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22.03.2006

13:14 Uhr

Fit für die Zukunft

Kleine Börsen suchen Partner

VonTobias Moerschen

Die Konsolidierung unter den Börsen spielt sich nicht nur zwischen den globalen Marktführern ab. In den USA machen sich auch die regionalen Aktienmärkte fit für die Zukunft. Und das bedeutet: den Handel elektronisieren, in neue Märkte expandieren und Partner gewinnen.

NEW YORK. Das Management der Regionalbörsen von Philadelphia, Boston und Chicago fühlt sich angespornt durch das Kaufangebot der weitaus größeren US-Technologiebörse Nasdaq für die Londoner Börse. Damit erhöhte die Nasdaq vor zwei Wochen das Tempo im Fusionskarussell der Börsen.

„Dass der Konsolidierungsprozess jetzt global abläuft, erhöht meinen Appetit auf einen eigenen Deal, der auch über den Atlantik reichen kann“, sagte Meyer Frucher, Chef der Philadelphia Stock Exchange (PHLX), dem Handelsblatt. Als möglicher Partner gilt Eurex US, die Terminmarkt-Beteiligung der Deutschen Börse. Die bislang erfolglose US-Tochter sucht laut Deutscher Börse derzeit aktiv nach Partnern.

Mit Eurex US erhielte Frucher Zugang zu einem Terminmarkt. Damit erreichte er sein Ziel, Kassa-Aktienhandel, Optionen und Terminkontrakte (Futures) unter einem Dach anzubieten. Der PHLX-eigene Terminmarkt, genannt Philadelphia Board of Trade, ist noch nicht startklar. PHLX und Eurex US hätten vor Monaten über eine Kooperation gesprochen, verlautete aus informierten Finanzkreisen. Zum Stand der Gespräche wollten sich die Beteiligten nicht äußern.

Die Regionalbörse von Philadelphia hat sich bereits völlig neu ausgerichtet: Firmenchef Frucher machte aus dem trägen Mitgliederverein eine gewinnorientierte Aktiengesellschaft, er setzt die angekündigte Elektronisierung und Abschaffung des Parketthandels durch und gewann fünf Investmentbanken sowie einen Hedge-Fonds als Investoren. Die Wertpapierhäuser wollen mitverdienen an den Handelsaufträgen, die sie den Regionalbörsen täglich zuleiten. An PHLX erwarben die US-Banken Merrill Lynch, Morgan Stanley und Citigroup, die Schweizer UBS und Credit Suisse und der Hedge-Fonds Citadel zusammen 45 Prozent, die sie auf 89 Prozent erhöhen können. „Unsere Beteiligung ist eine Wette auf den Konsolidierungsprozess der Börsenbranche und der Versuch, von unserem Ordervolumen zu profitieren“, sagt der Handelschef einer der an PHLX beteiligten Banken.

Nach dem gleichen Muster wie Philadelphia hat Bostons Regionalbörse Anteile an Citigroup, Credit Suisse, Lehman Brothers und das Fondshaus Fidelity verkauft. Boston baut zudem seine elektronische Plattform aus und expandiert im Optionshandel. Die Chicagoer Regionalbörse verhandelt laut Marktgerüchten derzeit über einen Einstieg von Goldman Sachs, Bank of America und Bear Stearns. Marktbeobachter wie Unternehmensberater Josh Galper sehen Chicagos und Bostons Regionalbörsen zudem als mögliche Fusionspartner.

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