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09.08.2013

07:36 Uhr

Firmenchef Blessing

„Commerzbank kann eigenständig bleiben“

ExklusivDer Staat hält ein großes Aktienpaket an der Commerzbank. Daran wird sich nach Einschätzung von Martin Blessing, Chef des Kreditinstituts, so schnell nichts ändern. Zweifel an der Eigenständigkeit bestritt er.

Fehler gemacht, aber auch viel erreicht: Commerzbank-Chef Blessing. dpa

Fehler gemacht, aber auch viel erreicht: Commerzbank-Chef Blessing.

FrankfurtCommerzbank-Chef Martin Blessing rechnet nicht damit, dass der Bund sein Aktienpaket in naher Zukunft verkaufen wird. Er sehe nicht, „dass der Bund bei dem aktuellen Aktienkurs ein Interesse daran hat, auszusteigen“, sagte er in einem Interview mit dem Handelsblatt.

Dass der 17-Prozent-Anteil des Staates an einen strategischen Investor, also zum Beispiel an eine andere Bank gehen wird, hält er für unwahrscheinlich. „Strategische Investoren wollen in der Regel etwas gestalten. Da wäre ein Anteil von 17 Prozent zu klein“, sagte er.

In den vergangenen Wochen hatte es immer wieder Spekulationen gegeben, dass der Staat seine Anteile an eine andere europäische Großbank verkaufen könnte. Es gab außerdem Zweifel daran, ob die Commerzbank eigenständig bleiben könnte. „Ich bin aber fest davon überzeugt, dass die Commerzbank 2020 ihr 150-jähriges Bestehen als eigenständige und starke Bank für die deutsche Wirtschaft feiert“, sagte Blessing.

Quartalszahlen

Aufräumen bei der Commerzbank

Quartalszahlen: Aufräumen bei der Commerzbank

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Obwohl der Manager immer wieder in der Kritik steht, ist ein vorzeitiger Rücktritt für ihn kein Thema. „Ich kann und will den Umbau der Commerzbank erfolgreich zu Ende bringen“, sagte er. Die Verkleinerung des Commerzbank-Vorstands, das der Aufsichtsrat am Mittwoch grundsätzlich beschlossen hatte, sei für ihn „von zentraler Bedeutung“ gewesen.

„Man kann doch nicht mehrere Tausend Mitarbeiter entlassen, weil man Kosten sparen und die Bilanzsumme verkleinern will, aber an der alten Führungsstruktur festhalten“, so Blessing. Das sei für ihn eine Frage der Glaubwürdigkeit. Dass er im Rahmen der Verhandlungen darüber sogar mit Rücktritt gedroht haben soll, bestritt er aber. „Das war nicht mein Thema“, so Blessing.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Operativ hat für Blessing die schnelle Verkleinerung der internen Bad Bank NCA Priorität. „Die Gewinne aus dem Kerngeschäft investieren wir größtenteils in den schnelleren NCA-Abbau, indem wir dort Abschreibungsverluste akzeptieren“, sagte er. 

Davon erhofft er sich auch einen Schub für den Aktienkurs. „Ich bin sicher, dass der Kurs sofort steigt, wenn die Abbaubank auf ein verträgliches Niveau geschrumpft ist und mehr Kapital für das Geschäft der Kernbank bleibt“, so Blessing. Die Bank hatte am Donnerstag berichtet, dass der Abbau derzeit schneller vorangeht als bislang gedacht. Daraufhin war der Aktienkurs des Instituts um beinahe 16 Prozent gestiegen.

Von

yo

Kommentare (9)

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RDA

09.08.2013, 08:35 Uhr

Wenn ihm Eigenständigkeit so wichtig ist: Warum hat der Mann dann nicht den Verlust von 4,1 Mrd. € bei der Allianz eingeklagt, den deren heruntergewirtschaftete Tochter Dresdner Bank bei der Übernahme mitgebracht hat? Bisher hat den Verlust einzig die Commerzbank bzw. der Staat getragen. Aber Herr Blessing wird sicher seine Gründe haben, warum er seinen früheren Arbeitgeber schont.

Thomas-Melber-Stuttgart

09.08.2013, 09:15 Uhr

Kann das nicht auch der AR fordern? Zumal der Vorstand auch dazu verpflichtet ist, Schaden von der Gesellschaft abzuwenden.

ABC

09.08.2013, 09:18 Uhr

in de schützt sich Unfähigkeit, Kriminelle aus der verwaltenden Diktatur, unter den Deckmantel der korrupter Presse und Justiz selbst.
Die Systemparasiten Schlemmern weiter am luxustrog, gefüllt durch den dummen Michel.

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