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06.01.2012

11:51 Uhr

Finanzwirtschaft

Auf der Suche nach dem guten Banker

VonMiriam Schröder

Nach vielen Skandalen und mitten in der Krise soll bei den Banken Ehrlichkeit einziehen. Ein Besuch bei der Targo-Bank zeigt, wie sich die Manager neu erfinden wollen - und ob das funktionieren kann.

Luftig und hell: So will sich die Targobank ihren Kunden präsentieren. obs

Luftig und hell: So will sich die Targobank ihren Kunden präsentieren.

DüsseldorfWarum er Banker geworden ist, habe er sich nie gefragt, sagt Berthold Rüsing. „An einem gewissen Punkt war meine Frage eher: Möchte ich Banker bleiben?“ Er ist seit vier Jahren Vertriebsvorstand bei der Targobank. Als er begann, hieß sie noch Citibank. Die Mutter in Amerika, die Citigroup, ist während der Finanzkrise fast pleitegegangen, wegen der Immobilienkredite, die plötzlich nichts mehr wert waren. In Deutschland ist die Citibank berühmt geworden durch die Zahl der Lehman-Zertifikate, die sie verkauft hat. Viele der Kunden waren alte Leute. Es laufen deswegen noch Prozesse gegen die Targobank.

Rüsing sagt, es sei ihm unangenehm, wie die Leute reagieren, wenn er erzählt, dass er Banker sei. 2008 hat die französische Crédit Mutuel, eine große Genossenschaftsbank, die deutsche Citibank gekauft. Seitdem nennt sie sich Targobank. Unter dem neuen Eigentümer hat sich der Vorstand ein neues Leitbild verpasst. Rüsing sagt jetzt: „Bei uns stehen Werte im Fokus. Transparenz, Einfachheit, Zuverlässigkeit und Qualität“. Er meint, seine Bank sei jetzt eine gute Bank.

Was aber ist eine gute Bank? Antworten auf diese Frage zu finden, ist jetzt Rüsings Aufgabe. Rüsing jedoch kann das nicht allein verwirklichen. Er braucht dafür Leute, die die Botschaft aus dem Vorstandsbüro hinab in die Hierarchieebenen tragen, Leute wie Bernhard Freytag oder Ulrich Wickler.

Wo Banker in Europa am meisten verdienen

Gehalt und Leistung

Ein erstes Urteil fällt eine Studie des unabhängigen Equity-Research-Unternehmens Alpha Value schnell: Banker verdienen zu viel. Im Schnitt sind es rund 40 Prozent mehr als andere Industrien. Dies steht im krassen Gegensatz zu der Performance der Geldhäuser – Aktionäre haben seit 2007 mit Bankentitel rund 86 Prozent an Vermögen verloren. Ein kurze Übersicht, wo in Europa wie viel verdient wird.

Platz 13

In Belgien haben Banker 2010 laut einer Studie von AlphaVille 250.700 Euro verdient. Im Vorjahr war es mehr als doppelt so viel. Die Summen beziehen sich auf Durchschnittgehälter von leitenden Managern.

Platz 12

Die Banker in Norwegen haben dagegen 2010 mehr verdient als im Jahr davor, nämlich im Schnitt 538.000 Euro.

Platz 11

Bei unseren Nachbarn in den Niederlanden verdient man als Banker durchschnittlich "nur" 623.000 Euro, ein wenig mehr als 2009.

Platz 10

Die Banker in Dänemark haben es noch so gerade in die Top Ten geschafft: Sie verdienten 2010 im Schnitt 797.000 Euro.

Platz 9

Vielleicht eine kleine Überraschung, die Portugiesen in diesem Ranking so weit oben zu sehen. Aber nur weil das Land kein richtig großes Institut hat, können die Banker ja dennoch ordentlich verdienen: 846.000 Euro waren es durchschnittlich - übrigens deutlich mehr als 2009.

Platz 8

Einen kräftigen Schluck aus der Pulle haben sich die französischen Banker gegönnt: Ihr Durchschnittgehalt stieg auf 865.000 Euro. Im Vorjahr waren es "nur" knapp 600.000 Euro.

Platz 7

Auf Rang sieben überspringt Österreich die "magishe" Millionengrenze: In der Alpenrepublik verdienen Top-Banker im Schnitt 1,25 Millionen Euro.

Platz 6

Auch in Schweden kann man in Geldhäusern gutes Geld verdienen: 1,36 Millionen Euro waren es 2010.

Platz 5

Die Italiener schaffen es in die Top Five. Die leitenden Angestellten von Unicredit, Intesa und Co. verdienen durchschnittlich 1,9 Millionen Euro.

Platz 4

Bis zu unseren deutschen Bankern auf Rang vier ist es ein gewaltiger Sprung: Hierzulande verdienen leitende Manager 3,3 Millionen Euro. 2009 war es mit 3,5 Millionen Euro übrigens ein wenig mehr.

Platz 3

Sozusagen aufs Treppchen haben es die Funktioniere in Spanien geschafft: Hier lag das Gehalt bei 3,7 Millionen Euro.

Platz 2

Noch ein wenig mehr gibt es in der Schweiz, nämlich 4,4 Millionen Euro. Allerdings sind die Lebenshaltungskosten in Zürich oder Genf auch ein gutes Stück höher als in Deutschland.

Platz 1

Mit weitem Abstand gibt es in Großbritannien am meisten zu verdienen: 5,8 Millionen Euro verdienen die Banker in London. Kein Wunder, tun hier doch sehr viele Investmentbanker ihr Werk, die gewohnheitsmäßig auf überdurchschnittliche Vergütungen kommen.

Man kennt das aus anderen Konzernen: Die Ergo-Versicherung oder die Wüstenrot-Bank hatten auch Verhaltensrichtlinien, vom Vorstand verabschiedet. Die Vertreter gingen dennoch auf Betriebsfahrten ins Bordell. Und so ist Rüsing auch Leiter eines Experiments: Gelingt es, mehr Moral nicht nur auf dem Papier, sondern auch im Alltag umzusetzen? Die Targobank ist nicht das einzige Institut, das sich bemüht. Auch die Commerzbank wirbt mit einer Kundencharta und einer neuen Anreizstruktur für die Berater. Die Banken tun das nicht, weil sie ein schlechtes Gewissen haben. Vielmehr weil die Kunden misstrauisch geworden sind.

„Eine gute Beratung ist: wenn beide Seiten zufrieden sind. Der Kunde muss eine fachlich gute Beratung bekommen und er muss sie auch verstehen“, meint Rüsing. Das klingt einfach. So einfach, dass man fragen muss: Warum brauchte es zu dieser Erkenntnis erst eine Krise?

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

06.01.2012, 16:23 Uhr

Tja, Alfred Herrhausen war wohl so einer. "Schuldenerlass" und "wer Macht hat, hat auch Veranwortung."

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