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01.08.2013

17:57 Uhr

Fragwürdiges Pensionssystem

WestLB-Nachfolger betreibt Briefkastenfirma auf Jersey

ExklusivAuf der Kanalinsel Jersey hatte die WestLB einen fragwürdigen Pensionsplan für Mitarbeiter aufgelegt. Die Nachfolgebank Portigon setzt das System fort – obwohl es in ähnlichen Fällen bereits Rechtsstreitigkeiten gibt.

DüsseldorfDie ehemalige Westdeutsche Landesbank (WestLB) hat mehr als ein Jahrzehnt über eine Briefkastenfirma auf Jersey ein fragwürdiges Pensionssystem für ihre Mitarbeiter in London betrieben. Das berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf Insiderkreise und Unterlagen aus Registern der Kanalinsel. Die Firma, die 1998 gegründet wurde, sei bis 2012 unter dem Namen WestLB International Services Ltd. geführt worden. Danach wurde sie in Portigon International Services Ltd. umfirmiert. Die britische Kanalinsel Jersey gilt als Steueroase, die bisher kaum am internationalen Austausch von Bankdaten teilnimmt.

Der Pensionsplan wird von dem WestLB-Nachfolgeunternehmen Portigon bis heute fortgeführt, wie Portigon auf Nachfrage bestätigte. Portigon und das Finanzministerium Nordrhein-Westfalen berufen sich jedoch darauf, dass dahinter ein international anerkanntes und von den britischen Steuerbehörden gebilligtes System zur Altersvorsorge durch Gehaltsumwandlung stecke.

Teilnehmer des Pensionsplans seien ehemalige Mitarbeiter der WestLB, die nicht dauerhaft in London beheimatet waren. Zum finanziellen Volumen des Pensionsplans sowie zur Zahl der Teilnehmer und deren Funktion äußerte sich Portigon nicht.

So wurde die WestLB zerschlagen

Zerschlagung

Die WestLB ist seit dem 30. Juni 2012 Geschichte. Das Geldhaus, das auf die 1832 in Münster gegründete Westfälische Provinzial-Hülfskasse zurückgeht, wurde in drei Teile zerschlagen.

Verbundbank I

Sie umfasst das Sparkassengeschäft der WestLB - und wurde von der Frankfurter Helaba übernommen. 451 Mitarbeiter der WestLB wechselten dabei den Arbeitgeber. Die Helaba übernahm nach langem Poker mit den WestLB-Eignern - dem Land NRW und den beiden örtlichen Sparkassenverbänden - sowie der bundesweiten Sparkassenorganisation Geschäfte mit einer Bilanzsumme von rund 40 Milliarden Euro.

Verbundbank II

Eine Milliarde Euro erhielt die Verbundbank als Mitgift – die beiden NRW-Sparkassenverbände polsterten die Kapitaldecke der Verbundbank mit 500 Millionen Euro auf, weitere 500 Millionen Euro steuerten die Sicherungseinrichtungen der Sparkassen-Finanzgruppe bei. Diese wurden im Gegenzug an der Helaba beteiligt. Die vor allem in Hessen und Thüringen aktive Helaba konnte damit nach Nordrhein-Westfalen expandieren.

Erste Abwicklungsanstalt I

Die EAA ist die Bad Bank der WestLB - sie soll bis voraussichtlich 2027 die unverkäuflichen Überbleibsel der Bank abwickeln. Die Resterampe der Landesbank wurde im Dezember 2009 aus der Taufe gehoben. Die beiden Vorstände Markus Bolder und Matthias Wargers begannen danach, Käufer für Risikopapiere und Geschäftsbereiche der WestLB mit einem Volumen von rund 77,5 Milliarden Euro zu suchen. Mitte 2012 standen davon noch rund 45 Milliarden Euro in den Büchern der EAA.

Erste Abwicklungsanstalt II

Auf Bolder und Wargers kommt nun aber neue Arbeit zu: Portfolios mit einem Volumen von rund 100 Milliarden Euro, darunter auch der Immobilien-Finanzierer WestImmo, landeten aus der Erbmasse der WestLB bei der EAA. Die Übertragung soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Für Verluste aus der Abwicklung stehen Steuerzahler und Sparkassen gerade. Allein für das mit besonders risikoreichen Papieren bestückte, „Phoenix“-Portfolio haben Land und Sparkassen Garantien in einer Höhe von fünf Milliarden Euro gegeben.

