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08.05.2015

11:41 Uhr

Fitschen und Jain

Aktionäre misstrauen Deutsche-Bank-Managern

VonMichael Brächer, Michael Maisch

Auf der Hauptversammlung droht den beiden Co-Chefs der Deutschen Bank ein Aufstand der Aktionäre. Wichtige Spieler plädieren dafür, den Vorständen die Entlastung zu verweigern. Auch Großaktionären werden skeptischer.

Aktionärsvertreter wollen den Deutsche-Bank-Vorständen Jürgen Fitschen (link) und Anshu Jain die Entlastung verweigern. dpa

Doppelspitze in der Defensive

Aktionärsvertreter wollen den Deutsche-Bank-Vorständen Jürgen Fitschen (link) und Anshu Jain die Entlastung verweigern.

FrankfurtEs ist ein Misstrauensvotum gegen die Chefs des größten deutschen Bankhauses: Die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) will die Doppelspitze der Deutschen Bank bei der Hauptversammlung am 21. Mai nicht entlasten. Auch dem Aufsichtsrat spricht sie ihr Misstrauen aus. Mit ihrer Skepsis stehen die Vertreter der Kleinaktionäre nicht alleine da. Der einflussreiche US-Aktionärsberater ISS rät den Anlegern nach Berichten angelsächsischer Medien ebenfalls den Vorstand nicht zu entlasten.

Wichtigster Grund: Die Mängel bei der Aufarbeitung des Liborskandals. Die Deutsche Bank musste 2,5 Milliarden Dollar an die Behörden in den USA und Großbritannien bezahlen, um die Affäre um die Manipulation wichtiger Referenzzinsen beizulegen. Dabei warfen die Aufseher dem Geldhaus auch vor, die Aufklärung verschleppt zu haben, weshalb die Strafe noch höher ausfiel als ohnehin schon. „Die Deutsche Bank akzeptiert die Ergebnisse der Aufsichtsbehörden“, heißt es bei der Bank. Der Vergleich sei ein weiterer Schritt auf dem Weg, die Vergangenheit aufzuarbeiten. Man wolle das Vertrauen der Kunden, Aktionäre und der gesamten Gesellschaft zurückerlangen.

Noch ist nicht klar, wie viele Großaktionäre der Deutschen Bank dem Aufruf von ISS folgen werden. Jain und Fitschen pflegen die Beziehungen zu ihren wichtigsten Anteilseignern intensiv und könnten in den verbleibenden Tagen bis zur Hauptversammlung noch eine Charmeoffensive starten, aber das Misstrauen sitzt tief. „Bis vor zwei Wochen war eigentlich klar, dass wir den Vorstand entlasten, jetzt sind Zweifel aufgekommen“, heißt es bei einem Top-20-Aktionär der Bank. Und bei diesen Zweifeln geht es nicht nur um die Liboraffäre sondern auch um die neue Strategie der Bank.

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„Das Management hat große Erwartungen geweckt, und damit den Aktienkurs nach oben geredet, aber die Hoffnungen wurden nicht erfüllt“, klagt ein großer Vermögensberater. Die Deutsche Bank hatte nach monatelanger Diskussion beschlossen sich nach sieben Jahren wieder von der Postbank zu trennen, außerdem steht knapp jede dritte Filiale vor der Schließung und im Investmentbanking drohen schmerzhafte Einschnitte. Viele Analysten und Fondsmanager vermissten allerdings die Details zur Umsetzung der Strategie. Die will die Deutsche Bank erst in den nächsten drei Monaten nachliefern. Seit Verkündung der Neuausrichtung ist der Kurs um rund zehn Prozent gefallen.

