“, sagte der Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) den „Stuttgarter Nachrichten“. Der Chef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Siegfried Jaschinski, habe intern eine Aufstockung des Eigenkapitals um acht Mrd. Euro verlangt. Ein LBBW-Sprecher widersprach am Donnerstag: „Es gibt keine Indikation, dass die fünf Mrd. Euro nicht ausreichen.“

Die Stadt Stuttgart ist neben dem Land und den Sparkassen in Baden-Württemberg sowie in Rheinland-Pfalz Eigentümer der LBBW. Jaschinski hatte den Eigenkapitalbedarf der Bank am vergangenen Wochenende erneut auf fünf Mrd. Euro beziffert. Ihre Eigenkapitalquote sei auf sechs Prozent zusammengeschmolzen; als konkurrenzfähig gelten in der Finanzkrise eher zehn Prozent. Der LBBW-Chef hatte eine Inanspruchnahme des Banken-Rettungsfonds SoFFin nicht ausgeschlossen. Eine Entscheidung über das Ausmaß der Kapitalerhöhung werde statt im Februar frühestens im März fallen, weil die LBBW mehr Zeit für die Prüfung ihrer Bücher brauche, hieß es in den „Stuttgarter Nachrichten“.

Dem Bericht zufolge hat die Landesbank im vergangenen Jahr rund zwei Mrd. Euro Verlust erlitten. Nach neun Monaten waren es vor Steuern fast 900 Mio. Euro. Ein Sprecher der Bank wollte die Zahl nicht kommentieren.

Eine Fusion der LBBW mit der noch stärker angeschlagenen bayerischen Landesbank lehnt Schuster ab. „Bei einer Fusion mit der BayernLB hätte (Sparkassenpräsident Heinrich) Haasis zwar ein Problem weniger, aber wir eines mehr“, sagte der CDU-Politiker der Zeitung. Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger, ebenfalls CDU, hatte am Donnerstag Berichten zufolge von „konkreten Gesprächen“ über einen Zusammenschluss gesprochen.

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