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04.11.2011

05:48 Uhr

Fiskalunion

Ackermann glaubt an den Euro - unter Bedingungen

VonThomas Hanke

Josef Ackermann sieht eine Zukunft für den Euro - aber nur mit einer Fiskalunion. Die Eurozone werde noch lange bestehen, aber sie wird auch mehr von Deutschland fordern als bisher angenommen.

Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, dpa

Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank,

Paris Gelassen, gut gelaunt und so eloquent wie ein Politiker, so trat Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann am späten gestrigen Abend in Paris auf. Vielleicht trug der prächtige Ort, das wunderschöne „Hotel Beauharnais“, dazu bei, dem sonst manchmal spröde wirkenden Ackermann die Zunge zu lösen. Die Residenz des deutschen Botschafters gilt als eines der erhabensten Palais der französischen Hauptstadt, die nicht eben arm ist an prunkvollen Gebäuden.

Hier hat Reichtum die Jahrhunderte überdauert - vielleicht bestärkte das Ackermann in seiner Ansicht, dass auch die Eurozone noch lange bestehen kann, vorausgesetzt, sie verteilt ihren Reichtum ein wenig um: Die Starken sollen mehr noch als bislang die Schwachen in der Eurozone unterstützen, forderte Ackermann vor 120 geladenen Gästen.

Es fragt sich, ob Ackermann in Deutschland so deutlich geworden wäre, was die Voraussetzungen für das Überleben des Euros angeht, wie er sie sieht: „Ich bin überzeugt, dass es nicht bei 211 Milliarden Euro (deutschen Garantien für den Rettungsschirm) bleiben wird. Deutschland wird in einer Fiskalunion mehr bestreiten müssen.“ Und die Fiskalunion ist für ihn unausweichlich: „Wir haben A gesagt, jetzt müssen wir auch B sagen, indem wir das Ganze nach vorne bringen und die Schwächeren stärker unterstützen.“

Planspiel: Euro-Zone ohne Griechenland

Welche Folgen hätte ein Austritt Griechenlands aus dem Euro?

Die konkreten ökonomischen Folgen eines Euro-Austritts Griechenlands sind kaum vorhersehbar, da es eine vergleichbare Situation bisher noch nicht gegeben hat. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen sowohl für Griechenland als auch für die anderen Länder des Währungsraums verheerend wären. Experten befürchten schwere Konsequenzen für den europäischen Bankensektor - dem Hauptkreditgeber Griechenlands. Und da keine entwickelte Volkswirtschaft ohne gesunde Banken auskommen kann, würden auch Verbraucher und Unternehmen stark getroffen werden.

Welche Folgen würden sich für Griechenland ergeben?

Für Griechenland würde ein Euro-Austritt vermutlich den wirtschaftlichen Zusammenbruch bedeuten. Ohne Euro müssten die Hellenen wieder ihre alte Währung Drachme einführen, die vermutlich drastisch abwerten würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugute kommen.

Was würde sich am Schuldenstand Athens ändern?

Die in Euro aufgenommenen Altschulden würden infolge der Abwertung der neuen eigenen Währung drastisch steigen. „Selbst ein starker Schuldenschnitt würde Griechenlands Probleme dann nicht lösen, da das Land über Jahre hinweg vom Kapitalmarkt abgeschnitten wäre“, unterstreicht ein HSBC-Experte. Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher schon.

Ist ein Austritt Griechenlands im Interesse anderer Euro-Länder?

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht. An den Finanzmärkten würden nach einem Euro-Austritt Griechenlands wohl schnell andere finanzschwache Länder unter starken Druck geraten, möglicherweise auch wirtschaftsstarke Länder. Denn letztlich könnte sich kein Investor mehr darauf verlassen, dass nicht auch andere Länder - möglicherweise in Verbindung mit einem Schuldenschnitt - aus dem Euroraum ausscheren. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden vermutlich drastisch steigen, und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraums ins Wanken geraten.

Es war ein Abend der unangenehmen Wahrheiten für den Hausherrn, die Bundesrepublik. Denn der Deutsche-Bank-Chef sprach nicht nur völlig unbefangen wiederholt das „F-Wort“ - Fiskalunion - aus. Er setzte auch einige kräftige Fragezeichen hinter das Rettungspaket, das der EU-Gipfel am Mittwoch vergangener Woche beschlossen hat - zu einer Zeit, die lange zurückzuliegen scheint, war es doch bevor der griechische Premier Papandreou mit der Idee eines Referendums in eine Tollhaus verwandelte.

Ein fundamentaler Widerspruch steckt seiner Ansicht nach in der Rettungsstrategie: „Wer ein Burden Sharing im Sinne der Beteiligung des Privatsektors fordert, stellt die Verlässlichkeit von Staatsanleihen infrage. Die Büchse der Pandora wurde geöffnet, die Rettungsaktion wird dadurch logisch konterkariert.“

Ganz frei von Widersprüchen ist aber auch Ackermann nicht, denn kurze Zeit später sagte er: „Griechenland muss von seinen 365 Milliarden Euro Schulden herunter, ohne einen teilweisen Schuldenerlass wird das nicht gehen, machen wir es also jetzt einmal.“ Einmal, das ist ganz wichtig für ihn: Griechenland soll auf jeden Fall eine Einzelfall bleiben, auf keinen Fall dürfe der Eindruck entstehen, mit Italien und Spanien könne man ähnlich umgehen.

Kommentare (39)

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Max

04.11.2011, 06:04 Uhr

„Wir haben A gesagt, jetzt müssen wir auch B sagen, indem wir das Ganze nach vorne bringen und die Schwächeren stärker unterstützen.“ sagt Herr Ackermann.Wen meint er mit "die Schwächeren". Sind es die, die nicht wirtschaften können? Wo große Summen in der Schattenwirtschaft verschwinden? Mit vollen Händen das Geld verkonsumiert wird und für unnötigige sogenannte "Sozial"leistungen verpulvert wird?

Ist er Kommunist geworden?

Account gelöscht!

04.11.2011, 06:20 Uhr

"Wer ein burden sharing im Sinne der Beteiligung des Privatsektors fordert, stellt die Verlässlichkeit von Staatsanleihen infrage."

Wer die Möglichkeit einer Staatspleite infrage stellt, stellt die freie Marktwirtschaft infrage. Wen Staatsanleihen "sicher" sein sollen, warum haben den nicht ALLE Staatsanleihe den gleichen Zins? Wo ist das Risiko?

Das trägt natürisch der Steuerzahler.

Wo sind die Medien? Wo sind die Kontroversen?

rxm

04.11.2011, 06:24 Uhr

Der Euro ist tot. Da gibt es nichts mehr zu retten. Das ist alles nur noch Wunschdenken von Politikern und Banker. Und je länger sich diese Kaste der Realität verweigert, umso teurer wird es für den Steuerzahler.

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