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03.07.2012

14:17 Uhr

FMS Wertmanagement

Bad-Bank-Chef schiebt Eurokrise schwarzen Peter zu

Die Bad Bank der Hypo Real Estate schreibt Verluste von fast zehn Milliarden Euro. Schuld sei die Eurokrise, sagt FMS-Chef Bluhm. Und auch Ex-HRE-Vorstandschef Georg Funke sucht die Schuld für das Desaster bei anderen.

Die FMS Wertmanagement ist die Bad Bank der verstaatlichten Hypo Real Estate (HRE). dpa

Die FMS Wertmanagement ist die Bad Bank der verstaatlichten Hypo Real Estate (HRE).

München/MallorcaDie Bad Bank des verstaatlichten Immobilienfinanzierers HRE hat 2011 knapp zehn Milliarden Euro Verlust gemacht und bekommt dieses Geld vom staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin wieder. Das Auffanginstitut FMS Wertmanagement, in das die Altlasten der Hypo Real Estate (HRE) ausgelagert wurden, wies für das erste volle Geschäftsjahr ein Minus von 9,97 Milliarden Euro aus. Davon werden 9,9 Milliarden vom Soffin ausgeglichen.

Vorstandssprecher Christian Bluhm sagte am Dienstag in München, wenn die Eurokrise gelöst werde, „kann die FMS 2012 unter Umständen ein ausgeglichenes Geschäftsergebnis erzielen. Wenn nicht, werden die Lasten bestehen bleiben. Der Ausgang dieser Eurokrise ist für uns absolut matchentscheidend.“

Die Bad Bank der Hypo Real Estate

Abwicklungsanstalt FMS

Die FMS Wertmanagement ist eine Abwicklungsanstalt, die die hochriskanten Giftpapiere der Krisenbank HRE als so genannte Bad Bank übernommen hat. Sie ist im Sommer 2010 gegründet worden, damit die verstaatlichte Immobilienbank Hypo Real Estate, die mittlerweile als Deutsche Pfandbriefbank auftritt, nach der Finanzkrise einen wirtschaftlichen Neubeginn starten konnte.

Die Aufgaben

Im Oktober 2010 lagerte die HRE Risikopapiere im Wert von 175 Milliarden Euro in die Bad Bank aus. Diese giftigen Papiere soll die FMS Wertmanagement in den kommenden zehn Jahren möglichst ohne größere Verluste wieder zu Geld machen. Die Abkürzung FMS steht für Finanzmarktstabilisierung.

Wer für Verluste zahlt

Für die Verluste der öffentlich-rechtlichen Abwicklungsanstalt kommt der staatliche Rettungsfonds Soffin auf, letztendlich also der Steuerzahler. Im ersten vollständigen Geschäftsjahr 2011 verhagelte die Griechenland-Krise das Ergebnis. Die Risikovorsorge für die Hellas-Papiere betrug 8,9 Milliarden Euro. Insgesamt steht ein Verlust von 9,97 Milliarden Euro zur Buche.

Personal

Die HRE-Bad-Bank beschäftigt der Bilanz zufolge 92 Mitarbeiter. Mitte des Jahres waren es noch rund 70 Mitarbeiter. Zudem greift die Abwicklungsanstalt je nach Bedarf auf externe Dienstleister zurück, die auch beratend tätig sind, und kooperiert mit Unternehmen der HRE-Gruppe.

Die Köpfe der FMS

Den Vorstand der FMS Wertmanagement teilen sich Christian Bluhm und Ernst-Albrecht Brockhaus. Bluhm war zuvor im Management der Bank Credit Suisse, Brockhaus kommt von der Bayerischen Landesbank, wo er auch für die Liquiditätsplanung und -sicherung der BayernLB zuständig war. Die FMS hat einen aus sechs Mitgliedern bestehenden Verwaltungsrat.

Wieviel Geld sein Institut künftig noch vom Soffin brauchen werde, wollte Bluhm nicht benennen. „Weil es einfach nicht seriös wäre, das mit einer Geldmenge zu beziffern.“ Im Portfolio gebe es Laufzeiten bis 2070, erläuterte Bluhm, der zugleich auch Finanz- und Risikochef ist. In den schuldengeplagten Ländern Italien und Spanien sei die FMS mit rund 30 Milliarden beziehungsweise über zehn Milliarden Euro engagiert.

Vom Dilemma samt Schuldenschnitt in Griechenland ist die Bad Bank besonders betroffen, weil sie in der deutschen Finanzbranche am stärksten dort engagiert ist. Allein die Risikovorsorge aus dem Griechenland-Engagement der FMS belief sich im vergangenen Jahr auf 8,9 Milliarden Euro. Gegen eine solche Größenordnung, die auf einen einzelnen Schuldner entfalle, „kann man im Grunde genommen gar nicht ankämpfen“, sagte Bluhm.

An dem Beinahe-Zusammenbruch der seit 2009 verstaatlichten Hypo Real Estate weist der frühere Vorstandschef Georg Funke weiter jede Schuld zurück. Es seien nicht seine Fehler gewesen, die die Schieflage der Bank ausgelöst hätten. „Eine Rufschädigung auf Basis falscher Anschuldigungen ist automatisch eine Situation, mit der man sich definitiv nicht einverstanden erklären kann und ich mich auch nicht einverstanden erkläre“, sagte Funke im Interview mit dem ZDF-Magazin „Frontal 21“.

Auch das große Engagement der HRE in Griechenland sei kein Fehler gewesen. „Aus der damaligen Sicht waren die Länder der Eurozone krisensicher“, sagte Funke dem Sender. „Ich glaube, dass eine Staatspleite Griechenlands aus damaligen Sicht nicht vorhersehbar war.“ Im Gegenteil, so etwas sei „unvorstellbar gewesen“. Darüber hinaus habe die HRE stets Risiken benannt, wie jede andere Bank das auch gemacht habe. „In allen Veröffentlichungen haben wir jeweils immer darauf hingewiesen, dass entweder keine Marktverwerfungen zusätzlich kommen dürfen oder auf sonstige Risikofaktoren hingewiesen“, sagte der auf Mallorca lebende Ex-Vorstandschef.

Kommentare (20)

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Account gelöscht!

03.07.2012, 11:41 Uhr

Wie war das noch, Herr Schäuble? Der deutsche Steuerzahler macht keinen Verlust bei der Verstaatlichung der HRE???

Also wenn knapp 10 MRD € kein Verlust sind, dann möge er mir die bitte auch überweisen.

Calenberg

03.07.2012, 11:49 Uhr

Wie gut, daß es demnächst den ESM gibt, der dann ja auch einzelne Banken direkt retten können soll. Die FSM braucht ja nur 160 Milliarden, dann geht's ihr wieder gut. Das müßte der ESM doch im Handumdrehen schaffen.
Ich würde sooo gerne das dumme gesicht von Rajoy, Monti und Hollande sehen, wenn sie das geld anstatt in die eigenen Kassen in eine deutsche Bank einleiten müßten.
Aber schade, wird wohl nnur ein schöner Traum bleiben.

Account gelöscht!

03.07.2012, 11:53 Uhr

ich habe noch ein Sparschweinchen von der Hypo Vereinsbank, habe ich jetzt auch Verluste?

Ziel der Verstaatlichung war doch die kapitalmarktferne Restrukturierung der Bank, so dass diese in einigen Jahren wieder profitabel an die Börse gebracht werden kann.(Schäuble Depple)

Ist ja egal, die 10 Mrd. muss ja eh nur die Soffin bezahlen

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