Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.01.2008

22:19 Uhr

Finanzkrise

Investmentbanken in der Klemme

VonMichael Maisch

Die Subprime-Krise mögen die meisten europäischen Großbanken bislang mit überschaubaren Schäden überstanden haben. Aber Analysten fürchten, dass den Geldhäusern die wirkliche Herausforderung noch bevorsteht: eine empfindliche Abkühlung im Investment-Banking, das in den vergangenen Jahren für sprudelnde Einnahmen sorgte.

Für Josef Ackermann und seine Deutsche Bank könnten die Nachwirkungen der Subprime-Krise noch schwer verdaulich werden. Foto: dpa Quelle: dpa

Für Josef Ackermann und seine Deutsche Bank könnten die Nachwirkungen der Subprime-Krise noch schwer verdaulich werden. Foto: dpa

LONDON. Bis auf die Schweizer UBS, die knapp 14 Mrd. Dollar abschreiben musste und damit in die Gruppe der am härtesten getroffenen US-Häuser wie Citigroup und Merrill Lynch vorstößt, halten sich die Subprime-Schäden bei den übrigen europäischen Großbanken bislang in Grenzen. Die Deutsche Bank musste 3,2 Mrd. Dollar abschreiben, die Royal Bank of Scotland 2,5 Mrd. Dollar, und Credit Suisse kam mit zwei Mrd. Dollar noch glimpflicher davon.

Trotz dieser vergleichsweise guten Bilanz raten Citigroup und Société Générale zum Verkauf von Aktien europäischer Investmentbanken, weil sie einen Einbruch der Einnahmen quer durch die Geschäftsbereiche befürchten. Beim gestrigen Ausverkauf an den Börsen gerieten auch die europäischen Großbanken noch einmal massiv unter Druck. Der Stoxx-Branchenindex für Banken fiel um knapp sieben Prozent.

„Bislang sind alle auf die Abschreibungen fixiert, aber das größte Problem, mit dem die kapitalmarktorientierten Banken 2008 zu kämpfen haben, wird der Rückgang der Einnahmen sein“, warnt Analyst Chris Wheeler von Bear Stearns.

Er befürchtet vor allem einen empfindlichen Einbruch im Anleihegeschäft. Die Platzierung von komplexen Kreditinstrumenten wie Collateralized Debt Obligations, die im Zentrum der Krise an den Kapitalmärkten stehen, fiel bereits 2007 um 21 Prozent. Strukturierte Finanzierungen, ebenfalls ein Wachstumsmotor der vergangenen Jahre, sackten den Daten des Informationsdienstes Dealogic zufolge um 24 Prozent ab. Insgesamt fiel das Volumen im weltweitenAnleihegeschäft trotz der noch im ersten Halbjahr erzielten Rekorde um acht Prozent. Aber die Verwerfungen an den Kreditmärkten drohen auch auf andere bislang lukrative Geschäftsbereiche durchzuschlagen. Weil sich die Banken bei der Finanzierung großer Übernahmen stärker zurückhalten müssten, sei 2008 mit der Beratung von Übernahmen deutlich weniger zu verdienen, warnt Analyst Wheeler. Auch diese Entwicklung deutete sich bereits an. In den zweiten sechs Monaten 2007 brach das Übernahmegeschäft im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 20 Prozent ein. Glaubt man den Skeptikern unter den Bankern, dann könnte 2008 auch im bislang florierenden Handelsgeschäft für Ernüchterung sorgen. „2008 dürfte die Volatilität an den Märkten sinken und damit auch unsere Erträge“, warnt der Handelschef einer Londoner Investmentbank.

Angesichts dieser Gemengelage wächst das Misstrauen gegenüber dem Bankensektor. Zuletzt warnte die Ratingagentur Standard & Poor’s, dass sich die Probleme der Branche bis ins Jahr 2009 hineinziehen dürften. Die Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group glaubt sogar, dass die aktuelle Krise die Geschäftsmodelle der Investmentbanken „auf den Prüfstand stellt“. Die Daten, die BCG für das dritte Quartal 2007 zusammengetragen hat, zeigen, wie radikal der Ausbruch der Kreditkrise die Lage verändert hat. Nach den Rekorden im ersten Halbjahr brachen die Einnahmen von Juli bis September um knapp 60 Prozent ein, gleichzeitig verschlechterte sich die Gewinnmarge vor Steuern um 37 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×