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21.01.2014

13:04 Uhr

Finanzstabilität

Bundesbank-Vorstand kritisiert Trennbanksystem

Als Lehre aus der Finanzkrise sollen Banken ihre Zockerei vom klassischen Bankgeschäft abtrennen. So sollen Sparer geschützt und das Finanzsystem stabilisiert werden. Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret übt Kritik.

Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret glaubt nicht, dass ein Trennbankensystem Finanzstabilität garantiert. Reuters

Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret glaubt nicht, dass ein Trennbankensystem Finanzstabilität garantiert.

Frankfurt/MainDie Deutsche Bundesbank steht der Abtrennung des riskanten Investmentbankings vom klassischen Bankgeschäft kritisch gegenüber. „Ich bezweifle, dass die Aufspaltung von Banken die Institute sicher genug machen würden, und ich bezweifle, dass ein Trennbankensystem garantieren würde, dass die Institute pleitegehen könnten, ohne das System zu beschädigen“, sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret am Dienstag auf einer Tagung zum Trennbankensystem am „Institute for Law and Finance“ der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Um Banken sicherer zu machen, seien eine angemessene Kapital-und Liquiditätsausstattung und ein glaubwürdiges Abwicklungsregime mindestens ebenso wichtig.

Finanzstabilität könne nicht erreicht werden, solange Banken zu groß, zu komplex und zu sehr miteinander verbunden seien, sagte Dombret. Nach seiner Überzeugung würde eine Abspaltung riskanter Handelsgeschäfte zum Schutz der Kundeneinlagen aber gerade dazu führen, dass das Bankensystem noch stärker verflochten wäre: „Lehman Brothers war eine reine Investmentbank, doch als sie 2008 pleiteging, hat sie das ganze Finanzsystem an den Rand des Kollaps' gebracht - weil sie so sehr mit anderen Häuser verflochten war.“ Zudem sehe er das Problem, dass die Bankentrennung dazu führen könne, dass die Häuser ihre riskanten Geschäfte vermehrt in Schattenbanken auslagern - was die Kontrolle durch die Bankenaufsicht erschweren würde.

Größte Investmentbanken in Deutschland (1. Halbjahr 2013)

Deutsche Bank

Der deutsche Marktführer hat im ersten Halbjahr Einkünfte in Höhe von 209 Millionen Dollar verzeichnet, das bedeutete einen Marktanteil von 17,5 Prozent.

Goldman Sachs

Mit 104 Millionen Dollar Einnahmen erzielte die einstige Krisenbank im ersten Halbjahr einen Marktanteil von 8,7 Prozent.

JP Morgan

Die amerikanische Bank liegt auf Platz 3 des Halbjahresrankings 2013. Grund dafür sind die Einkünfte von 93 Millionen Dollar und der Marktanteil von 7,8 Prozent.

Morgan Stanley

Auf Platz 4 mit einem Marktanteil von 5,6 Prozent liegt Morgan Stanley. Die Bank verzeichnete im ersten Halbjahr 2013 Einkünfte in Höhe von 67 Millionen Dollar.

UniCredit

Die italienische Holding hat in den ersten zwei Quartalen 59 Millionen Dollar Einnahmen verzeichnet und erreichte einen Marktanteil von 4,9 Prozent.

HSBC

Die Holding liegt mit den Einkünften von 56 Millionen Dollar auf Platz 6 des Rankings und erreicht einen Marktanteil von 4,7 Prozent.

Citi

Die Citibank hat mit Einkünften in Höhe von 55 Millionen Dollar im ersten Halbjahr 2013 einen Marktanteil von 4,6 Prozent erreicht.

Bank of America Merrill Lynch

Die Investment-Bank landet mit den Einkünften von 51 Millionen Dollar auf Platz 8 des Rankings. Die Bank of America erreicht damit einen Marktanteil von 4,3 Prozent.

Commerzbank Group

4,2 Prozent Marktanteil – das reicht nur für Platz 9 der größten Banken. Die Commerzbank erzielte im ersten Halbjahr 2013 Einkünfte in Höhe von 50 Millionen Dollar.

Credit Suisse

Die Schweizer Bank rutscht mit 3,2 Prozent Marktanteil und 38 Millionen Dollar Einnahmen gerade noch in die Top 10 der größten Banken hinein.

Quelle: Dealogic

Auch die von den Befürwortern eines Trennbankensystems unterstellte größere Sicherheit des klassischen Bankgeschäfts gegenüber dem Investmentbanking ist nach Dombrets Überzeugung keineswegs gesichert: „Wir müssen zugeben, dass einige reine Geschäftsbanken im Zentrum der jüngsten Krise standen: Washington Mutual, Countrywide, Hypo Real Estate und die spanischen Sparkassen, um nur einige zu nennen.“ In Deutschland hatte der Bundestag bereits im vergangenen Mai ein Gesetzespaket beschlossen, nach dem vor allem größere Institute zum Schutz der Kundeneinlagen riskante Handelsgeschäfte vom klassischen Bankgeschäft abtrennen müssen. Banken haben bis Mitte 2015 Zeit, solche Geschäfte zu identifizieren.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

21.01.2014, 17:55 Uhr

Recht hat der Mann mit einem Trennbankensystem hätte man in Deutschland noch wessentlich mehr Banken via soffin retten müsen.
Ausser unser lieben Commerzbank und der HypoReal Estate usw. war übrings fast genauso teuer wie den Griechen und Co zuhelfen.

Dadurch das die Leute in der BRD nichts von Geldanlegen verstehen insbesondere die Älteren und ihr Erspartes auf Spar- und Tagesgeld-Konten vergammeln lassen. Haben die Banken in Deutschland immer eine sichere Liquiditätsreserve auf die sie zurückgreifen können.

Wenn man ein Trennbankensystem hat dann gründet man halt einen Konzern
oder ein Holding und schon sind Private Banking und Investment Banking
wieder unter einem Dach vereint.

Mazi

24.01.2014, 16:55 Uhr

"„Ich bezweifle, dass die Aufspaltung von Banken die Institute sicher genug machen würden, und ich bezweifle, dass ein Trennbankensystem garantieren würde, dass die Institute pleitegehen könnten, ohne das System zu beschädigen“, sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret am Dienstag auf einer Tagung zum Trennbankensystem am „Institute for Law and Finance“ der Goethe-Universität in Frankfurt am Main."

Möglicherweise wurde er auch falsch verstanden.

Es ist doch selbstverständlich, dass sich der Mann Sorgen macht. Das ist sein Job.

EU und IWF haben die Kanonen scharf gemacht und alles vorbereitet die Sparer, die Bankgläubiger zur Kasse zu bitten. Käme das Trennbankensystem, wären die Sparer bei den kommerziellen Banken.

Nun sage mir einer wie dann die Investmentbanken gerettet werden könnten?

Auch das Thema ESM wäre durch. Es ist nicht vorstellbar einen ESM politisch am Leben zu erhalten, wenn man den kleinen Sparer klar macht, dass diese zugegebene Ungerechtigkeit nur zu deren Schutz aufgebaut wurde.

Hätten wir das Trennbankensystem, wie sollten dann die Politiker die Kastration der Sparer rechtfertigen können, ohne selbst mit Prügel bedroht zu werden?

Kurz:
Der Mann musste vor der Kulisse so reden!

Das hat nichts damit zu tun, dass er Schwachsinn geredet hat. Nur allzuoft kann er sich das auch nicht mehr erlauben. Sonst muss er Asmussen folgen und sich mit 18.000 € monatlich für die Familie entscheiden.

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