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31.01.2013

04:27 Uhr

Finanzwirtschaft

Präsidentin der Welthungerhilfe attackiert Deutsche Bank

Am heutigen Donnerstag veröffentlicht die Deutsche Bank ihren Jahresbericht. Schon im Vorfeld gibt es Kritik. Die Welthungerhilfe wirft der Bank vor, Finanzwetten auf Kosten der Ärmsten zu betreiben.

Das Logo der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. dpa

Das Logo der Deutschen Bank in Frankfurt am Main.

Köln/FrankfurtDie beiden Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, präsentieren am heutigen Donnerstag erstmals die Jahresbilanz des Kreditinstituts. Experten erwarten einen deutlichen Gewinnrückgang. Für die vergangenen drei Monate rechnen Analysten sogar mit einem Verlust.

Deutschlands größte Bank hatte bereits im Dezember für das vierte Quartal des vergangenen Jahres einen Gewinneinbruch angekündigt. Zahlreiche Probleme wie die Restrukturierung und die Integration der Postbank belasteten das Kreditinstitut.

Die Klage-Chronik der Deutschen Bank – Teil 1

Diverse Klagen

Mutmaßliche Bilanztricksereien, Hypothekenklagen, Zinsmanipulationen, der Kirch-Streit - die Deutsche Bank muss noch eine ganze Reihe von potenziell sehr teuren Altlasten aufarbeiten. Eine Übersicht über die Vorwürfe und Verfahren seit Anfang 2011, von denen einzelne bereits abgeschlossen sind.

22. März 2011

Der Bundesgerichtshof gibt der Deutschen Bank eine schallende Ohrfeige: Sie muss an einen hessischen Mittelständler mehr als eine halbe Million Euro Schadenersatz zahlen. Diesen Betrag hatte der Kläger mit einem komplizierten Zinsswap-Geschäft verloren, das die Bank nach Auffassung des BGH „bewusst zulasten des Anlegers“ konstruiert hatte. In der Folge einigt sie sich mit zahlreichen Kommunen und Unternehmen nach Angaben von Anwälten auf Vergleiche.

13. April 2011

In den US-Untersuchungen zur Rolle der Wall Street in der Finanzkrise erhebt ein Senatsausschuss schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Bank und Goldman Sachs. Der Deutschen Bank wird vorgeworfen, umstrittene Finanzprodukte aufgelegt zu haben. Sie habe unter anderem einen milliardenschweren verbrieften Hypothekenkredit (CDO) namens „Gemstone 7“ geschnürt und verkauft, bevor der Markt abstürzte. Dabei habe der zuständige Händler gewusst, dass das Paket minderwertige Assets enthalte.

29. April 2011

Die EU-Wettbewerbshüter knöpfen sich den Handel mit Kreditausfallversicherungen (CDS) vor, mit denen sich Investoren und Spekulanten gegen Pleiten von Staaten und Firmen absichern. Die Kartellermittlungen richten sich gegen 16 Investmentbanken, darunter die Deutsche Bank. Im weiteren Verlauf der Ermittlungen (2013) wird von den deutschen Häusern zunächst nur die Commerzbank vom Haken gelassen.

4. Mai 2011

Die Deutsche Bank bestätigt, dass die Stadt Los Angeles eine Klage gegen das Institut im Zusammenhang mit umstrittenen Zwangsräumungen eingereicht hat. Die Bank sei über Tochterunternehmen einer der größten „Slumlords“ der Millionenmetropole, heißt es in der Klageschrift, die Entschädigungszahlungen von mehreren hundert Millionen Dollar nach sich ziehen könnte. Sie habe Hunderte Anwesen verfallen lassen und Menschen zu Unrecht aus ihrem Heim vertrieben. Nach Angaben des Instituts wurde die Klage inzwischen abgewiesen. Ob die Stadt in Berufung geht, ist aber weiterhin offen.

2. September 2011

Die US-Aufsichtsbehörde Federal Housing Finance Agency (FHFA) verklagt 17 Banken wegen umstrittener Hypothekengeschäfte, darunter die Deutsche Bank. Die Behörde wirft ihnen vor, beim Verkauf von mit Hypotheken unterlegten Wertpapieren falsche Angaben gemacht zu haben. Der Klageschrift zufolge werden finanzielle Schäden auf Hypotheken-Anleihen über insgesamt fast 200 Milliarden Dollar geltend gemacht - davon entfallen mehr als 14 Milliarden auf die Deutsche Bank. Das Geldhaus weist die Vorwürfe als unbegründet zurück.

5. September 2011

Laut „Financial Times“ nehmen britische Behörden von der Deutschen Bank und anderen Instituten zusammengestellte Wertpapiere wegen Betrugsverdachts unter die Lupe. Die Untersuchung des Serious Fraud Office soll Beweise dafür liefern, dass die Banken ihren Kunden beim Verkauf von forderungsbesicherten Wertpapieren in Großbritannien falsche Informationen geliefert hätten. Die Ermittlungen sind schwierig, da die Behörde den Instituten Betrugsabsicht nachweisen müsse.

14. November 2011

Die Staatsanwaltschaft München lässt Vorstandsbüros und die Rechtsabteilung im Zusammenhang mit dem Kirch-Prozess durchsuchen. Gegen den damaligen Vorstandschef Josef Ackermann werde wegen des Verdachts auf Prozessbetrug ermittelt. Auch gegen den damaligen Aufsichtsratschef Clemens Börsig, Ex-Vorstandschef Rolf Breuer und den früheren Personalchef Tessen von Heydebreck werde ermittelt. Die Bank und die Betroffenen halten die Beschuldigungen für haltlos und das Vorgehen der Staatsanwaltschaft für unverhältnismäßig.

