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15.04.2015

13:27 Uhr

Förderbank

KfW bereitet sich auf negative Zinsen für Kredite vor

Die KfW wagt sich an ein heikles Thema heran: Soll man Kreditnehmer dafür belohnen, dass sie Schulden machen? Die extrem niedrigen Zinsen infolge der Notenbankpolitik zwingen die Branche zum Umdenken.

Die Förderbank hat im vergangenen Jahr auf gut 1,5 Milliarden Euro gesteigert. dpa

KfW-Zentrale in Frankfurt

Die Förderbank hat im vergangenen Jahr auf gut 1,5 Milliarden Euro gesteigert.

FrankfurtDie Förderbank KfW bereitet sich wegen der Niedrigzinsphase grundsätzlich auf negative Zinsen für Darlehen vor. Viele Investoren werfen dem Institut frisches Geld hinterher und sind bereit, dafür sogar noch etwas zu zahlen. „Die Frage ist: Müssen wir unseren Vorteil aus dem Funding nicht weitergeben?“, sagte KfW-Chef Ulrich Schröder am Mittwoch in Frankfurt. Im Ergebnis könnten Verbraucher über ihre Hausbank günstiger an KfW-Fördermittel kommen.

„Wir werden als KfW sicher nicht die ersten sein, die das umsetzen“, betonte Schröder. „Aber wir müssen uns darauf vorbereiten.“ IT-Systeme müssten umgebaut werden, rechtliche Fragen seien zu klären, Geschäftsbanken müssten mitziehen. „Ehe dieser Rubikon überschritten ist, sind noch sehr, sehr viele Fragen zu diskutieren“, fasste Schröder zusammen.

Im vergangenen Jahr steigerte das vom Bund (80 Prozent) und den Ländern (20 Prozent) kontrollierte Institut seinen Gewinn auf gut 1,5 Milliarden Euro. Entgegen der Erwartungen wurde das Vorjahresergebnis von rund 1,3 Milliarden Euro übertroffen. Das Management erklärte den Gewinnsprung allerdings mit Sondereffekten: Die positive Entwicklung resultiere vor allem aus dem sehr guten Bewertungsergebnis. Die Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite lag deutlich unter Plan.

Zudem wäre das Vergleichsjahr 2013 besser ausgefallen, hätte die KfW seinerzeit nicht Begehrlichkeiten der Politik befriedigen müssen: Zwar war die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung nach Widerständen von der Forderung abgerückt, zumindest einen Teil des KfW-Gewinns an den Bund auszuschütten. Stattdessen übernahm die Staatsbank jedoch 264 Millionen Euro staatliche Förderleistungen für die Energiewende aus dem Energie- und Klimafonds (EKF). Das drückte den Gewinn.

Für das laufende Jahr prognostizierte Schröder einen wieder sinkenden Überschuss. „Das Jahr 2015 wird uns ermöglichen im Rahmen des langfristigen nachhaltigen Konzerngewinns von einer Milliarde Euro zu agieren. Das erste Quartal ist ausgesprochen ordentlich gelaufen.“ Im Fördergeschäft sei erneut ein Volumen „in der Gegend von 70 Milliarden Euro“ zu erwarten. Allerdings setze sich der Trend zu einer Verschiebung des Engagements vom Inland ins Ausland fort. Der deutsche Mittelstand schwimme aktuell in Krediten und Eigenmitteln.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Manfred Zimmer

16.04.2015, 09:29 Uhr

Nicht nur die Banken müssen umdenken, sondern auch die Richter.

Stellen Sie sich vor, dass Sie mir wissentlich 1.000 € leihen und Sie sich gleichzeitig im Voraus bereits erklären, dass meine Schuld getilgt ist, wenn ich Ihnen wieder 100 € davon zurückgebe.

Früher war das ein Fall der Untreue. Heute ist es Teil des neu geschriebenen Geschäftsmodells.

Meine Frage ist dann noch wie dann sogenannte Vorfälligkeitsentschädigungen zu berechnen sind. Muss der Kreditkunde dann etwa ein Teil des ihm geschenkten Geldes wieder zurück erstatten, weil er nicht den vollen Betrag geschenkt haben will?

Da soll einmal behaupten, dass wir keine italienischen Verhältnisse haben! Früher gab es in Deutschland einmal so etwas wie einen Ehrenkodex, zumindest in der Denke beim Bürger, dass wir einen Rechtsstaat hätten.

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