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22.04.2013

07:01 Uhr

FMS Wertmanagement

„Bad Bank“ der kollabierten HRE erzielt erstmals Gewinn

Der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate musste in der Finanzkrise mit Milliarden gestützt werden. Die ausgelagerte „Bad Bank“, welche die Altlasten abwickelt, hat Presseberichten zufolge einen kleinen Gewinn erzielt.

Die FMS Wertmanagement wickelt die faulen Papiere der Hypo Real Estate ab. dpa

Die FMS Wertmanagement wickelt die faulen Papiere der Hypo Real Estate ab.

FrankfurtDie Bad Bank für die Altlasten der verstaatlichten Hypo Real Estate (HRE) hat informierten Personen zufolge im vergangenen Jahr einen kleinen Gewinn erzielt. Die Abwicklungsbank FMS Wertmanagement (FMSW) habe 2012 einen Überschuss von 37 Millionen Euro erwirtschaftet, sagte eine mit den Zahlen der FMSW vertraute Person. Dies berichten das Magazin „Spiegel“ und die Nachrichtenagentur Reuters.

Der Trend hatte sich bereits im ersten Halbjahr abgezeichnet. So hatte das Institut unterstützt von anziehenden Finanzmärkten von Januar bis Juni seinen Verlust auf 50 (Vorjahreszeitraum: 689) Millionen Euro reduziert. Auch in der zweiten Jahreshälfte hatte sich die Erholung an den Finanzmärkten weitgehend fortgesetzt. Dadurch hätten sich die Altlasten um 38 Milliarden Euro reduziert, sagte der Insider. Ein FMSW-Sprecher lehnte einen Kommentar ab.

Die Bad Bank der Hypo Real Estate

Abwicklungsanstalt FMS

Die FMS Wertmanagement ist eine Abwicklungsanstalt, die die hochriskanten Giftpapiere der Krisenbank HRE als so genannte Bad Bank übernommen hat. Sie ist im Sommer 2010 gegründet worden, damit die verstaatlichte Immobilienbank Hypo Real Estate, die mittlerweile als Deutsche Pfandbriefbank auftritt, nach der Finanzkrise einen wirtschaftlichen Neubeginn starten konnte.

Die Aufgaben

Im Oktober 2010 lagerte die HRE Risikopapiere im Wert von 175 Milliarden Euro in die Bad Bank aus. Diese giftigen Papiere soll die FMS Wertmanagement in den kommenden zehn Jahren möglichst ohne größere Verluste wieder zu Geld machen. Die Abkürzung FMS steht für Finanzmarktstabilisierung.

Wer für Verluste zahlt

Für die Verluste der öffentlich-rechtlichen Abwicklungsanstalt kommt der staatliche Rettungsfonds Soffin auf, letztendlich also der Steuerzahler. Im ersten vollständigen Geschäftsjahr 2011 verhagelte die Griechenland-Krise das Ergebnis. Die Risikovorsorge für die Hellas-Papiere betrug 8,9 Milliarden Euro. Insgesamt steht ein Verlust von 9,97 Milliarden Euro zur Buche.

Personal

Die HRE-Bad-Bank beschäftigt der Bilanz zufolge 92 Mitarbeiter. Mitte des Jahres waren es noch rund 70 Mitarbeiter. Zudem greift die Abwicklungsanstalt je nach Bedarf auf externe Dienstleister zurück, die auch beratend tätig sind, und kooperiert mit Unternehmen der HRE-Gruppe.

Die Köpfe der FMS

Den Vorstand der FMS Wertmanagement teilen sich Christian Bluhm und Ernst-Albrecht Brockhaus. Bluhm war zuvor im Management der Bank Credit Suisse, Brockhaus kommt von der Bayerischen Landesbank, wo er auch für die Liquiditätsplanung und -sicherung der BayernLB zuständig war. Die FMS hat einen aus sechs Mitgliedern bestehenden Verwaltungsrat.

In die FMSW hat die HRE toxische Kredite und Wertpapiere im Volumen von über 175 Milliarden Euro ausgelagert, um selbst einen Neuanfang zu schaffen. Die Immobilienbank - Deutschlands größter Pleitefall - war in der Finanzkrise kollabiert. Nur dank Staatshilfen hat das Institut überlebt. Die Altlasten sollen nun von der FMSW in den nächsten Jahren mit so geringen Verlusten wie möglich abgebaut werden. Ende Juni umfasste das Portfolio mit großen Beständen italienischer und spanischer Anleihen noch gut 151 Milliarden Euro.

Zudem liebäugelt die FMSW damit, ihre Refinanzierung umzustellen und sich in Zukunft über die Finanzagentur des Bundes Geld zu beschaffen. „Die Finanzagentur refinanziert sich um einige Basispunkte günstiger als die FMSW und daher erwägen wir, ob die FMSW sich nicht teilweise über die Finanzagentur finanzieren sollte“, sagte der Insider. Allerdings werde sich die FMSW auch weiterhin in Fremdwährungen selbst refinanzieren und kurzfristige Mittel selbst am Geldmarkt aufnehmen, sagte der Insider.

Nur etwa ein Viertel der nötigen Refinanzierungen könne daher wohl über die Finanzagentur bewerkstelligt werden. Laut „Spiegel“ dürfte eine Entscheidung erst nach der Bundestagswahl im Herbst fallen, ob die Finanzagentur für die FMSW den Teil der Refinanzierung übernimmt, der in Euro am Kapitalmarkt erfolgt.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Gast

22.04.2013, 08:25 Uhr

Wenn das nicht vollkommen krank ist, weiss ich nicht, was noch passieren muss.

buchacher

04.08.2013, 18:37 Uhr

Laut Finanzbericht 2012 (web-site) der FMS ist der Gewinn 33 Millionen Euro.
Die Personalkosten für 133 Mitarbeiter betragen 21 Mill. Euro. Das sind durchschnittlich 150 000,-- Euro Jahresgehalt pro Mitarbeiter. 315 Millionen allgemeine Verwaltungsaufwendungen wurden ausgelagert in pbb der HRE Gruppe.
Ich werde das Gefühl nicht los, daß wir hier bilanztechnisch an der Nase herumgeführt werden. Die Einrichtung einer Bad Bank ist höchst fragwürdig und kaufmännisch wie volkswirtschaftlich meiner Meinung nach kein Weg.
Ich wünsche mir mehr Fachkompetenz in Politik und in öffentlicher Verwaltung.

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