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22.01.2008

13:33 Uhr

Finanzkrise

Entlassungen bleiben in Deutschland vorerst die Ausnahme

In der Bundesrepublik hat die Subprime-Krise keine ähnlichen Auswirkungen wie in den USA – zumindest, was den Arbeitsmarkt betrifft. Denn anders als in der US-Finanzbranche rechnen Experten hierzulande sogar mit einem kleinen Stellenzuwachs, da die Banken Experten für Vermögensverwaltung suchen.

FRANKFURT. In Deutschland wird es nach Einschätzung von Experten wegen der Finanzkrise nicht zu einem flächendeckenden Stellenabbau bei den Banken kommen. Entlassungen bei der angeschlagenen WestLB von bis zu 2 000 Menschen werden bislang als Ausnahme angesehen.

„Wir werden in den von der Krise stark betroffenen Bereichen Stellenabbau bekommen“, sagte Peter Hannemann Geschäftsführer bei der Stephan Unternehmensberatung. Dazu gehörten etwa auf strukturierte Kreditprodukte spezialisierte Abteilungen. „Nach heutigem Stand würde ich für das Jahr 2008 trotz allem mit einer Nettozunahme an Stellen auf dem deutschen Markt rechnen.“ Vor allem in der Vermögensverwaltung finde ein massiver Aufbau von Stellen statt. Konkrete Zahlen für die Branche gibt es nur für Ende 2006. Damals arbeiteten 681 300 Menschen im deutschen Kreditgewerbe, 2005 waren es nach Daten des Arbeitgeberverbandes AGV noch 693 050.

Die Finanzmarktkrise hat in den USA und bei einigen europäischen Instituten bereits zu massiven Stellenstreichungen geführt. Deutsche Institute scheinen dagegen weiterhin eher Personal einzustellen, wenn auch langsamer als Anfang des Jahres geplant. Branchenprimus Deutsche Bank wollte 2007 die Zahl der Beschäftigten weltweit von rund 64 000 auf 80 000 steigern, wird diese Marke wegen der Krise allerdings verfehlen. Im Inland stieg die Zahl der Stellen bis Ende September aber um sechs Prozent auf 27 800. Zuletzt strich das Institut 270 Stellen im Londoner Investment-Banking. Gleichzeitig sollen boomende Sektoren wie der Rohstoffhandel personell aufgestockt werden. Die Commerzbank beschäftigte in Deutschland bis September 2007 mit rund 27 000 Menschen ungefähr so viele wie im Vorjahr. Sie baute zuletzt in den Filialen Stellen auf und kündigte die Einstellung von 150 Beratern für Altersvorsorgethemen an.

Bei den Landesbanken gibt man sich derzeit gelassen. Die NordLB und Landesbank Berlin (LBB) sehen sich nur indirekt von der Krise tangiert und planen daher auch keinen Stellenabbau.

Die NordLB hat ein vor zwei Jahren gestartetes Kürzungsprogramm gerade erst abgeschlossen. Ähnliches gilt für die LBB, die eine jahrelange Sanierung hinter sich hat. Die HSH denkt auch nicht über einen Beschäftigungsabbau nach – im Bereich Energie und Private Banking sind sogar moderate Einstellungen geplant. Bei der SachsenLB hat der neue Eigner, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) angedeutet, den Beschäftigungsumfang in Leipzig zu erhalten. Ob der Ableger in Dublin mit 50 Stellen erhalten bleibt, ist offen. Die Sparte hatte die Bank mit Spekulationen am US-Hypothekenmarkt an den Rand des Ruins gebracht.

Spannend wird die Entwicklung bei der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP), die enger an die Mutter LBBW gebunden wird. Per saldo wird die Zahl der Beschäftigten wohl abnehmen. 2007 hatte die LRP etwa bei Immobilienfinanzierungen aufgestockt und im Investment-Banking abgebaut, die Beschäftigtenzahl stieg per Saldo um 60 auf 1 595. Die BayernLB erwartet gegen den Trend im öffentlich-rechtlichen Lager eine leichte Zunahme auf Konzernebene. Davon werde weniger das Stammhaus profitieren, der Zuwachs finde eher bei der Direktbank DKB und den Auslandstöchtern der BayernLB statt, heißt es.

Die genossenschaftliche DZ Bank hat 2007 rund 250 neue Mitarbeiter eingestellt. Die meisten neuen Stellen entstanden im Investment-Banking. Wie bei der Commerzbank fanden hier Teams von der WestLB Unterschlupf. Die DZ Bank will 2008 weiter selektiv Stellen aufbauen.

Von Nicole Bastian, Rolf Benders, Sonia Shinde, Peter Köhler und Frank M. Dorst

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