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22.01.2008

13:48 Uhr

Finanzkrise

Der Norden zittert

VonHelmut Steuer

Krise schien im Sprachschatz der skandinavischen Banken bislang ein Fremdwort zu sein. Doch im Sog der Subprime-Krise droht nun auch den, sonst so erfolgsverwöhnten, Nordeuropäern Gefahr. Experten sind sich einig: 2008 wird für die Finanzinstitute schwierig.

STOCKHOLM. Erfolgsverwöhnt sind sie, erfolgreich waren sie: Schwedische Banken zählten in den vergangenen Jahren zu den rentabelsten in Europa. Doch nun hat auch im hohen Norden das Zittern eingesetzt: Die Folgen der Subprime-Krise und die starke Ausrichtung schwedischer Banken ins Baltikum sind die Ursache. Wenige Wochen, bevor Handelsbanken, Nordea, Swedbank und die SEB ihre Zahlen für das vierte Quartal vorlegen, sieht man den einen oder anderen Analysten im Stockholmer Finanzzentrum rund um den Stureplan mit tiefen Sorgenfalten im Gesicht beim „Lunch“.

Es wird ein schwieriges Jahr 2008 für die erfolgsverwöhnten schwedischen Banken. Da sind sich die Experten einig, und es reicht ein Blick auf die Entwicklung der Aktienkurse der großen Vier im vergangenen Jahr, um das Ausmaß der Verunsicherung zu erkennen: Nordea mit einem Minus von 3,4 Prozent ist noch einigermaßen glimpflich davon gekommen, ebenso Handelsbanken mit minus vier Prozent. Doch SEB musste einen Kursfall von 29,2 Prozent einstecken, Swedbank gar von minus 34,9 Prozent.

SEB und vor allem Swedbank sind die führenden Banken in den baltischen Ländern Estland, Lettland und Litauen. Rund 40 Prozent des Gewinns von Swedbank stammte in den vergangenen zwei Jahren aus dem Baltikum, wo die Bank mit ihrer Hansabank Marktführer ist. Doch während das Geschäft dort während der Boomphase satte Gewinne nach Stockholm in die Hauptzentralen gespült hat, leiden beide Institute jetzt unter der schwierigen wirtschaftlichen Situation vor allem in Lettland. Dort sind die Löhne im vergangenen Jahr um rund 30 Prozent gestiegen, eine rekordhohe Inflation ist die Folge. Zudem beunruhigt Anleger die zu hohen Leistungsbilanzdefizite – vor allem in Lettland (-22 Prozent des Bruttoinlandsprodukts) und Litauen (-14 Prozent). Hinzu kommt eine allzu großzügige Kreditvergabe. Die Sorgen sind zuletzt gewachsen, dass beide Banken kräftig abschreiben müssen. „Das Problem ist, dass die einstige Wachstumsregion Baltikum möglicherweise gar nicht wachsen wird“, sagt Fredrik Gutenberg, Analyst bei Cheuvreux in Stockholm.

Ansonsten sind die nordeuropäischen Banken mehr oder weniger unverschuldet in die Subprime-Krise geraten. Sie haben sich kaum oder gar nicht auf dem Hypothekenmarkt in den USA engagiert; dennoch bekommen sie Probleme, weil die Zinsen auf dem Interbankenmarkt zuletzt kräftig gestiegen sind. „Das wird sich auf die Ergebnisse der Banken negativ auswirken“, sagt Standard & Poors-Analyst Mats Anderson.

Größere Strukturgeschäfte sind im vergangenen Jahr ausgeblieben. Nur die norwegische Großbank DnB kaufte sich 2007 in den schwedischen Markt ein und übernahm den Versicherer Saluansvar, den Immobilienmakler Svensk Fastighetsförmedling sowie die Skandiabanken Bilfinans.

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