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11.01.2005

08:25 Uhr

Form der Trennung ist noch nicht bekannt

Gewerkschaften planen Beteiligungsverkauf

Die Gewerkschafts-Holding BGAG will sich von weiteren Beteiligungen trennen. Im Moment stehen alle Bereiche bis auf den Bund-Verlag auf dem Prüfstand, sagte ein Sprecher der BGAG.

huh/kk FRANKFURT/M. Um ihre Finanzen aufzubessern, erwägt die Holding, sich unter anderem von den Beteiligungen am Baufinanzierer BHW und an der Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) zu trennen. Die beiden Investments machen etwa zwei Drittel des Beteiligungs-Volumens der Gewerkschaftler aus. In der Vergangenheit hat sich die BGAG bereits von den Anteilen an den Kreditinstituten BfG und DiBa getrennt. Vertreter der Gewerkschaften im BGAG-Aufsichtsrat wollten gestern keinen Kommentar abgeben.

Mit der AHBR würde sich die BGAG, an der der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mit rund 20 Prozent und weitere Einzelgewerkschaften beteiligt sind, von einem langjährigen Problemfall trennen. Im Herbst 2001 geriet die Hypothekenbank in Schieflage, weil sie die Zinsentwicklung falsch eingeschätzt und sich bei ostdeutschen Immobilien verspekuliert hatte. Die beiden Großaktionäre – neben der BGAG ist die BHW mit 39,5 Prozent an der AHBR beteiligt und hält die Mehrheit der Stimmrechte – mussten insgesamt 650 Mill. Euro zuschießen, 350 Mill. Euro entfielen auf die Gewerkschaftler.

Den AHBR-Aktionären drohen jedoch schon bald neue Negativ-Nachrichten. Zum einen legt der Prüfungsverband privater Banken in den kommenden Wochen seinen Bericht vor, der voraussichtlich einen Wertberichtigungsbedarf von bis zu 100 Mill. Euro vorsehen wird. Zum anderen prüft die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) derzeit, inwieweit die Hypothekenbank darüber hinaus zusätzliche finanzielle Mittel benötigt. Die Schätzungen reichen von 360 Mill. Euro bis 600 Mill. Euro.

Ein Sprecher der AHBR bestätigte, dass die Hypothekenbank mit einer Wertberichtigung von rund 100 Mill. Euro rechne. „Der Bedarf sollte aber aus der bestehenden Vorsorge und dem Geschäftsergebnis abzudecken sein“, sagte er. Zu einer möglichen, zusätzlichen Kapitalspritze von 360 Mill. Euro bis 600 Mill. Euro wollte er sich nicht äußern. Er wies jedoch darauf hin, dass in der Aktionärsvereinbarung vom Frühjahr 2002 zur Rettung des Instituts über die 650 Mill. Euro hinausgehende Zusagen gemacht worden seien. Sprecher von BHW und BaFin wollten sich nicht äußern. Ein BGAG-Sprecher sagte, von einem zusätzlichen Kapitalbedarf sei ihm nichts bekannt. AHBR soll für 2004 einen geringen Gewinn ausweisen. Die Gewerkschafts-Holding hat im Dezember den Sanierungsspezialisten Helmut Balthasar als Vorstand an Bord geholt, damit er das Portfolio der BGAG neu ordnet. „Am Ende des Prozesses wird sich die Frage stellen, ob es die BGAG in ihrer heutigen Form noch geben wird“, sagte Balthasar der Financial Times Deutschland. Es gebe keine Denkverbote. Der BGAG-Vorstandschef Rolf Freyburg sprach von kurzfristigen Verkaufszielen.

In welcher Form sich die Gewerkschaftsholding BGAG von ihren Beteiligungen an BHW und AHBR trennen wird, ist noch nicht entschieden. Sollten die Gewerkschaftler ihr BHW-Paket an die Börse bringen, würde das dem Streubesitz der Aktie – also dem Anteil an frei handelbaren Papieren – helfen, wie ein Sprecher des Immobilienfinanzierers betonte. Analysten zufolge ist es wegen des niedrigen BHW-Aktienkurses allerdings wahrscheinlicher, dass die Holding einen externen Investor sucht.

Bei einem Verkauf der AHBR-Anteile stehen die Gewerkschafter dagegen vor dem gleichen Problem wie das BHW-Management. BHW-Vorstandsvorsitzender Reinhard Wagner hatte im vergangenen Jahr im Gespräch mit dem Handelsblatt bereits seine Absicht erklärt, sich von der Hypothekenbank zu trennen. Ein Käufer für das problembehaftete Unternehmen zu finden, dürfte sich jedoch als sehr schwierig erweisen.

Hinzu kommt, dass in diesem Jahr mit der Novelle des Pfandbriefgesetzes das Spezialbankprinzip wegfällt, so dass nicht mehr nur Hypothekenbanken und Landesbanken Pfandbriefe begeben dürfen. Damit verliert die AHBR zusätzlich an Attraktivität.

BGAG-Vorstandschef Freyberg nannte für das Immobiliengeschäft der Gewerkschaft – vornehmlich die BauBeCon Holding AG – die Möglichkeit, Wohnungen zu verkaufen. „Die Preise, die hier derzeit gezahlt werden, sind schon erstaunlich gut“, sagte er. Zur BGAG gehören über Töchter rund 19 800 Wohn- und Gewerbeimmobilien. An den Büro- und Geschäftsgebäuden solle festgehalten werden.

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