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02.09.2013

19:43 Uhr

Finanzstabilitätsrat

Bankenregulierer wollen nationale Alleingänge stoppen

Nationale Regelungen können störend für den Welthandel sein. Darum will der Finanzstabilitätsrat Alleingänge in der Regulierung stoppen. Auch für das „Too big to fail“-Problem wird eine Lösung gesucht.

Der Vorsitzende des Finanzstabilitätsrats Mark Carney. Das Gremium überwacht im Auftrag der G20 die Finanzmarktreformen nach der Finanzkrise. dpa

Der Vorsitzende des Finanzstabilitätsrats Mark Carney. Das Gremium überwacht im Auftrag der G20 die Finanzmarktreformen nach der Finanzkrise.

FrankfurtDie internationalen Bankenaufseher wollen die Alleingänge in der Regulierung von weltweit verflochtenen Großbanken stoppen. Der Vorsitzende des Finanzstabilitätsrats (FSB), der britische Notenbankchef Mark Carney, warnte am Montag in London davor, der Streit über den Umgang mit möglichen Problemen von Großbanken drohe das Wachstum der Weltwirtschaft zu gefährden. Vor allem die EU und die USA sind sich uneins darüber, wie sie vermeiden können, dass die Rettung von Banken in Schieflage auch künftig dem Steuerzahler zur Last fällt. Zur Frage, wie riskante Teile von Banken – etwa das Investmentbanking – abgeschottet werden können, liegen in Großbritannien, den USA und der EU sogar drei Reformvorschläge vor. Deutschland und Frankreich haben bereits Trennbanken-Gesetze beschlossen.

In einem am Montag veröffentlichten Bericht an die wichtigsten 20 Industrie- und Schwellenländer (G20) warnt der FSB vor einer Zersplitterung der Bankenregulierung. Das Gremium überwacht im Auftrag der G20 die Finanzmarktreformen nach der Finanzkrise. Die G20-Staats- und -Regierungschefs treffen sich Donnerstag und Freitag im russischen Sankt Petersburg.

Das Problem, dass Banken so groß sind, dass sie sich darauf verlassen können, vom Staat gerettet zu werden („too big to fail“), ist noch ungelöst. Politiker und Aufseher fürchten, dass das Bewusstsein der eigenen Unverwundbarkeit die Geldhäuser zu übergroßen Risiken verleitet. Kern der Reformen ist deshalb das Bemühen, auch diese Banken so leicht abwickelbar zu machen, dass sie im Fall einer Schieflage nicht mehr das ganze Bankensystem ins Wanken bringen könnten.

Carney rief die G20 auf, in der Frage zusammenzuarbeiten. „Die Fragmentierung des internationalen Finanzsystems, die aus solchen national ausgerichteten Maßnahmen entsteht, könnte das globale Wachstum reduzieren, indem sie Barrieren aufbaut, die eine effiziente Kapital- und Liquiditäts-Allokation verhindern“, sagte der Notenbanker. Der FSB werde daher bis Ende 2014 in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der OECD die Folgen für die weltweite Finanzstabilität unter die Lupe nehmen. Bisher seien die Fortschritte schleppend.

Die zehn größten Banken der Welt

Platz 10

Platz zehn belegt die China Construction Bank, seit dem Jahr 2005 werden an der Hongkonger Börse Aktien der CCB im Wert von mehr als 8 Milliarden Dollar gehandelt.

Bilanzsumme: 2241 Mrd. US-Dollar

Platz 9

Darauf folgt die Bank of America, deren Ursprünge auf die im Jahr 1784 gegründete Bank of Massachusetts zurückgehen. Sie ist somit die zweitälteste Bank der USA.

Bilanzsumme: 2258,5 Mrd. US-Dollar

Platz 8

Die JP Morgan Chase & Co. ist, gemessen an der Bilanzsumme von mehr als 2,3 Billionen US-Dollar, die größte Bank der USA.

