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07.01.2011

08:07 Uhr

Finanzsektor

Iren liebäugeln mit neuer Bad Bank

VonMichael Maisch

Die angeschlagenen irischen Banken könnten bald nicht nur faule, sondern auch gesunde Kredite und ganze Geschäftsbereiche beim Staat abladen. Diese Möglichkeit brachte der Chef der irischen Finanzaufsicht Matthew Elderfield in einem Interview mit der Zeitung „Irish Independent“ ins Spiel. Wie Irland versucht, seinen Finanzsektor zu restrukturieren.

Eine zweite staatliche Auffanggesellschaft in Irland könnte auch gesunde Aktiva übernehmen. Quelle: dpa

Eine zweite staatliche Auffanggesellschaft in Irland könnte auch gesunde Aktiva übernehmen.

LONDON. Eine der Bedingungen für das 85 Milliarden Euro schwere Hilfspaket von EU und Internationalem Währungsfonds für Irland ist eine tiefgreifende Restrukturierung des Finanzsektors. Die irischen Banken, die im Zentrum der Wirtschaftskrise der Insel stehen, sollen ihre Bilanzen deutlich verschlanken und sich deshalb von umfangreichen Kreditpaketen oder Geschäftsbereichen wie Auslandsniederlassungen trennen.

Dafür gebe es zwei Möglichkeiten, sagte Elderfield. Man könne versuchen, die Vermögenswerte zu verkaufen, müsse dabei aber aller Voraussicht nach große Abschläge in Kauf nehmen. Oder Irland entscheide sich für eine staatliche Auffanglösung, für ein Institut, das die Vermögenswerte der Banken solange verwalte, bis man sie mit Profit verkaufen könne. Eine solche zweite Bad Bank würde nicht nur riskante, sondern auch gesunde Aktiva übernehmen.

Mit der National Asset Management Agency (Nama) hat Irland bereits eine staatliche Bad Bank gegründet, die den Banken ausschließlich faule Kredite abnimmt. Von den fünf größten Krisenbanken hat die Nama bislang 11 000 Immobilienkredite mit einen Nominalwert von 71,2 Milliarden Euro erworben - knapp 45 Prozent der irischen Wirtschaftsleistung.

Als die Iren 2009 die Bad Bank gründeten, heimsten sie für ihr entschlossenes Vorgehen gegen die Finanzkrise noch internationales Lob ein. Inzwischen ist die Nama aber Teil der Misere. Weil die Bad Bank den Instituten die faulen Kredite nur mit massiven Abschlägen abnimmt, wurden die Geldhäuser immer wieder zu hohen Abschreibungen gezwungen, die tiefe Löcher in das Eigenkapital rissen.

Kommentare (1)

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Peter

07.01.2011, 10:11 Uhr

"Oder irland entscheide sich für eine staatliche Auffanglösung, für ein institut, das die Vermögenswerte der banken solange verwalte, bis man sie mit Profit verkaufen könne."
Kaum zu fassen. Es ist immer der gleiche Trick, mit dem man dem Steuerzahler die Übernahme der Lasten schmackhaft machen will. Aufgeblasene Vermögenswerte sollen irgendwann mit Profit verkauft werden?
Der Steuerzahler soll das erst mal abnicken. Dann sitzt er in der Falle, und es geht nur noch darum, die Verluste in homöopathische Dosen zu zerlegen, um ihr ganzes Ausmaß zu verschleiern.
ist doch bei der HRE nicht anders.

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