19. November 2011

Die Pleite der US-Finanzfirma MF Global hat für die Deutsche Bank ein juristisches Nachspiel. Zwei US-Pensionsfonds verklagen Abteilungen des Frankfurter Instituts sowie sechs weiterer Geldhäuser, die MF bei der Erstellung von Anleihe-Angeboten unterstützt haben. Die Kläger werfen ihnen vor, in den Prospekten Probleme verschwiegen zu haben, die zum Kollaps des Brokerhauses geführt haben. Mit der Klage nehmen die Fonds finanzstarke Institute ins Visier, um ihre Verluste nach dem MF-Global-Zusammenbruch auszugleichen.

21. Dezember 2011

Sechs Händler werden wegen eines 230 Millionen Euro schweren Umsatzsteuerkarussells mit CO2-Verschmutzungszertifikaten in Frankfurt zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Der Handel wurde über die Deutsche Bank abgewickelt. Unter den 170 Beschuldigten im Visier der Staatsanwaltschaft sind auch sieben Mitarbeiter der Bank. Gegen sie gibt es noch keine Anklagen, die Bank hat aber 310 Millionen Euro Umsatzsteuerforderungen aus dem CO2-Handel abgeschrieben.

Die Bank will die jährlichen Kosten bis 2015 um 4,5 Milliarden Euro reduzieren. Auch bei den Personalkosten soll gespart werden. 25.000 außertariflich bezahlte Mitarbeiter in Deutschland müssten in diesem Jahr auf die übliche Gehaltserhöhung verzichten, berichteten "Wall Street Journal Deutschland" und "Süddeutsche Zeitung" übereinstimmend.

Die verschiedenen juristischen Auseinandersetzungen werden sicherlich auch auf der Bilanz-Pressekonferenz in Frankfurt am Main angesprochen. So stehen Mitarbeiter der Bank im Verdacht, an Umsatzsteuerbetrug und der Manipulation der Libor- und Euribor-Zinssätze beteiligt gewesen zu sein. Auch der verlorene Prozess gegen die Erben des verstorbenen Medienmanagers Leo Kirch und die zu erwartende Schadenersatzzahlung werden eine Rolle spielen.

Unterdessen hat die Präsidentin der Welthungerhilfe die Deutsche Bank attackiert. Die Welthungerhilfe hat die Entscheidung der Deutschen Bank kritisiert, sich nach einer mehrmonatigen Pause wieder am Börsenhandel mit Lebensmitteln zu beteiligen. Die Deutsche Bank stelle sich damit "gegen Nichtregierungsorganisationen, Wissenschaftler, internationale Organisationen und Politiker, die sich seit mehreren Jahren für eine bessere Kontrolle der Agrarspekulation einsetzen", schreibt die Welthungerhilfe-Präsidentin Bärbel Dieckmann in einem Beitrag für den "Kölner Stadt-Anzeiger" (Donnerstagsausgabe).

"Zum Schutz des Menschenrechts auf Nahrung" fordere die Welthungerhilfe dazu auf, eine effektive Regulierung der Rohstoffterminmärkte voranzubringen, unterstrich Dieckmann. Die Welthungerhilfe könne es nicht zulassen, dass "immer mehr Menschen in den Hunger" getrieben würden, obwohl dies "durch politische Maßnahmen" verhindert werden könne. Die Deutsche Bank hatte vor knapp zwei Wochen bekanntgegeben, dass sie ihre Entscheidung vom März 2012 wieder aufhebe, keine "neuen börsengehandelten Anlageprodukte auf der Basis von Grundnahrungsmitteln mehr aufzulegen".

Kommentare (1)

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so_long

31.01.2013, 07:13 Uhr

"Die Deutsche Bank hatte vor knapp zwei Wochen bekanntgegeben, dass sie ihre Entscheidung vom März 2012 wieder aufhebe, keine "neuen börsengehandelten Anlageprodukte auf der Basis von Grundnahrungsmitteln mehr aufzulegen"."

Die Deutsche Bank ist und war schon über Jahrzehnte nicht mehr eine solche nach unseren ethischen Mäßstäben.
Beendet wurde dieses Verständnis nach Herrhausen, der versuchte, einen anderen Weg zu gehen und nur störte.

Das hat sie danach über Jahrzehnte wunderbar verbergen können, nicht zuletzt, weil das "in" war nach US/UK Vorbild.

Mit den neuen "Machthabern" UK Prägung geht sie erneut den gleichen Weg der unredlichen Gewinnmaximierung, weil nur so der Profit zu erreichen ist, in dem sie sich zuvor über Jahrzehnte ungehindert sonnte. Ackermann war der Held an Merkels Tisch und in Beraterfunktion.

Nun stürmen Klagen auf sie ein, Libor Betrug, Klagen aus USA wegen der Verteilung der die Finanzkrise befördernden CDS Manipulationen etc..

Es gab eine Zeit, da war das Privatkundengeschäft out, wurde in die Bank 24 ausgelagert, der Privatkunde war ein underdog.

Letztens hatte man sich besonnen und erkannt, daß gerade die Privatkunden ein tolles Liquiditätsfundament für eine Bank darstellen und schnell die Postbank erworben, wodurch die Risiken der Investmentsparte besser abgefedert werden können.

Wenn nun das Trennbankensystem, das zZt eingefordert wird, noch kommt, und gegen das sie vehement agieren, wird man sehen, was von dem Verein noch übrig bleibt.


Es war einmal.... so fangen viele Märchen an und viele enden für die Hauptakteure nicht glücklich...

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