Bilanzsumme: 2359,1 Mrd. US-Dollar

Platz 7

Die britische Großbank Barclays wurde 2011 in einer an der ETH Zürich veröffentlichten Studie als einflussreichstes Unternehmen der Weltwirtschaft bezeichnet.

Bilanzsumme: 2420,6 Mrd. US-Dollar

Platz 6

Crédit Agricole mit Sitz in Paris ist auch durch seine Tätigkeit als Sponsor des Radsportteams Crédit Agricole weltweit bekannt.

Bilanzsumme: 2431,4 Mrd. US-Dollar

Platz 5

Die MUFG entstand 2005 aus dem Zusammenschluss der beiden Unternehmen Mitsubishi Tokyo Financial Group (MTFG) und UFJ Holdings, Herzstück des Konzerns ist die Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ.

Bilanzsumme: 2488,8 Mrd. US-Dollar

Platz 4

BNP Paribas entstand 2000 durch die Fusion der Banque Nationale de Paris (BNP) und der Paribas. Zusammen mit der Société Générale und dem Crédit Lyonnais gehört sie zu den drei alten Geschäftsbanken Frankreichs.

Bilanzsumme: 2517,1 Mrd. US-Dollar

Platz 3

Die Deutsche Bank mit Sitz in Frankfurt am Main ist das nach Bilanzsumme und Mitarbeiterzahl größte Kreditinstitut Deutschlands und unterhält bedeutende Niederlassungen in London, New York City, Singapur und Sydney.

Bilanzsumme: 2655,7 Mrd. US-Dollar

Platz 2

Zweiter ist die Bank HSBC, die ihren Sitz in London hat und somit die größte Bank Europas ist.

Bilanzsumme: 2692,5 Mrd. US-Dollar

Platz 1

Die ICBC ist, gemessen an der Bilanzsumme, nicht nur die größte Bank der VR China, sondern auch die größte Bank der Welt.

Bilanzsumme: 2813,5 Mrd. US-Dollar

Zwar könnten Strukturänderungen wie die Abspaltung einzelner Teile von Banken, Grenzen für konzerninterne Finanztransfers oder nationale Kapital- und Liquiditäts-Vorschriften die Risiken verringern, die von systemrelevanten Instituten ausgingen, heißt es in dem Bericht des FSB. Sie könnten aber auch die Integration der globalen Finanzsysteme stören. Die USA drohen ausländischen Banken mit strengeren Kapitalvorschriften, Deutschland bremst Geldflüsse von Töchtern ausländischer Banken zu deren Muttergesellschaften.

Der FSB will von Anfang 2014 an prüfen, ob jede der 28 als global systemrelevant eingestuften Banken (G-SIB) im Notfall auch wirklich abgewickelt werden könnte. In Deutschland müssen sie einen Sanierungsplan für den Ernstfall entwickeln, aus dem die Finanzaufsicht BaFin einen Abwicklungsplan formuliert. Aus Deutschland gehört nur die Deutsche Bank zu den G-SIBs. Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon forderte im „Handelsblatt“ (Dienstagausgabe) Konsequenzen. „Die Deutsche Bank ist sicher wichtig, aber für die deutsche Volkswirtschaft zu groß“, sagte er. „Wir müssen uns überlegen, ob wir alle davon abhängig sein wollen, dass dort niemals gravierende Fehler gemacht werden.“

Der FSB will dafür sorgen, dass bei den G-SIBs auch in einer Schieflage noch so viel Kapital locker gemacht werden kann, um das Institut zumindest abzuwickeln, ohne dafür den Steuerzahler zur Kasse bitten zu müssen. Bis Ende des kommenden Jahres will das Gremium einen Vorschlag dafür vorlegen. Nach Carneys Ansicht reicht es, wenn dieser Kapitalpuffer auf Konzernebene gebildet wird. Um die Aufseher über die ausländischen Bank-Töchter zu besänftigen, schlägt der FSB-Chef bindende Verträge zwischen den Aufsichtsbehörden vor.

Von

rtr

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