Auch die DSW begründet ihre Ablehnung mit den Mängeln der neuen Strategie. Außerdem monieren die Aktionärsschützer, dass die Arbeit der beiden Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain „nicht dazu beigetragen, habe „das Vertrauen der Anleger in das Unternehmen wieder herzustellen.“ Schließlich sei auch der versprochene Kulturwandel bei der Bank nicht vorangekommen. „Im Gegenteil: Die Deutsche Bank steht weltweit wegen einer Reihe von Verfehlungen im Visier der Aufsichtsbehörden.“

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Die DSW rät ihren Mitgliedern zudem, gegen eine Entlastung des Aufsichtsrats zu stimmen. Dem Gremium unter Führung von Paul Achleitner sei es nicht gelungen, die Unstimmigkeiten innerhalb des Vorstands über die neue Strategie der Bank zu befrieden. „Übrig geblieben ist damit lediglich ein kleiner Strategieschwenk.“

Dagegen scheinen die meisten Großaktionäre keine größeren Probleme bei der Arbeit des Aufsichtsrats zu sehen. Um so skeptischer fällt die Beurteilung der Vorstandsdoppelspitze aus: „Wir haben noch nicht über eine Entlastung entschieden, heißt es bei einem großen Vermögensverwalter. „Im Moment tendieren wir eher dazu, Jain und Fitschen noch eine Chance zu geben, aber es wäre dann auch nur noch die eine Chance“. Aber egal wie die Entscheidung am Ende ausfalle, der Deutschen Bank drohe „so oder so eine extrem unschöne Hauptversammlung“.


Kommentare (3)

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Account gelöscht!

08.05.2015, 11:52 Uhr

Anshu ist Investmentbanker durch und durch. Die Leitung einer Universalbank zählt auch nicht zu den Kernkompetenzen eines Investmentbankers (Stichwort: Irrwege einer neuen Geschäftsphilosophie, Kulturwandelblödsinn etc.). Daher wurde ihm (Biedermeier) Nice-Guy-Fitschen an die Seite gesetzt.

Als langjähriger Händler am Handelstisch für Eurex-Derivate (Prop-Trading und Marketmaking) bei der Dt. Bank war meine Forderung schon damals beim alten Brötchengeber; Trennung der Investmentbank vom Rest. Anschließend die Investmentbank in eine Holding umzufirmieren und in irgendeine Steueroase als Monster-Hedgefonds sicher vor der Regulierungswut der Politik zu verlegen. Der Nachteil auf (billiges) Zentralbankgeld verzichten zu müssen, wird von den Vorteilen Geschäfte dann machen zu können, die momentan nicht bzw. nicht mehr erlaubt sind und einer deutlich geringeren Steuerlast mehr als kompensiert.

Ps: Joe und Anshu waren besten Chefs und Mentoren, die man(n) sich wünschen kann. Joe hat den Eigenhandel bei der Dt. Bank überhaupt erst aus dem Dornröschenschlaf geholt und seinerzeit dabei die nationalen Wettbewerber (Dresdner, Commerzamt etc.) an die Wand geklatscht und auf ein Niveau mit der internationalen Elite (Goldman, Citi und JP Morgan) gesetzt. Habe dort alle Fähigkeiten beigebracht bekommen, die man(n) braucht um sein Geld mit Geld zu verdienen bzw. aus Geld mehr Geld zu machen.


Grüße aus Downtown-Mainhattan. Der schönsten Stadt Deutschlands. And the heartbeat of financial €urope and HQ of Super-Mario.


Ralph

Investmentbanker (CFA, Eurex- und Xetra-Lizenz)
- selbst. Börsenhändler -
Algo- und System-Trading

Handelsbuch mit 5,0 Mio. € Handelslimit, genehmigt durch die hinterlegte Sicherheit in physischen Gold auf dem Margin-Konto

Herr Fritz Tolas

08.05.2015, 17:05 Uhr

Selber Schuld, wer Bankaktien hält. Das Geschäftsmodel ist doch seit lehman offengelegt. Lügen, Betrügen und Gestze brechen, so lange die Gewinne hieraus größer sind, als die Summe der Anwaltshonorare, Gerichkosten, Strafzahlungen und Schadenersatzforderungen.

Von daher ist das Bankgeschäft eine sehr undurchsichtige und schlecht kalkulierbare Geschäftsform und daher nur für insider bedingt geeignet. Und die haben dan auch kein Problem mit Jain und Fitschen.

Herr Peter Spiegel

08.05.2015, 18:42 Uhr

Schade, daß die Mafia keine Aktien vergibt man wäre dann als Firma nicht so oft mit dem Gesetz konfrontiert.

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