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31.07.2013

14:19 Uhr

Französische Großbank

BNP Paribas entdeckt den deutschen Markt neu

Die schwache Wirtschaft in den Kernländern drängt BNP Paribas in andere Gebiete. Die Großbank will sich zunehmend in den USA und Deutschland ansiedeln.

In Frankreich ist die Lage kompliziert – BNP Paribas sucht sein Glück woanders. dpa

In Frankreich ist die Lage kompliziert – BNP Paribas sucht sein Glück woanders.

Paris Die französische Großbank BNP Paribas bläst zum Großangriff auf den deutschen Markt. Die Jagd auf das Geld der Sparer und die Vergabe von Krediten an Mittelständler soll dem Institut über die Konjunkturschwäche auf ihren angestammten Märkten Frankreich und Belgien und vor allem in Italien hinweghelfen. Zu den 3500 Mitarbeitern in Deutschland sollen in den nächsten drei Jahren bis zu 500 hinzukommen, während das Geldhaus anderswo Kosten senkt. Die größte europäische Volkswirtschaft solle langfristig zum Wachstumsmotor für BNP werden, erklärte die Bank am Mittwoch in Paris. Sie will damit die Einnahmen in Deutschland auf 1,5 Milliarden von 1,1 Milliarden Euro jährlich nach oben schrauben. Das wäre etwa die Hälfte dessen, was BNP mit seiner Tochter BNL in Italien erlöst.

Im Zentrum des Vorstoßes steht der Internet-Broker Cortal Consors, der zu einer vollwertigen Online-Bank ausgebaut werden soll. Unter der neuen, europaweiten Marke „Hello Bank“ soll die Zahl seiner Kunden bis 2017 um 465.000 auf 1,1 Millionen steigen. Ein Prozent aller deutschen Spargelder sollen dann auf Hello-Bank-Kunden liegen. Eigene Filialen soll es nicht geben. Die Pläne für die „Hello Bank“, die es auch in Frankreich, Belgien und Italien geben soll, hatte BNP schon im Mai vorgelegt. In Nürnberg sollen dazu 50 bis 70 Stellen geschaffen werden, bisher hat Cortal Consors 680 Mitarbeiter.

Damit macht Cortal Consors Online-Banken wie der DAB Bank, Comdirect, aber auch ING-DiBa Konkurrenz. Im Filialgeschäft dominieren bisher die Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die zusammen auf rund zwei Drittel des umkämpften Marktes kommen. Die Commerzbank und die Postbank kommen auf einstellige Marktanteile.

Kapitalquoten großer Banken (2. Quartal 2013)

Kernkapitalquoten

Ein Lehre aus den Folgen der Finanzkrise lautet: Banken müssen mehr echtes Eigenkapital vorhalten, dass Verluste auffangen kann. Im „Basel III“ genannten Regelwerk ist eine Mindestquote von 4,5 Prozent aus Eigenkapital und einbehaltenen Gewinnen vorgeschrieben – von Investoren werden aber derzeit eher neun Prozent als Wert für eine stabile Bank angesehen.

Bank of America

9,6 Prozent

Citigroup

10 Prozent

Commerzbank

8,4 Prozent (nach 7,5 Prozent im ersten Quartal)

Deutsche Bank

10 Prozent (nach 8,6 Prozent im 1. Quartal 2013)

Goldman Sachs

keine Angabe nach dem 2. Quartal 2013

JP Morgan

9,3 Prozent

Morgan Stanley

9,9 Prozent

UBS

11,2 Prozent

Wells Fargo

8,5 Prozent

Quelle

Die Kernkapitalquoten stammen von den jeweiligen Geldhäusern und beziehen sich auf das jeweils zuletzt verfügbare Quartal. Die Banken beschreiben die Quote als „Common Equity Tier 1 Ratio nach Basel III“ oder auch nach der EU-Umsetzung der Basel-III-Vorgaben („CRD IV“) als „pro forma fully loaded CRD IV core tier 1 ratio“. Offiziell gilt die Basel-III-Vorgabe erst ab 1. Januar 2019, doch die Investoren verlangen bereits lange eine deutliche Übererfüllung der künftigen Quoten.

„BNP ist in Deutschland wirklich unterrepräsentiert“, sagte Analyst Jean-Pierre Lambert von Keefe, Bruyette & Woods. „Die Bank hat Potenzial in Segmenten wie kleinen und mittelgroßen, aber exportorientierten Unternehmen, vor allem nach Asien, oder im Geschäft mit Dienstleistungen für Sparkassen.“ BNP selbst hat sich zum Ziel gesetzt, im Kreditgeschäft mit Großkonzernen und Mittelständlern in Deutschland bis 2018 unter die ersten Fünf vorzudringen. Auch exportorientierte Mittelständler seien nun auf dem Radarschirm. Zudem wolle BNP im Leasing und im Forderungsankauf (Factoring) in Deutschland stark wachsen. Vor einer Woche hatte BNP angekündigt, die Depotbank der Commerzbank zu übernehmen, mit der das Institut in dem Bereich unangefochtene Nummer eins auf dem deutschen Markt wird.

Der frühere BNP-Deutschland-Chef Joachim von Schorlemer hatte mehrfach auf ein größeres Augenmerk auf den deutschen Mittelstand gedrängt, war aber - etwa mit einem Vorstoß zum Kauf der Düsseldorfer IKB - in der Pariser Zentrale wiederholt abgeblitzt. Er streitet mit BNP inzwischen über seine Entlassung vor dem Arbeitsgericht.

„Bombenfeste Bilanz“

Bisher erwirtschaftet BNP Paribas mehr als die Hälfte der Einnahmen in Frankreich, Belgien und Italien. Doch vor allem in Italien belastet die Wirtschaftskrise die Großbank in Form steigender Kreditausfälle. „Wir sind recht zuversichtlich, was Frankreich und Belgien betrifft“, sagte der für das operative Geschäft zuständige Vorstand Philippe Bordenave zu Reuters. „In Italien mag es ein wenig schwieriger sein.“ Die Bank brauche aber kein frisches Kapital. Ihre Bilanz sei „bombenfest“.

Die Abschreibungen auf faule Kredite und der Schwachpunkt Investmentbanking ließen den Gewinn im zweiten Quartal trotz aller Kostensenkungen um fünf Prozent auf 1,76 Milliarden Euro sinken. Die Erlöse gingen um 1,8 Prozent auf 9,9 Milliarden Euro zurück. Analysten hatten aber noch weniger erwartet.

Von

rtr

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