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01.07.2015

09:52 Uhr

Frauen in der Finanzbranche

Finanzberater, schaut die Frauen an!

VonFrank Wiebe

Finanzberater wenden sich meist an Männer. Ein schwerer Fehler, sagt die ehemalige Bank-Managerin Sallie Krawcheck. Sie hat das Finanzverhalten der Geschlechter untersucht – und gibt Empfehlungen.

„Wenn eine Frau etwas für sich fordert, dann muss sie zu 70 Prozent überzeugt sein, dass es ihr zusteht. Bei Männern reichen 20 Prozent.“ Bloomberg

5allie Krawcheck

„Wenn eine Frau etwas für sich fordert, dann muss sie zu 70 Prozent überzeugt sein, dass es ihr zusteht. Bei Männern reichen 20 Prozent.“

New YorkSie trägt ein schlichtes, grün gemustertes Kleid, und nur der dreifache, mit Diamanten besetzte Ring verrät, dass Sallie Krawcheck Millionärin ist. Ehemals galt sie als „Queen der Wall Street“, als eine der mächtigsten Frauen der amerikanischen Finanzbranche. Ihre steile Karriere endete 2011, als die Bank of America sich umstrukturierte und ihren Job als Leiterin der globalen Vermögensverwaltung überflüssig machte.

Seither engagiert sich Krawchek für Frauen, zum Beispiel mit ihrem Netzwerk „Ellevate“.

Ihre Botschaft an ein Publikum von Finanzberatern in Chicago ist klar: Frauen sind anders als Männer – und die Finanzbranche hat das noch nicht begriffen. Sie belegt ihre These mit eigener Erfahrung und scheut sich auch nicht, eigene Fehler einzugestehen. Aber sie stützt sich auch auf systematische Untersuchungen, denn sie führt gerade ein Forschungs-Projekt gemeinsam mit dem Analyseunternehmen Morningstar durch.

So sparen die Deutschen

Der Durchschnitt

Ich spare regelmäßig: 64 Prozent
gelegentlich: 26 Prozent
gar nicht: 9 Prozent
keine Angabe: 1 Prozent
Quelle: Forsa-Umfrage „Sparerkompass 2015“

Nach Geschlecht

Regelmäßige Sparer:

Männer: 65 Prozent
Frauen: 62 Prozent

Gelegentliche Sparer:
Männer: 22 Prozent
Frauen: 30 Prozent

Nicht-Sparer:
Männer: 11 Prozent
Frauen: 7 Prozent

Nach Alter

Regelmäßige Sparer:

18-29 Jahre: 63 Prozent
30-39 Jahre: 68 Prozent
40-49 Jahre: 62 Prozent
50-59 Jahre: 62 Prozent
60-69 Jahre: 65 Prozent

Nach Familienstand

Regelmäßige Sparer:
Mit einem Partner lebend: 68 Prozent
Allein lebend: 56 Prozent

Gelegentliche Sparer:
Mit einem Partner lebend: 24 Prozent
Allein lebend: 31 Prozent

Nicht-Sparer:
Mit einem Partner lebend: 8 Prozent
Allein lebend: 11 Prozent

Nach Erwerbstätigkeit

Regelmäßige Sparer:
Erwerbstätig: 68 Prozent
Arbeiter: 66 Prozent
Angestellte: 71 Prozent
Beamte: 69 Prozent
Selbständig: 74 Prozent
Nicht erwerbstätig: 57 Prozent
Hausfrau: 65 Prozent
Rentner: 73 Prozent
Schüler/Student: 42 Prozent
Arbeitslos: 16 Prozent

Nach Ortsgröße

Regelmäßige Sparer:
Unter 20.000 Einwohner: 67 Prozent
20.000 bis 100.000 Einwohner: 64 Prozent
100.000 bis 500.000 Einwohner: 71 Prozent
500.000 Einwohner und mehr: 50 Prozent

Nach Bundesländern

Regelmäßige Sparer:
Berlin: 45 Prozent
Sachsen: 47 Prozent
Brandenburg: 53 Prozent
Niedersachsen: 53 Prozent
Mecklenburg-Vorpommern: 56 Prozent
Hamburg: 61 Prozent
Schleswig-Holstein: 61 Prozent
Saarland: 65 Prozent
Sachsen-Anhalt: 66 Prozent
Baden-Württemberg: 66 Prozent
Hessen: 67 Prozent
Thüringen: 67 Prozent
Bremen: 68 Prozent
NRW: 68 Prozent
Rheinland-Pfalz: 68 Prozent
Bayern: 74 Prozent

Nach Summen

So viel spart der Durchschnittsdeutsche pro Monat:
Weniger als 50 Euro: 10 Prozent
50 bis unter 100 Euro: 22 Prozent
100 bis unter 200 Euro: 25 Prozent
200 bis unter 300 Euro: 15 Prozent
300 bis unter 400 Euro: 9 Prozent
400 bis unter 500 Euro: 5 Prozent
500 Euro und mehr: 10 Prozent

Das Ergebnis: Finanzberater sind meist Männer und sie sprechen in erster Linie Männer an. In einem Video-Experiment wurden Berater im Gespräch mit Ehepaaren gefilmt. Hinterher sollten die Berater sagen, wie viel Prozent der Zeit sie sich ihrer eigenen Meinung nach den Frauen zugewandt haben. Ungefähr die Hälfte, sagten die meisten. „Wir konnten diesen Männern anhand der Video-Aufnahmen zeigen, dass sie fast die ganze Zeit nur Blickkontakt mit den Männern hatten“, erzählt Krawcheck.

Ein schwerer Fehler, sagt sie. Denn Frauen leben länger und erben daher häufiger. Und wenn der Finanzberater zu ihnen keinen Kontakt aufbaut, entgeht ihm die künftige Erbin als Kundin.

Frauen, sagt Krawcheck, wollen, dass man wirklich mit ihnen spricht und ihnen nicht nur etwas erzählt. Ihnen ist es weitaus wichtiger, die Risiken im Griff zu behalten als etwas Zusatzrendite zu bekommen. Sie sehen Geldanlage als Teil ihrer Lebensplanung an.

Kommentare (1)

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Herr Franz Paul

01.07.2015, 10:35 Uhr

Auf die Empfehlungen superreicher amerikanischer Ex-Managerinnen kann ich leichten Herzens verzichten. Die haben vom echten Leben soviel Ahnung wie eine Kuh von der Raumfahrt.

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