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20.04.2012

23:57 Uhr

Finanzstabilitätsrat

Bankenaufseher nehmen regionale Banken ins Visier

Bei den Bemühungen des internationalen Finanzstabilitätsrats geht es nicht mehr nur darum, eine erneute globale Wirtschaftskrise zu verhindern. Neben Großbanken sollen auch regionale Banken stärker überwacht werden.

Die Bankenaufsicht soll nicht nur auf Großbanken schauen. dpa

Die Bankenaufsicht soll nicht nur auf Großbanken schauen.

FrankfurtDie Finanzaufsicht BaFin und die Bundesbank sollen bei der Überwachung der großen deutschen Banken relativ freie Hand bekommen. Das geht aus einem Fortschrittsbericht des Finanzstabilitätsrats (FSB) an den Gipfel der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) vom Freitagabend hervor.

Die Aufseher wollen neben den weltweit größten Banken auch jene regionalen Institute enger an die Kandare nehmen, deren Pleite „nur“ das Finanzsystem des jeweiligen Landes ins Wanken bringen könnte - sogenannte national systemrelevante Banken (D-SIB). Die Aufseher wollen sie so wetterfest machen, dass sie in der Krise nicht mehr mit Steuergeld gerettet werden müssen, weil das im nationalen Interesse liegt.

In Deutschland dürfte laut Aufsichtskreisen zu dieser Gruppe mehr als ein Dutzend Banken gehören, als global systemrelevant (G-SIB) werden derzeit nur die Deutsche Bank und die Commerzbank eingestuft.

Die Regeln für D-SIBs sollen im FSB - einem Beratungsgremium von Notenbankern und Aufsehern aus aller Welt - im Herbst fertig sein und im November von den G20 verabschiedet werden.

Die nationalen Aufsichtsbehörden könnten am besten beurteilen, welche ihrer Banken systemrelevant seien, heißt es in dem Bericht des FSB, der vom kanadischen Notenbanker Mark Carney geführt wird. Die internationalen Aufseher wollen nur ein Auge darauf haben, dass die Regeln nicht so stark voneinander abweichen, dass sie den Wettbewerb verzerren würden. Richtlinien sollen das sicherstellen.

„Die Prinzipien erlauben angemessene nationale Unterschiede, um die Regeln an die charakteristischen Strukturen des heimischen Finanzsystems anzupassen“, schreibt der FSB. Mit Rücksicht darauf könnten die nationalen Behörden an ihre D-SIBs auch höhere Eigenkapital-Anforderungen stellen, als sie nach dem neuen Regelwerk Basel III an alle Banken gestellt werden.

Umstritten ist aber noch, wie hoch diese Kapitalzuschläge sein könnten. Die Frage sei, ob D-SIBs höhere Quoten auferlegt werden könnten als den kleinsten der global systemrelevanten Banken, von denen die Aufseher ab 2016 ein Kapitalpolster von mindestens acht Prozent verlangen wollen, sagte ein Teilnehmer der Verhandlungen.

Die deutschen Aufseher haben klargemacht, dass sie eine strengere Aufsicht für die großen Regionalbanken für sinnvoller hielten als weitere Kapitalzuschläge. „Die Richtlinien für G-SIBs und D-SIBs müssen zusammenpassen“, heißt es in dem FSB-Papier nur - insbesondere, weil Auslandstöchter von global systemrelevanten Banken in dem jeweiligen Land auch national systemrelevant sein könnten.

Bis zum Jahresende will der FSB auch Empfehlungen für den Umgang mit den sogenannten Schattenbanken vorlegen. Das sind große Kapitalsammelstellen, die keine Banken sind, die durch ihre große Durchschlagskraft aber auch ganze Märkte ins Wanken bringen können. Dazu zählen unter anderem Geldmarktfonds.

Die Definition der Schattenbanken ist aber noch umstritten, zudem sind viele für die Aufseher schwer greifbar. Ein Ansatzpunkt für den FSB ist eine schärfere Kontrolle der Transaktionen zwischen Banken und Schattenbanken.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

21.04.2012, 01:18 Uhr

Ein Ansatzpunkt wäre auch der Bundesrat. Eine unkoordiniert Bundespolitik ist nicht zeitgemä

Account gelöscht!

21.04.2012, 07:46 Uhr

Die Definition der Schattenbanken ist umstritten? Was damit gemeint ist, können die vermeintlichen Fachleute in der FSB bei Volkswirten nachlesen: Es sind die financial intermediaries. Bereits vor 50 Jahren befaßte man sich in den USA mit dem Thema - siehe z. B. hier: http://www.jstor.org/discover/10.2307/1823879?uid=3737864&uid=2&uid=4&sid=21100733830071 .

Erstaunlich ist es, daß das Thema über Jahrzehnte hinweg schlicht von der Politik ignoriert wurde.

Mazi

23.04.2012, 21:27 Uhr

Wollte man das Finanzsystem ernsthaft schützen, wären die Pläne eines Clearing Houses schon lange auf dem Tisch.

Aber das will man nicht, weil auf dem anderen Weg die Politik erpressbar bleibt und sich so manche Bonuszahlung einfacher abzweigen lässt.

Man weiß wirklich nicht mehr, ob Dummheit oder Cleverness Politik und Wirtschaft regieren. Vielleicht ist es auch beides. Es ist nur schade, dass der Kleine immer der Dumme ist.

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