Portigon I

Am 1. Juli 2012 ging das neue Serviceinstitut an den Start. Rund 3500 Mitarbeiter sollte Portigon zunächst haben, bis Jahresende sollen es dann weniger als 2700 Menschen sein – und die Zahl der Beschäftigten soll in Zukunft weiter schrumpfen, bis Ende 2016 soll das Service-Geschäft verkauft sein.

Portigon II

Die Portigon-Mitarbeiter werden sich zunächst vor allem mit gut bekannten Geschäftsvorgängen beschäftigen: Sie sollen die EAA bei der Abwicklung ihrer Milliarden-Portfolien unterstützen. Diese strebt selbst einen Personalstand von rund 100 Mitarbeitern an. Auch Portigon wurde mit einer Finanzspritze auf den Weg geschickt: Das Land Nordrhein-Westfalen gab eine Milliarde Euro – es ist nun auch alleiniger Eigner von Portigon.

Das Altersvorsorgesystem und die involvierten Firmen auf Jersey weisen allerdings große Ähnlichkeiten mit einem von der Schweizer Großbank UBS geplanten Schema zur Steuervermeidung auf. Die UBS hatte für das Steuerjahr 2003 versucht, ein System zu etablieren, um britische Einkommensteuer und Sozialversicherungsabgaben auf Boni ihrer nicht auf Dauer in London residierenden Banker zu vermeiden. Auch ein zur Deutschen Bank gehörendes Unternehmen hatte einen solchen Plan aufgelegt.

Über die Legalität der Modelle von UBS und der DB Group Services streiten die Banken derzeit in dritter Instanz vor den britischen Finanzgerichten.

Von

ke

Kommentare (2)

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Marc

01.08.2013, 20:08 Uhr

"Über die Legalität der Modelle von UBS und der DB Group Services streiten die Banken derzeit in dritter Instanz vor den britischen Finanzgerichten." Interessant! Leute wie der Uli müssen vielleicht noch in den Knast und die Bankster möchten diesen Betrug noch legalisieren. Verrückte Welt.

Account gelöscht!

01.08.2013, 20:23 Uhr

Bei der West LB ist wirklich sehr vieles sehr fragwürdig. Verwunderung oder gar Empörung habe ich in diesem Zusammenhang längst eigestellt.

Die WestLB ist aus dem Bankhaus Delbrück Schickler und Co. hervorgegangen und dieses Bankhaus wiederum war Verwalter des Treuhandfonds der NSDAP. (auf diesen Treuhandfonds wurden z. Bsp. am 27. Februar, dem Tag des Reichstagsbrandes, 400.000 Mark von der IG Farben eingezahlt. Ein Schelm wer böses dabei denkt...)

Der Gründer dieser Bank war Adelbert Delbrück (er war auch Mitbegründer der Deutschen Bank), dessen Urgroßneffe ist, welch Überraschung - Peer Steinbrück, der merkwürdigerweise bis zu deren Aufspaltung wieder im Vorstand der WestLB saß...

und so schließt sich wieder mal einer der vielen Kreise aus finanzpolitischen Verbandelungen und Abhängikeiten und die Erkenntnis, dass die Welt nichts aus der Geschichte gelernt hat.

Wie sagte schon Thomas Jefferson...
Ich meine, dass Bankinstitute unsere Freiheiten stärker gefährden als stehende Armeen. Wenn das amerikanische Volk den Privatbanken jemals die Herausgabe ihres Geldes erlaubt, dann werden die Banken, zuerst durch Inflation, dann durch Deflation, den Menschen ihr gesamtes Eigentum rauben, bis ihre Kinder auf dem von ihren Vätern eroberten Kontinent obdachlos aufwachen. Das Recht der Geldschöpfung sollte den Banken genommen und dem Volk zurückgegeben werden, dem es ordnungsgemäß gehört.

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