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30.12.2011

09:44 Uhr

Finanzlasten günstig abzugeben

Griechische Banken kämpfen um ihr Überleben

VonGerd Höhler

Die griechischen Banken suchen händeringend nach Wegen, neues Geld aufzunehmen. Dafür trennen sie sich nun großspurig von Auslandsbeteiligungen. Ansonsten könnten sie die nötigen Milliarden kaum einspielen.

Eine Filiale der „Emporiki-Bank“ in Athen. dapd

Eine Filiale der „Emporiki-Bank“ in Athen.

AthenDer bevorstehende Schuldenschnitt und wachsende Kreditausfälle zehren an der Kapitalbasis der griechischen Banken. Ohne Staatshilfe dürfte kaum ein Institut über die Runden kommen. Um den Einfluss des Staats möglichst gering zu halten, planen die Banken jetzt den Verkauf von Vermögenswerten. Dazu gehören vor allem Beteiligungen im Ausland.

32,1 Milliarden Euro hat das griechische Finanzministerium im Haushalt 2012 für die Rekapitalisierung des Bankensektors zurückgestellt. Das geht aus einem gestern in Athen bekanntgewordenen internen Schreiben von Vize-Finanzminister Philippos Sachinidis hervor. Wie viel frisches Kapital die griechischen Geschäftsbanken im kommenden Jahr benötigen und in welchem Umfang sie auf staatliche Finanzspritzen angewiesen sein werden, ist allerdings noch unklar.

Das hängt vor allem von den Konditionen des Schuldenschnitts (PSI+) ab, über den die griechische Regierung derzeit mit den privaten Gläubigern verhandelt. Nach Angaben der Athener Regierung steht schon bald eine Einigung bevor. „Ich denke, dass es bald eine Übereinkunft geben wird. Ich gehe davon aus, dass dabei keine Probleme auftreten werden“, sagte Regierungssprecher Pantelis Kapsis dem Radiosender Real News am Donnerstag.

Was ist eine Kernkapitalquote?

Für Europas Banken ...

... dreht sich alles um einen finanztechnischen Begriff, die Kernkapitalquote (englisch: „Tier“). Für den letzten Stresstest forderte die europäische Bankenaufsicht EBA mindestens neun Prozent hartes Kernkapital von Europas Banken: Bis Ende Juni 2012 mussten die Institute diesen Wert erreichen. In dem Test ermittelten die Aufseher, wie groß die Kapitallücke der Geldhäuser bei einer Bewertung der von ihnen gehaltenen Staatsanleihen zu Marktpreisen ist.

Die Kennzahl wird berechnet, ...

... indem man das Kernkapital (damit ist das unmittelbar haftende Eigenkapital gemeint) durch die Summe der Risikoposten (etwa Kredite und Wertpapiere) teilt. Die Kernkapitalquote sagt also aus, inwieweit die Risikopositionen durch eigene Mittel gedeckt sind, sprich wie dick der Risikopuffer der Bank ist. Die Kernkapitalquote gilt darum als wichtige Zahl, um Stabilität und Stärke einer Bank zu beurteilen. Wer mehr Kernkapital hat, kann Verluste besser abfedern.

Beim letzten großen Stresstest ...

... im Sommer 2011 hatten die EU-Aufseher als Untergrenze fünf Prozent hartes Kernkapital von Europas Banken gefordert. Dabei hatte die EU-Bankenaufsicht EBA strengere Maßstäbe angelegt als beim Test 2010: Es wurden bereits die engeren Eigenkapitalregeln nach den neuen Bankenregeln („Basel III“) berücksichtigt, obwohl diese erst von 2013 an gelten.

Die Aufseher ...

... gingen in dem damaligen Test von einer harten Kernkapitalquote aus („Core Tier 1“). Diese umfasst gezeichnetes Kapital und Rücklagen, nicht aber die bei deutschen Landesbanken üblichen Stillen Einlagen und auch kein sogenanntes hybrides Kapital (Zwischenformen von Schulden und Eigenkapital).

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor sind die drohenden Verluste im Kreditgeschäft. Der Finanzdienstleister Blackrock klopft jetzt im Auftrag der griechischen Zentralbank die Kreditbücher der Geschäftsbanken auf Risiken ab. Nach inoffiziellen Angaben aus Bankenkreisen liegt die Quote der nicht mehr bedienten Darlehen im Branchendurchschnitt bereits bei 13 Prozent. Das entspräche einer Kreditsumme von 32 Milliarden Euro. Davon ist bisher erst ein Teil durch Rückstellungen gedeckt. Blackrock will der Bank of Greece in den nächsten Tagen seinen Bericht vorlegen. Dann wird man klarer sehen.

Der geplante Schuldenschnitt, bei dem die privaten Gläubiger auf 50 Prozent ihrer Forderung verzichten sollen, könnte die griechischen Banken nach Branchenschätzungen mit etwa 23 Milliarden Euro belasten. Davon sind 5,5 Milliarden bereits im zweiten und dritten Quartal 2011 bilanziert. Wie hoch der Restbetrag ausfällt, hängt von der Höhe der Barzahlungen sowie vom Kupon und den Laufzeiten der neuen Wertpapiere ab, die der Staat den Banken im Tausch für die alten Bonds anbietet. Darum wird in den Verhandlungen derzeit gerungen.

Die Lage der griechischen Banken ist nicht nur wegen der großen Bestände staatlicher Schrottpapiere schwierig. Während die Europäische Bankenaufsicht Eba von den Geschäftsbanken bis Mitte 2012 eine Kernkapitalquote (Tier 1) von neun Prozent verlangt, müssen die griechischen Institute eine Quote von zehn Prozent vorweisen. Das gehört zu den Auflagen der EU, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB).

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

30.12.2011, 09:55 Uhr

Und überall werden mit Steuermilliarden Banken subventioniert. Vielleicht sollten gerade die Griechen mal anfangen, die Reichen zu besteuern.

Dann haben sie Geld im Überfluss.

Das gilt für Deutschland natürlich auch.

Account gelöscht!

30.12.2011, 10:02 Uhr

nette Stammtischparole ohne tieferen Sinn.

Staatsschulden sind ein Ausgabeproblem, sofern das Inkasso funkioniert...(was in Griechenland nicht der Fall war)

Zur Verdeutlichung: Sie können noch so viel verdienen wie sie wollen, wenn ihre Frau/Partner einfach alles rauswirft, kommen sie auf keinen Grünen Zweig.
(Siehe AlBundy: 'Du brauchst einen Gute Nacht Job' - Na wohl kaum!)

Maat

30.12.2011, 10:27 Uhr

Letztlich ist es egal:

Jahrelang auf Pump gekauft (Griechen), wir haben produziert und die jetzt wertlosen Darlehen vergeben (Deutsche). Alle haben mitgemacht: Politik, Industrie und Banken.

"Schwarzer Peter" hilft jetzt nicht mehr.

Ohne Wachstum gibt es einen grandiosen Verteilungskampf.

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