Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.08.2016

17:57 Uhr

Franken-Kredite

Polen will auf Zwangsumtausch verzichten

Polen will auf den Zwangsumtausch von Franken-Krediten verzichten und stattdessen Anreize für einen freiwilligen Umtausch schaffen. Ein Gewinn für die polnische Commerzbank-Tochter mBank, die jene Kredite vertrieben hat.

In den Jahren 2007 und 2008 hatten rund 500.000 Polen Hypotheken zu niedrigen Zinsen in Franken aufgenommen. Inzwischen ist der Franken zum Zloty aber um gut 80 Prozent gestiegen. Reuters

Polnische Währung Zloty

In den Jahren 2007 und 2008 hatten rund 500.000 Polen Hypotheken zu niedrigen Zinsen in Franken aufgenommen. Inzwischen ist der Franken zum Zloty aber um gut 80 Prozent gestiegen.

WarschauAufatmen bei den polnischen Banken: Die Regierung in Warschau verzichtet nun doch auf einen milliardenschweren Zwangsumtausch von Franken-Hypotheken. Stattdessen sollen die Finanzinstitute indirekt dazu gebracht werden, die vor fast zehn Jahren in großer Zahl ausgereichten Fremdwährungs-Darlehen wenigstens zum Teil in Zloty umzuwandeln.

Die Hoffnung, dass das für die Geldhäuser deutlich billiger wird, trieb am Dienstag die Aktien von Banken wie der Commerzbank-Tochter mBank um bis zu 14 Prozent nach oben.

Die polnische Finanzmarktaufsicht KNF hatte gewarnt, dass der Umtausch umgerechnet 15 Milliarden Euro kosten und das Finanzsystem damit ins Wanken bringen könnte. Polnische Banken und ihre ausländischen Eigentümer, darunter auch die Deutsche Bank und die österreichische Raiffeisen Bank International, waren gegen die Pläne Sturm gelaufen.

Gewinnziel einkassiert, Aktie rutscht ab: Abschied vom Gewinnziel

Gewinnziel einkassiert, Aktie rutscht ab

Commerzbank auf Rekordtief

Mehr als eine Milliarde Euro Gewinn hatte die Commerzbank im vergangenen Jahr gemacht. In diesem Jahr lässt sich das nicht wiederholen. Das Geldinstitut senkt die Prognose für 2016, der Aktienkurs stürzt ab.

„Unser Ziel ist der Umtausch der Darlehen“, sagte Präsidentenberater Maciej Lopinski auf einer Pressekonferenz am Dienstag. „Aber es gibt verschiedene Wege, das zu erreichen. Es gibt den gesetzlichen Weg und den freundlichen.“ Der überarbeitete Gesetzentwurf helfe den Kreditnehmern, ohne einen Crash am Finanzmarkt auszulösen. Der Konservative Andrzej Duda war mit den Franken-Krediten als Thema in den Wahlkampf um das Präsidentenamt gezogen und hatte sich damit durchgesetzt.

Vor allem in den Jahren 2007 und 2008 hatte eine halbe Million Polen Immobilienkredite in Schweizer Franken aufgenommen, weil die Zinsen darauf deutlich günstiger waren. Inzwischen hat sich der Effekt aber ins Gegenteil verkehrt, weil der Zloty seinen Wert im Vergleich zum Franken halbiert hat. Das trieb die Kosten für polnische Kreditnehmer nach oben.

Mit dem Gesetz will es die Regierung für Banken unattraktiv machen, an den Fremdwährungskrediten festzuhalten. Sie sollen für Kredite in Franken oder anderen Währungen künftig deutlich mehr Kapital hinterlegen müssen als für Zloty-Darlehen. Die KNF muss dem allerdings noch zustimmen.

Commerzbank-Tochter: Polnische mBank hält Gewinn überraschend stabil

Commerzbank-Tochter

Polnische mBank hält Gewinn überraschend stabil

Die mBank sitzt auf umgerechnet 4,6 Milliarden Euro an Franken-Hypotheken. Auch steigende Garantieforderungen drücken auf die Marge. Dennoch blieb der Gewinn der Commerzbank Tochter stabil – für viele überraschend.

Zentralbank-Präsident Adam Glapinski, ein Parteifreund Dudas, sagte, er erwarte, dass die Banken innerhalb eines Jahres „einige Dutzend Prozent“ der Franken-Kredite umgewandelt hätten. Per Gesetz sollen zudem im Nachhinein die Gebühren gesenkt werden, die die Banken für die Fremdwährungskredite genommen hatten.

Nach Schätzungen des Präsidialamtes müssten die Banken damit 3,6 bis vier Milliarden Zloty (830 Millionen bis 930 Millionen Euro) zurückzahlen. In den Büchern polnischer Banken lagen zu Jahresbeginn noch Franken-Kredite im Gegenwert von 144 Milliarden Zloty (rund 33 Milliarden Euro). Allein die mBank sitzt auf 4,6 Milliarden Euro an Franken-Krediten, stärker belastet ist nur Marktführer PKO.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×