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27.04.2017

18:01 Uhr

Fintech-Investitionen

Die Stadt, wo Geld und Honig fließen

VonKatharina Schneider

Die ganze Fintech-Welt lechzt nach neuem Kapital. Die ganze Fintech-Welt? Nein! In Deutschland sind Geldgeber noch immer großzügig und in Frankfurt wurde gerade der nächste Fintech-„Spot“ eingeweiht – mit „Bienenstock“.

Besprechungsraum auf der Co-Work-Etage „Beehive“ im „The Spot“.

Honey Comb

Besprechungsraum auf der Co-Work-Etage „Beehive“ im „The Spot“.

FrankfurtEine gute Geschäftsidee ist meist nur die halbe Miete. Wer ein Unternehmen gründen oder weiterentwickeln will, braucht dafür auch Kapital. In der Branche der Finanztechnologie-Anbieter haben sich die Investoren im ersten Quartal dieses Jahres allerdings zurückgehalten. Das zeigt sowohl die globale Studie „Pulse of Fintech“ der Beratungsgesellschaft KPMG als auch der „Global Fintech Report“ von CB Insights, die am Donnerstag veröffentlicht wurden. Für Deutschland allerdings fallen die Zahlen deutlich besser. Auch die Begeisterung für Fintechs ist weiter groß. Das zeigte sich beispielsweise am Mittwochabend in Frankfurt bei der Eröffnungsfeier des Fintech-Hauses „The Spot“.

Ein Rückgang der Investitionen ist schon länger zu beobachten: Bereits im vergangenen Jahr wurden weltweit nur 25 Milliarden Dollar in Fintechs investiert, während es 2015 laut KPMG noch 47 Milliarden waren. Im ersten Quartal dieses Jahres hat sich die Entwicklung fortgesetzt: Gerade mal 3,2 Milliarden wurden im Rahmen von 260 Deals investiert – ein Rückgang um 23 Prozent gegenüber dem letzten Quartal 2016. Bei den Übernahmen und Beteiligungen (M&A) halbierte sich das Volumen sogar auf 920 Millionen Dollar. Nach Ansicht von KPMG-Partner Sven Korschinowski hat „der Hype den Höhepunkt überschritten, jetzt geht es um konkrete Lösungen für relevante Probleme“.

Tipps für erfolgreiche Fintech-Kooperationen

Flucht aus den vier Wänden

Ein eigenes Innovationslabor innerhalb eines Start-up-Ökosystems kann helfen, sich von organisatorischen und kulturellen Zwängen zu lösen. Komplett abgeschnitten von der Hauptorganisation sollte dies aber auch nicht sein, eine umsichtige Verbindung fördert den wirtschaftlichen Erfolg.

Schneller Anbindungsprozess

Große Organisationen sollten flexible Prozesse bereithalten, um Fintechs schnell einzugliedern.

Pragmatischer Umgang mit intellektuellem Eigentum

Lizenzbedingungen gewinnen an Bedeutung. Deshalb sollten Banken auch hier einen flexiblen Ansatz wählen.

Koordinierte Innovationsstrategie

Fintechs werden immer unterschiedlicher und Fintech-Zentren entwickeln sich global. Multinationale Banken brauchen deshalb einen koordinierten Plan und eine zentrale Wissensbasis, um die attraktivsten Innovationen zu identifizieren.

Die Partner kennen

Bevor Banken mit einem Fintech kooperieren, sollten sie die Gründer persönlich kennenlernen. Das bringt mehr Erkenntnisse als beispielsweise ein 200-seitiger Fragebogen.

Das richtige Investmentmodel

Zunächst einen Minderheitsanteil an einem Fintech zu erwerben kann sinnvoller sein als das junge Unternehmen gleich komplett zu übernehmen. So wird vermieden, dass Innovationen ausgebremst werden.

Quelle

Simmons & Simmons, Hyperfinance, April 2017

CB Insights dagegen zählte global nur 226 Deals, bei denen 2,7 Milliarden Dollar investiert wurden, konzentriert sich aber zugleich nur auf. KMPG dagegen beziffert die Summe der weltweiten VC-Deals auf 2,3 Milliarden Dollar. Diese Abweichung dürfte durch unterschiedliche Definitionen von „Fintech“ zu begründen sein.

In Europa wurde laut KPMG-Zahlen im ersten Quartal bei den Risikokapitalgebern (VC-Deals) mit 610 Millionen Euro ein neues Rekordhoch erreicht. Besonders positiv fällt jedoch die Entwicklung in Deutschland aus. Hier wurden in den ersten drei Monaten dieses Jahres insgesamt 180 Millionen Dollar in Fintechs investiert – dies ist ein Rekordwert. Im gesamten Jahr 2016 lagen die Investitionen hierzulande nur bei 376 Millionen Dollar.

Auch drei der zehn europäischen Top-Deals wurden in Deutschland geschlossen: Der Zahlungsdienstleister BillPay erhielt 64,7 Millionen Dollar, die Zinsplattform Weltsparen 31,9 Millionen und Fintech-Bank SolarisBank 28 Millionen. Unternehmensberater Peter Barkow gibt sich angesichts dieser Zahlen erleichtert: „Zum Jahreswechsel waren wir über den Stand der VC-Investitionen in deutsche Fintechs ernsthaft besorgt. Unsere Hoffnung, dass einige Deals ins erste Quartal geschoben wurden, hat sich jedoch bestätigt.“

Die größten Deals werden laut KPMG global führend noch immer im Bereich Zahlungsverkehr und Kreditvergabe geschlossen. Aber auch Investitionen in die Bereiche Künstliche Intelligenz (AI), Internet der Dinge (IoT), big data sowie Regulierungs- und Versicherungstechnologie (Regtech und Insurtech) würden schnell wachsen. „Finanzdienstleister suchen nach Herausforderungen im täglichen Kundengeschäft, die über herkömmliche Transaktionen hinausgehen und neue Produkte – und damit Umsätze – ermöglichen“, erklärt Korschinowski. Insbesondere durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen würden die Lösungsansätze vielfältiger.

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